Samstag, 13. Februar 2016

Die ham Ferris und was ham wir?




Schon früh steht fest wie dieser Abend enden wird. Wenn zu viele Pubertierende unterwegs sind, muss ich mich betäuben. Das ist immer so. Es gibt bestimmte Tonlagen, die ertrage ich nicht nüchtern und von den Produzenten jener stehen eine Menge vor der Max Schmeling-Halle herum.



Ich habe vorgebaut. Heute geht nichts schief. Die Mischung, die ich mir reingetan habe, wird das Umfeld ausblenden. Es ist eine gute Mischung, eine zuverlässige, denn ich kenne jemanden, der weiß wie ich die Dinge mag.



Habe ich mich kürzlich in Leipzig über 4,50 für den Whisky-Cola beschwert? Hahaha fool, wie wäre es mit 6,50? Wetten, die zahlst du auch, weil du saufen willst und ich hier das Monopol habe, es sei denn du willst diese Pferdepisse von Berliner Kindl in dich rein kippen, die sie hier sonst verticken, doch das willst du nicht, das will eigentlich niemand, trotzdem müssen sie es zu Puffpreisen erwerben, weil es nichts anderes gibt und auch niemand irgendetwas mitbringen darf, nicht einmal in einem Tetra Pak. 6,50. Wie machen das die Jugendlichen hier? 6,50 ist gut Holz. Doch der Stand ist voll. Eine Schlange als gäbe es Bananen für lau. So ist das in meiner Stadt. Irgendwoher haben sie immer Geld und dann stehen sie Schlange. Ist so ein übrig gebliebenes Ostding. Das wächst sich nie raus. Wie immer und überall hier ist Warten die Übung, die jeder beherrschen muss. Warten beim Einlass. Warten bei der Garderobe. Warten beim Suff. Warten auf dem Weg zum Innenraum. Warten auf die Band, die sowieso wieder zu spät anfängt. Tik. Tik. Boom. Früher standen sie wegen zu wenigen Waren, heute stehen sie wegen zu wenigen Angestellten.



Als Kompensation für die elende Warterei spielen sie sinnlose Videoclips ohne irgendein System und sowieso ohne Sinn. Motörhead. Scooter. Ice Cube. Romano. Das ist dieser Vogel aus dieser Vorstadt von Berlin, dessen Zeug ich gut finde ohne es gut finden zu wollen.

Als sie auch noch David Bowie spielen, jubeln die Kinder. Valla Alter, ich wette keiner von den Opfern hat vorher je ein Lied von David Bowie gehört. Wahrscheinlich kennen sie den Namen nur, weil 200 Millionen Menschen peinliche R.I.P.-David-Buhää-Ich-bin-zwar-nicht-betroffen-aber-ich-surf-auf-der-Welle-Bildchen auf ihre Timeline gepappt haben, die sie dann wieder alle liken ohne zu wissen, wer das sein soll, der da wieder ins Gras gebissen hat. Lemmy. Bowie. Willemsen. Sie kommen vor lauter R.I.P.-Bildchen malen zu nichts anderem mehr. Like. Like. Mich am Arsch.



Ich bin gut drauf. Vitamin A und die gute alte Marie erzielen die erwartete Wirkung. Hoch und runter in einem Augenaufschlag. Das ist wie Wein und Bier, das geht streng genommen nicht zusammen. Doch streng mag ich sowieso nicht. Ich mag vielmehr den Widerstreit der Dinge. Ich bin voll da und schaue trotzdem durch einen Nebel. Der Whisky-Cola, dessen Puffpreis ich aus irgendeinem Grund bezahle und bezahle und nochmal bezahle, setzt meinem Zustand die wackelige Krone auf. Bum. Bum. Bum. Wir ham Ferris und was habt ihr?



Diese Momente in solchen Zuständen sind selten geworden. Zu oft steht mir die Verantwortung im Weg. Ausgeschlumpft. Ausgeschlurcht. Volldampf. Jobmaschine. Vatermaschine. Ausbildermaschine. Vorne stehen. Dinge sagen. Seriös sein. Immer Vorbild. Immer eine Lösung. Nie gehenlassen. Funktionieren. Reparieren. Konzeptionieren. Austarieren. Schulter bieten. Fallenlassen war gestern. Fäden in der Hand halten ist heute. Wann können auch mir die Dinge eigentlich mal egal sein? Können sie das noch? Wer regelt die Dinge für mich, wenn ich es mal nicht kann? Vermutlich niemand. Dieser unhaltbare Zustand zwischen Wickeltisch, Spaghetti Bolognese und Powerpoint schreit in seinem einzigen Ausweg danach, bunt angemalt zu werden. Bunt. Bunter. Bällebad. Vielleicht zwei Mal im Jahr. Drei Mal in guten Jahren. Raus. Konsumieren. Blöd sein. Nie denken. Sondern Hirn abtöten. Selten ist das, zu selten. Tage wie heute sind mein Urlaub. Die ham Ferris und wen hab' eigentlich ich?



Ich habe die Honks. Wenn ich geglaubt habe, dass mich mein Zustand vor ihnen bewahrt, dann habe ich falsch geglaubt. Hier sind sie. Gleich drei davon. Bitte sehr.



Dick. Breit. Riesenschädel. Und blinkende Scheiße um den Kopf. Ich seh' nix mehr. Außerdem wird mir schlecht. Die müssten Warnhinweise auf ihre Blinkescheiße kleben: Achtung Epilepsiegefahr. Wie bei meiner Playstation. Vollspackos. Blinkende. Ich seh' nix. Weg hier. Blinkehonks. Nur Idioten unterwegs heute. Die Irrensammelstelle ist wieder direkt bei mir. Blep Blep. Ich bin der Idiotenmagnet. Reißleine. Sendepause. Ich tanz' mich ganz weit weg. Ferris. Ferris. Hey, mal ehrlich, dass sie aus so einem komplett verstrahlten Patienten wie Ferris MC jemanden gemacht haben, den sie nun alle kollektiv anbeten, wenn auch wieder nur ironisch, ist ein Musterbeispiel für erfolgreiches Rebranding. Respekt. Ruf im Eimer? Erfinde dich neu! Ein paar Clips. Den Rest erledigt die Zeit.





Ja. Doch. Es geht wieder. Danke für die Petition. Like mich am Arsch. Der brilliante Text des besten ihrer Tracks geht hier in diesem Inferno völlig unter. Die Message sowieso. Was bin ich drauf. Like mich am Arsch. Ich bekomme riesige Lust, sinnlose Internetkommentare zu schreiben. Irgendwo bei Spiegel Online. Heise. Oder unter irgendwelche Blogs. Trollolo! Ich wichse die Kommentarleisten voll. Los! Schmecke mein Ejakulat, Blogger. Ich bin der Supertroll. Ich schreibe immer das Gegenteil dessen, was da wo ich bin gerade propagiert wird. Völlig egal was. Ich wechsle die Richtung wie ein verdammter Hase, ihr Ficker. Du bist Veganer, hahaha, Fleisch ist mein Gemüse, du Körnerfresser. Jeden Tag brat' ich mir ein Schwein. Du Arsch! Weiter geht's, wer ist der Nächste? Ah, ein Gutmensch. Haha, die hab' ich besonders gerne, schnell ein paar Stinkbomben über fickende Moslems druntergeschissen, von denen ich behaupte, dass sie in meine Nachbarschaft gezogen sind, wonach sie meine Tochter, die ich gar nicht habe, ins Gebüsch gezogen haben. Haha. Lösch mich doch, Blogger! Dann ist das Zensur! Mit fünf U! Ich hab' Meinungsfreiheit. Am Arsch der Fick! Linksstalinistisch versiffte Stasisau! Mist, gesperrt, übertrieben, oho was ist das hier? Ein Blogger mag Eintracht Frankfurt. Hohoho so schnell bin ich ein Bayernfan. Gestern noch Gladbach, heute Bayern. Kannste mal schauen. Unkraut wechsel dich. Trollolo. Das macht mir keiner nach. Ole ole ole oleeeeee! Was? Is nich' wahr! Ein Gulaschrezept. Tatsache. Hier, nimm das: Du arme Sau. Dein Fleischkonsum wird dich umbringen. Lieben Gruß, der Veganer. Und ist das da etwa ein Atheist? Erwache! Gott wird dich strafen du Sünder! Bereue! Hey, schnell einen Papablog zwischengeschoben. Die sind immer so schön brav wie bräsig. Meine Lieblingsopfer. Schnell einen Kommentar hingerotzt: Oh dein Kind tut mir leid. Bei so einem Papa. Wird bestimmt ein Pflegefall. Jemand sollte das Jugendamt rufen. Zack. Druntergeschissen. Schluck du Lump. Meinen Wichsfleck von vielen Wichsflecken. Uh. Ah. Was ist das? Da schreibt einer gegen Homöopathie an? So ja wohl nicht! Zack, Textfeld auf: Mir hat Homöopathie geholfen! Jaja! Mir hilft Homöopathie immer. Du Schulmedizinnazi! Wer Aspirin nimmt, nagelt auch kleine Hamster an Holzkreuze. Schäme du dich! Huha, fühl' mich, lies' mich, fühl' dich gefickt. Ich bin alles, ich bin nichts, ich bin der Troll, ich bin alles was du nicht bist, ich bin dein Yang, du dummes Ying, hasch mich, hier noch einen, da noch einen, Frauen müssten mal ordentlich..., Sozialschmarotzern müsste man..., alle Kiffer wegsperren, alle Demos verbieten, alle Fleischfresser abschieben, alles überwachen, I love NSA, Snowden der Verräter, eins, zwei, Polizei, mein Freund, der Helfer, immer drauf mit dem Knüppel, woah, verzettelt, vertrollt, ich bin jetzt müde, was ich mache ist harte Arbeit, ehrliches Brot, ich und mein Spielzeug, mein Internet, meine Kommentare, ich bin der Internettroll, von dem sie alle reden, einer der ganz Großen, mit 60 Dingern heute, fast Rekord, puh, das war mein Tag, den ich damit kröne, dass ich nach Mitternacht in meine alte Socke spritze, die ich morgen nochmal anziehe, bevor ich bei Deichmann Schuhe anprobieren gehe. Huha.



Und dann macht einer eine Merkelraute.






Di. Da. Du. Deichkind. Ich bin durch. Bum. Bum. Remmidemmi. Ihr Hurenkinder. Haha. Hurenkinder. Ich weiß doch, jaja, scheiß mal gleich einer klug was Hurenkinder sind, ein ganzes Netz voller Klugscheißer, die nie jemand mag, weil sie Dinge aus Wikipedia klauen und sich dann wichtig tun, bah, nee, im Ernst, noch ein Whisky-Cola und ich kotze dem Fetten vor mir in die picklige Arschritze. Schunkel Schunkel, was sind die alle brav. Ich halte jede Wette, dass hier keiner mehr Drogen nimmt. Morgen ist Donnerstag, da müssen sie alle früh raus. Klassenarbeit. Job. Examen. Da müssen sie fit sein. Junge Menschen. Die sind alle so nett, dass es mir hochkommt. Ich fürchte fast, ich bin der einzige, der nicht mehr aufrecht stehen kann. Falle über Ökorucksäcke. Remple Ginger Ale aus Patschehändchen. Dann schauen sie wieder so ulkig, die Kinder. Äugen. Wippen. Nippen am Russian Wild Berry. Sagen aber nie etwas. Scheuen jeden Konflikt. Endstadiumsgegenderte Butterweichkäseröllchen. Keine Schlacht mehr zu gewinnen mit diesen Waschlappen. Uh. Was war das? Schön, dass mir auch mal jemand an den Arsch fasst. Oh. Der? Süß ist der. Schwarzes Hemd. Seide. Schlank. Grinst. Ich habe eine Schwäche für Androgynes wie dich. Knutschen? Ja? Bitte. Geht. Meine Hüfte darf deine sein. Und dein Arsch gehört mir. Männer sind so schön unkompliziert. 1. 0. Ja. Nein. Whisky trifft auf Rum im Rachenraum. Gewagte These: Männer knutschen besser. Sind aber stacheliger. Muss man wissen. Wissen aber viele nicht und sind dann vergrätzt, wenn es piekst, was überflüssiger Ärger ist. Kann man sich doch denken. Hat nicht jeder einen löchrigen Fusselbart, weich wie Meerschweinchenfell, so einen von der Sorte, der beim Waschen abgeht.



Mölb.



Bin durch.



Im Prinzip schon seit Stunden.



Das war abzusehen.



Vorher klar.



Eh klar wie der Abend enden würde.



Und dann war da auch noch dieser Typ im Hasenkostüm auf dem Falkplatz.


Freitag, 12. Februar 2016

Lass mal netzwerken - Links vom 12. Februar 2016




Offenbar ist es gar nicht so uninteressant, welche Musik ich höre. Hier wird mitgeschnitten und kategorisiert. Vielleicht ist ja was für Sie bei.

Die Links. Read this:


Erlangen LiberalWas die Flüchtlingskrise mit Badminton zu tun hat
Ich kann es selber kaum fassen, dass ich so einen Zombie wie die FDP verlinke. Aber Sie wissen ja, ich habe eine Schwäche für gemäßigte Liberale, einige meiner besten Freunde sind welche. (via Christian Buggisch)

KattaschaMut zur Warheit: Faktencheck AfD in Bildern
Das wird man doch wohl noch ... jaja, is' ja gut.

Fliegende BretterRonny des Monats - Karnevalssondernummer
Was dazu zu sagen ist wird wieder einmal von Herrn Rose gesagt.

Das Schönste an Deutschland ist die AutobahnVon der Unmöglichkeit des leichten Denkens an diesem Ort zu dieser Zeit
Im Moment ist es nicht mehr möglich, auch nur halbwegs moderat Kritik an den manipulierenden und ganz tief im Darm der Regierung sitzenden offiziellen Presseorganen zu üben, ohne in einen Sack mit den braunen Brüllern aus Dresden gesteckt zu werden. Das haben sie fein hingekriegt. Rabulistik at its best. Du findest, dass die Presse lügt? Nimm das du Pegida-Hund und schau in welcher Gesellschaft du jetzt bist. Und dann stellen sie sich in den von ihnen beherrschten Medien zur besten Sendezeit hin, halten ihre sich gegenseitig zugeschusterten Preise in die Luft und verlautbaren, dass das alles gar nicht stimmt und wer was anderes sagt, ist braun. Schäbige Argumentation. Doch sie wirkt. Ich möchte auch nicht im selben Topf wie die Lügenpresse-Brüller sitzen.

...

...

...

Und sie lügen doch.

Krawutzi!Sicher im Internet: Hilfe, ich werde überwacht!
Ich weiß ja, Überwachung interessiert keine Sau mehr. Nur noch ein paar Nischenblogger. The hype is over. All said. Bye bye. Doch hilft ja nix. Muss ja.

Christian Buggischs BlogDie Evolution des Hotel-WLAN
Hotel-WLAN. Er prangert es an. Mit viel Recht.

ZwetschgenmannHauptsache Häuptling
Haha. Helm ab zum Gebet.

is lieb?Moslem
U-huu. Da geht er um.

HappyBuddha755 KW 2016
Twitter. Alles wesentliche dazu.

Auguststraßeto be in mitte - Torstrasse 224/228
Cool. Endlich mehr Lofts in Mitte.

Amélies BlogPrenzlprinzessin
Prenzlauer Berg. Ein Bezirk als Witzfigur. Holy crap...

LandLebenBlogTrostlos
Sterbende Stammtische.

Arthurs Tochter kochtVom Übersäuern und Kacken
Sie hat Kacken gesagt.

So. Nu fastet mal schön:

Nur das gute ZeugsRöstaromen


Mittwoch, 10. Februar 2016

Versteh ick nich (5)




Ich verstehe wieder einmal etwas nicht.

Ich schaue sehr gerne Kessler. Das ist der Typ, der immer irgendwo in Deutschland mit einem komischen Gefährt unterwegs ist und den Menschen zuhört. Eine tolle Serie/Reihe/egal. Ich schaue sie wirklich gerne. Wenn ich Zeit habe.

Die ich nicht habe. Oder maximal unterwegs. Im ICE. Mit zuckelndem und ruckelndem Telekom-Hotspot. Oder zuhause kurz vor Mitternacht. Wenn das Kind endlich schläft.

Angewiesen bin ich beim Schauen von Kesslers neuesten Reisen auf das Internet. Die Mediathek. Denn ich verpasse jeden Sendetermin. Macht nix. Lineares Fernsehen ist für alte Menschen und so alt bin ich noch nicht, dass ich wissen würde, wann sie im Fernsehen zu welcher Uhrzeit was senden. Gibt es noch Programmzeitschriften? Wozu? Für die Altenstifte ohne WLAN? Versteh ick nich. Wenn man etwas schauen will, geht man ins Internet und schaut es. Streamt das Zeug vom Tablet auf den Flatscreen und gut. Ich mag das.

Der rbb durchkreuzt meine Planungen. Es gibt da diese Seite dieses chronisch unsäglichen Senders, auf der Sie alle bisherigen Folgen besichtigen können. Jedoch nur noch als Standbild, sobald die Austrahlung etwas länger her ist. Danach werden Sie aufgefordert, eine DVD zu kaufen. The fuck? Eine DVD? Was ist das? Sind das diese Silberscheiben aus den 90ern? Ich glaube, ich habe noch eine als Untersetzer. Mit Blues Brothers drauf. Sonst habe ich gar keinen Player mehr, der das abspielen könnte. Oder kann die Playse 4 das? Ja? Nein? Und warum muss ich mir 2016 um so etwas wie die Kompatibilität eines physischen Mediums Gedanken machen?

Ich zahle im Quartal 52,50 € an Gebühren für diese vollgefressenen öffentlich-rechtlichen Rundfunkjabbas, deren Produktionen ich nur im Ausnahmefall schaue. Fragen: Habe ich damit Kessler nicht schon bezahlt? Warum soll ich dazu noch DVDs kaufen? Oder einen Stream? Und ist das nicht Doppelalimentierung, wenn ich diesem Moloch von Fernsehanstalt neben der Rundfunkgebühr auch noch Geld für ihre einzelnen Produktionen in den Rachen werfe? Bisher ging ich in meiner schrankenlosen Naivität davon aus, dass ich eine Gebühr bezahle und damit die Produkte des Gebühreneintreibers nutzen darf. Entweder das oder jemand ist nicht öffentlich-rechtlich und vertickt mir seine Produkte on demand. Per view. Meinetwegen auf DVD, wenn es sein muss. Aber beides geht nicht, oder? Geht doch nicht? Habe ich recht? Liege ich falsch? Zocken sie mich wieder ab? Was soll das? Versteh ick nich.


Montag, 8. Februar 2016

Sächsische Fragmente




In Sachsen kombinieren sie immer noch Ohrtunnel mit Vollbart. Und Pickelknopfpiercings mit Backen. Zu quietschroten Haaren.

Im Hotel. Es ist halb zwei am frühen Nachmittag. Der Kretin am Empfang brüllt mich an: "Wüso sünn'n heudö ollä so früh? Einschäggn is ab Fötzn Uhr! Stetto druff! Müssensä läsn'n. Wollnsän Frühstück ham?" "Nein danke." "Worum nä?" "Ich frühstücke nicht." "Solltense aber." (So siehst du aus, du Fotzenbart). "Will ich aber nicht." "No güt. Is jo ihre Gesundheit."

(Affe)

Für das WLAN wollen sie acht Euro haben. Und für den Parkplatz nochmal sieben.

"Basswort fürs Indernett gost acht Eurö."

"Nein, danke."

(Fickt euch)

An der Tankstelle. "Nummer 11. Und einen Kaffee und ein Schokoladenbrötchen nehm ich noch." "Schoggogrossö?" "Schokoladenbrötchen." "Geen Grossö?" "Nein. Kein Croissant. Brötchen. Pain au chocolat. Schokoladenbrötchen. Das da. Haben Sie Milch zum Kaffee?" "Dö! Goffäsohne.". "Richtige Milch auch?" "Nä. Hättense Mülschgoffä nähm müssn." "Stimmt. Mein Fehler."

Kein Tschüss.

(Fotze)

Der Kaffee ist beschissen. Und das Schokoladenbrötchen gefroren. Das Sodbrennen setzt nur Minuten später ein.

Beim Döner. "Soßä?" "Scharf." "Mit alles?" "Keine Zwiebeln bitte." "Mit alles." "Ohne Zwiebeln bitte." "Also mit alles."

(I kill you)

Es kräht über einen Vorplatz in Lindenau: "Baulö! Nimmes XXL-Menüüü! Dö is nö Gölö müt drünnö."

(Nur einen Euro für jeden Umlaut und wir könnten alle Probleme der Welt lösen.)

Im DM. "Hom se nö Beibäckgordö?" "Nein." "Geene Beibäckgordö?" "Nein!" "Warum nö?"

(Ich hasse nicht nur Rabattscheiße, sondern vor allem Fragen nach Rabattscheiße. War das früher schön ruhig beim Einkaufen.)

Straßenbahn. "Entschuldigen Sie, wissen Sie wie das mit den Tarifzonen funktioniert? Reicht eine für Leipzig?" "Wesch nö." "Wissen Sie dann vielleicht ob ich die Tageskarte entwerten muss? Und wenn dann wo?" "Wesch onö."

(RTL 2. Eine Schneise der Verwüstung durch die Resthirne der Nachwachsenden.)

Auf einer Straße irgendwo in Plagwitz. Die Staatsmacht zeigt Präsenz. Übt durchgreifen. Und beginnt bei mir. "Stöpp! Bersöngondrollö. Ihrö Babierö." "Was liegt gegen mich vor?" "Ihrö Babierö." "Was liegt gegen mich vor?" "Ihrö Babierö." "Was liegt gegen mich vor?" "Ihrö Babierö."

(Wenn ich noch einen Sohn bekomme, werde ich ihn Acab nennen. Klingt so schön arabisch.)

Sachsens Straßen haben noch mehr Schlaglöcher als die in Berlin. Die durchgeknallten Terrorradler rasen hier nicht auf dem Bürgersteig. Aber nur weil die Bürgersteige in einem noch schlechteren Zustand als die Straßen sind.

Leipzig hat die rote Welle an den Ampeln perfektioniert. Ich dachte, wenigstens das kann Berlin besser. Wedding. Seestraße. Richtung Autobahn. Aber nein. Die rote Welle auf Leipzigs Straßen zeugt von ausgeprägtem Sadismus. Das kann nur jemand in dieser Form schalten, der Menschen inständig hasst. Sie wollen mich zermürben. Zermürben. Wollen. Sie mich.

Steigen zwei Nazis in die Straßenbahn und haben jeder eine Bionade in der Hand. Einer Litschi und der andere Holunder. Das glaubt mir wieder kein Mensch.

Ein Schild auf der Autobahn. Auf dem steht tatsächlich "Rechtsfahrgebot einhalten".

Ich muss über so etwas so sehr lachen, dass ich fast in die Leitplanke rase. Rechts.

Um die zahllosen Flixbusse auf der A9 herum bilden sich immer öfter Trauben aus Caravans und Wohnanhängern. Vermutlich des WLANs wegen. Wahrscheinlich laden die alle gerade den neuen Til Schweiger-Tatort illegal von irgendeinem kasachischen Streaminganbieter runter. Oder das neue Album von Rihanna. Fast wirkt es als wärmten sich Schutzsuchende an einem Lagerfeuer. Oder wie Putzerfische, die nach Hautresten geiern. Oh Deutschland, dein Internet, oh Deutschland, deine Volumenbegrenzung.

Berlins OHV ist Sachsens MTL. Sie können es nicht.

Das Werk 2, das sich völlig zu Unrecht in seinem Ruf als Hort der Alternativszene suhlt, veranstaltet jetzt Karneval. Und es kommen genau die, die immer zu Karneval kommen. Junge Union-Gesichter. Siegelringträger. Jägermeistersäufer. Hilfigerhemdenborg. Und eine unüberhörbare Anzahl dummer grellbunter Schnepfen, deren Lachen Glas zerspringen lassen könnte, gäbe es hier nicht nur diese keimigen Plastikbecher.

Sobald sie lachen, wünsche ich mir jemanden, der mit seinen Fingernägeln über Dachpappe kratzt. Oder einen Laubbläser. Doch der Herbst ist vorbei. Wie schade.

Die Jackie Cola-Mischung im Werk 2 ist auch eine Zumutung. Kaum Jacky, dafür die Cola abgestanden. Sie wollen 4,50 dafür. Nepp mich. Schlepp mich. Fang den Bauern.

Dafür, dass Connewitz das neue Prenzlauer Berg sein möchte, ist hier entschieden zu wenig Sri Chinmoy. Ich kann mich nur schwer bremsen, besoffen "Mehr Gurus! Es braucht mehr Gurus!" über das Connewitzer Kreuz zu rufen.

Connewitz ist Samstags so langweilig, dass ich schon zu Mitternacht müde werde und mir einen Whisky Sour aufs Zimmer bringen lasse. Der hingegen ist gut.

Karl-Liebknecht-Straße.

Autobahnzubringer.

Blinkende Schlote.

Windräder.

Willkommen im Land der Frühaufsteher.


Samstag, 6. Februar 2016

Connewitzer Spaziergang




Auswärtsspiel. Leipzig-Connewitz. Hübsch hier. Sie malen jetzt auch hier die schicken Altbaufassaden an. Das steigert die Werte. Würg.



Natürlich ist auch fritz kola nicht weit. Es weht eine sanfte Brise der Verspießerung. Kaffeekultur. Sojakeim. Tofu. Birkenstock. Und es gibt Apps für die Nachbarschaft.



Wahrscheinlich kann man da melden, wenn jemand gegen die Mülltrennung verstößt. Oder nach 22 Uhr rülpst. Trau. Schau. Kuck. Alles da. Feldenkrais. Psychotherapeuten. Keramikkurse. Heilsteine. Und Fremdsprachenunterricht für 3-jährige.



Yoga und Chi Gong finden Sie hier auch an jeder Ecke. Genauso wie veganes Essen. Hallo Prenzlauer Berg. Trapp Trapp. Schleich Schleich.




Wobei letzterer Expressdude hier ein Scherz ist. Es handelt sich um eine ganz normale Glutamatbutze, in der ich zur Stoßzeit der einzige Kunde bin. Nix vegan, zumindest nicht durchgängig. Es gibt auch hier dieses altbekannte Eimerhuhn zum öligen Reis. Und diese misshandelten Enten, die wie obszöne dicke Spinnen von den Decken der Abstellkammern aller prekären Chinabutzen dieses Landes hängen. Aber das macht nix. Hauptsache wir schreiben groß vegan drauf. Hier in Connewitz. Das zieht. Buzz Buzz olé. Yoga. Thai Chi. Vegan. Chia Samen. Trockenobstschnitze. Ich fühle mich tatsächlich fast so bräsig wie in Prenzlauer Berg, nur noch nicht ganz so etabliert. Hier ist immer noch ein wenig Antifaland. Kein Straßenschild ohne Klarstellung:



Doch die Haie stehen schon parat.



Du suchst Immobilien zum Kauf? I bet you do. Und was ist das da:



In Connewitz verwirklicht man sich jetzt auch architektonisch selbst. Nyce. Und man saniert auch gleich die ehemaligen Widerstandsnester mit:



Das Conne Island. Meine Güte. Was haben wir da um das Millennium herum gesoffen. Sieht das schon lange so aus? Kann mich gar nicht erinnern, dass es inzwischen wirkt als könne es so auch in Herne stehen. Oder noch schlimmer: In Gießen.

Immerhin sind die Sprüche an den Hauswänden noch gut:



Schade dass ich Oberst Kübel und die Klabusterbären verpassen werde.



Eine Schande. Genau wie die Schneise der Verwüstung, die der Mob, die neue SA, vor ein paar Wochen durch Connewitz gezogen hat:





Das hätten sie sich vor 15 Jahren noch nicht getraut. Da fuhr nicht mal die Polizei alleine nach Connewitz rein. Hagelschauergefahr. Heute geht das. Doch wohl nicht überall. Die Stockartstraße ist immer noch ein Mythos. Ich laufe durch und werde beäugt. Wer bin ich? Was will ich? Argwohn liegt in der Luft. Die Leute schauen. Fotos mache ich keine. Das war schon früher so. In der Stockartstraße macht man keine Fotos. Oder zumindest nur einmal. Dann liegt der Apparat im Gulli. Trotzdem: Früher war alles offener hier. Netter. Ich hab' hier ein paarmal übernachtet. Eine Matratze war immer frei. Heute ist dicht. Ich kenne ja auch niemanden mehr. Und mich kennt auch keiner. Ich versteh's ja.

So. Keine Zeit mehr. Ich muss los. Es ist kurz nach acht. Das Konzert geht gleich los. 



Einen Bonustrack habe ich noch. Hier. Gesehen in Lindenau. Was ist das? Kunst? Hab ich keine Ahnung von. Sieht scheiße aus.