Freitag, 29. Juli 2016

Malta: Das große Fressen


Hotel. Hotelbuffet. Hotelbuffetraum. Es gibt in meiner Anlage nicht nur eine Möglichkeit, eine irrwitzige Menge an Essen zu sich zu nehmen. Es gibt acht. Acht Räume. In denen Sie fressen können bis Sie platzen. Morgens. Mittags. Abends. Friss. Friss. Mehr. Mehr. Rein damit. Los.


Sie haben im größten der Fressräume einen Bereich ausgewiesen, in den keine Kinder dürfen. So etwas haben sie auch draußen am Pool. Und drüben an der Bar. Keine Kinder. Adults only. Ich habe ein Kind dabei und wir gehen dort natürlich nicht hinein. Ich habe volles Verständnis. Es muss Bereiche geben, in denen kein Kind die Atmosphäre zerrockt. Es muss Leute geben dürfen, die dort gerne sitzen. Es darf ausdrücklich auch Menschen geben, die Kinder nicht mögen. Nicht bei sich haben wollen. Nicht in ihrer Nähe sein wollen. Das geht klar. Das ist ausdrücklich in Ordnung. Ich habe dort mit Kind nichts verloren, ich muss nicht überall mit Kind rein und das unterscheidet mich wohl von der großen Mehrheit elternbewegter Aktivisten, die sofort Petitionen, Hashtags und dümmliche Hochglanzartikel gebären, wenn es Orte gibt, an denen sie einmal nicht ihrer Umgebung auf den Sack gehen können.

Das Buffet ist überwältigend. Riesig. Von Feinsten. Nie endend. Und die feisten Massen fressen mit einer Energie, die mir Angst macht. Überbordend gefüllte Teller sprechen entweder von der Furcht, nichts mehr zu bekommen oder von der Faulheit, öfter als unbedingt notwendig für neue Nahrung aufstehen zu müssen. Sie bekommen hier morgens, mittags und abends so viel Essen wie Sie wollen und ich sehe zu allen drei Zeitpunkten dieselben Leute ihre Teller vollstapeln. Und noch einmal vollstapeln. Vollstapeln. Voll. Bräuchte Völlerei eine Heimat, so wäre sie hier.

Wie immer wenn die Masse ihren Weg geht, ruft sie meinen Widerwillen hervor. Den dringenden Wunsch, es anders als sie zu machen. Ich beschließe, meine gesamte Zeit in Malta vegetarisch zu bleiben. Rohkost. Cracker. Körnerbrotscheiben, die außer mir keiner nimmt. Ricotta. Käsescheibe. Melone als Höhepunkt. Im Angesicht der schwitzenden Leiber, die bei morgens schon 30 Grad in der Schlange für die triefenden Minicroissants und den gebratenen Speck stehen, möchte ich herausfinden, ob es sich einstellt, dieses berühmte moralisch überlegene Veganergefühl, dieses pralle aus den Ohren tropfende Bewusstsein, zu einem besseren Teil der Menschheit inmitten eines Meers der Sünde zu gehören.


Und das tut es. Ich fühle mich gut. Großartig. So rein. Ich fühle mich so überlegen, dass ich auf mein eigenes Spiegelbild onanieren möchte. Moralische Stärke wabert durch meine Blutbahnen und euphorisiert mich, dass ich mich bremsen muss, nicht allzu selbstzufrieden grinsend durch die Doppelkinne zu schreiten. Was bin ich gesund. Wie kann man sich nur so gehen lassen wie alle anderen. Ich bin nicht so, ich gehöre nicht dazu, ich mache es besser. Kein Tier. Kaum Fette. Bitte keinen Zucker. Als eines der Rotgesichter an mir vorbeischnauft, den Teller voller Fett, mehr Fett, Leichen, Leichenfett in pralle Würstchen gepresst und Ei, Eiern, noch mehr Eiern, unterdrücke ich nur mühsam den Drang, ihm meine Hand auf die Schultern zu legen und ihm fürsorglich auf den Weg zu geben, dass das, was er da auf dem Teller hat, nicht gut für sein Herz ist und ich nicht sicher bin, dass er, so wie er schnauft, das Jahr 2020 noch erleben wird. Mission. Mission. Ich werde Missionar. Ich bin so ein guter Mensch. Ein Vorbild. Seht mich doch an. Auf dem Teller eine halbe Salatgurke. Salatgurke! Tomate! Staudensellerie! Rote Fucking Beete! Health for life!

Ich muss unbedingt unten im Shop vorbeischauen. Vielleicht verkaufen sie Shirts mit Aufdruck: Superior. Jetzt stellt es sich doch ein, das selbstzufriedene Grinsen.

Hier so ein großartiger Mensch mit überquellendem Karmakonto zu sein bringt bedauerlicherweise mit sich, dass ich nicht so viel Auswahl habe. Ich habe sogar recht wenig Auswahl. Das was es gibt, ist sehr gut, doch es ist wenig. Platten voller Fleischscheiben haben Sie hingegen viele. In allen Formen. Schweine. Rinder. Hühner. Hasen. Lämmer. Lämmer. Ohne Ende Lämmer. Ich muss lange Wege gehen, viel suchen, viel schauen, Beilagen picken, Erbsen rauspulen. Den Brokkoli fischen. Sie unterdrücken mich, mich, den Vegetarier. Ich bekomme Lust, eine Petition zu starten, einen Zeitungsartikel oder ich mache gleich einen Twitteraccount auf und heule über die Zustände an maltesischen Buffets. Meine Ernährung ist anstrengend und die Gesellschaft ist dran schuld.


Nach drei Tagen werde ich schwach und knalle mir einen Pancake auf den Teller, den ich mit Ahornsirup übergieße. Sofort fühle ich mich schlecht. Ich bin ein Teil von ihnen geworden, ich bin nicht mehr besser als sie, ich bin jetzt auch ein Fresser, ein schwacher Mensch, jemand ohne Selbstkontrolle, einer, der sich gehen lässt. Ich bin wie sie. Morgen. Morgen hat das wieder ein Ende. Morgen ein Salatblatt. Maximal zwei. Ohne Dressing. Nicht mal mit Schafskäse. Strafe muss sein. Kastei. Kastei. Ich bin nicht wie sie. Ich bin. Nicht. Nicht. Wie sie. Bin ich nicht.

Wenn ich mich umschaue, bemerke ich, dass sich kein Schwanz dafür interessiert, was ich esse. Niemanden juckt das. Ein überlegener Mensch in diesem Leibermeer des Fresspöbels zu sein ist Arbeit. Und langweilig. Unbemerkte Arbeit. Öde. Farblos. Geschmacklos. Mäh. Es ist blöd. Bringt nix. Und schmeckt auch nicht. Ich lasse die Attitüde sein und probiere ein Lamm in einem Rosmarinthymiansud. Ist das gut. Egal. Am Arsch die Räuber. Bald ist sowieso wieder Prenzlauer Berg. Dort leben sie mir genau das wieder vor. Dort werde ich mir dann wieder eine Currywurst kaufen, um damit durch das Meer der Veganer zu schreiten, die für mich eine Gasse bilden werden. Sie regen sich immer schon schön auf und zerren ihre Kinder weg. Veganer trollen ist mein Gemüse, denn sie haben meinen Bezirk zu ihrer Zentrale gemacht.

Die Ernährungsvolte bringt neue Probleme mit sich, denn hier auf Malta nicht innerhalb einer Woche exponential fett zu werden ist schwer. Die morgendliche Laufrunde habe ich aufgrund der Temperaturen und des schlechten Zustands der Wege auf eine halbe Stunde verkürzt, was ungefähr einem Pancake entspricht. Und es gibt Aufzüge überall. Vier in Reihe. An mehreren Stellen. Prominent platziert. Immer unter Volllast. Die Treppenhäuser für meinen fünften Stock müssen Sie suchen. Sie sind versteckt. Verwinkelt. Verwaist. Keiner soll sie finden. Sie sind auch versetzt angelegt, so dass Sie lange Gänge entlanglaufen müssen, um zum Treppenabsatz für den nächsten Stock zu kommen. Verwinkelt. Labyrinthiert. So etwas wie Treppenlaufen wollte der Architekt nicht.


Ich frage mich manchmal, ob ich der Einzige bin, der seine Situation zumindest ein wenig reflektiert. Ich meine, ehrlich mal, die Szenerie ist streng genommen bizarr. Feudal. Dekadent. Hübsche schlanke junge freundliche Menschen bedienen Menschen, die speckige Dinge in speckige Körper hineinstopfen. Unterbezahlte Menschen bedienen reiche Menschen, ja sicher, so viel bringt so ein Servicegastronomiekackjob nicht ein, ich habe den selbst einmal gemacht (und gehasst). Wir sind bigott. Wir schauen uns Filme an, in denen hübsche schlanke junge freundliche Menschen miese alte fette römische Kaiser bedienen und fragen uns, warum die nicht revoltieren und den Kaiser samt Hofstaat einfach in den Tiber schmeißen, ich meine, hey, das ist doch hier nicht anders. Wieso schmeißt uns denn niemand ins Mittelmeer und findet heraus, ob diese ganzen mit Croissants gefüllten europäischen Schmerbäuche untergehen oder einfach oben auf dem Wasser rüber nach Libyen treiben, wo ihnen auf dem Weg dorthin womöglich ein prekäres Schlauchboot voller halbverhungerter Afrikaner entgegen kommt.

Ich weiß ja, ich bin ein schlechter Mitteleuropäer. Ich sitze wie eine Wanze im Überfluss voller Milch, Honig und maltesischem Rotwein und mache mir Gedanken über welche, die ihr Stück von diesem Überfluss abhaben wollen, doch die wir mit den Mitteln einer Agentur, der wir einen Namen wie ein Insektenvernichtungsmittel gegeben haben, von unseren Küsten abhalten. Jaja, gedankenloser Genuss ist meine Stärke selten. Es war immer schon mein Problem. Für einen gesunden Mitteleuropäer verdränge ich zu wenig. Jeder Annehmlichkeit wohnt immer gleich die Schwere der Kehrseite inne. Ich bin keiner, der tanzt, wenn ein paar Meter weiter die Armut an der Türe kratzt. Wenn ich Ruhe im Kopf will, trinke ich Alkohol. Oder kiffe mich ins Koma. Dieses Hirn. Dieses denkende Hirn.


Was macht denn eigentlich so eine Hotelleitung, wenn hier am Strand ein Schlauchboot anlegt, deren Besatzung von unserem feistem Buffet voller unfassbarer Massen an wahnsinnig gutem Zeug gerne was abhaben möchte? Wegen Hunger. Hunger, den wir gar nicht mehr kennen, weil es alle drei Stunden noch mehr von dem Zeug gibt, das wir alles gar nicht aufessen könnten, selbst wenn wir es wollten, weil sie immer noch mehr Nachschub haben, der nie aufhört und von dem sie zwangsläufig sehr viel wegwerfen werden. Was sollen sie auch machen mit dem ganzen übrig gebliebenen Parmaschinken, der nur deshalb nicht gegessen wurde, weil wir heute frisches rosa gebratenes Roastbeef hatten, deren noch warme Scheiben uns ein prekärer Gastronomiesklave aus Slowenien mit dem Tranchiermesser in feine Scheiben schnitt und auf den Teller legte. Was? Was wird die Hotelleitung tun? Drei Schlauchboote. 80 Afrikaner. Schockstarre Touristen mit Hühnerbein im Maul und Soße am Mundwinkel. Was wird passieren?

Ach bitte, nein, die Frage stellt sich gar nicht. Es kommen keine Afrikaner. Es kommen nie Afrikaner. Die fangen sie kurz vor der Küste ab und isolieren sie. Hier passiert nichts. Ich finde nicht heraus, was die Hotelleitung tun würde. Alles bleibt wie es immer bleibt. Wir können weiterfressen und keiner stellt uns in Frage. Niemand isst von unserem Tellerchen. Und schon gar niemand wirft uns ins Meer. Hier ist alles wie immer. Heute abend ist Mini Disco. Morgen auch. Aram Sam Sam. Guli Guli.



Dienstag, 26. Juli 2016

Malta: Splitter



Malta. Der Jahresurlaub beginnt mit einem fontänekotzenden Kind, das ich in Gesellschaft von wie Kühe glotzenden Touristen und einer mit der Situation überforderten Touristenbetreuerin durch die Lobby aufs Klo trage. Um die noble Lobby des Hotels nicht zu sehr einzusauen, biete ich während des Tragens die Kuhle meiner Hand sowie mein Poloshirt zum Vollkotzen an. Auf dem Klo angekommen hat der kleine Magen nur noch ein paar traurige Bröckchen ehemaligen Flugzeugchicken-or-cheesebrötchens für das Waschbecken übrig. So ein Poloshirt saugt gut auf. Das Schweigen im Saale nach der Rückkehr aus der Verdammnis ist unbezahlbar und so schön bezeichnend. Menschen sind von Menschen überfordert, die nicht funktionieren. Die Gesichter sagen, dass sie mir einen indianischen Namen gegeben haben. Ich bin ab jetzt Der-Deutsche-dessen-Kind-die-Lobby-vollgekotzt-hat.

Weil das Kotzen den Tag über nicht aufhört, brauche ich einen maltesischen Arzt. Dessen Wartezimmer versetzt mich in Erstaunen, denn es gibt keinen Vorzimmerfeldwebel, der irgendwas organisiert. Keine Arzthelferseele zu sehen. Niemand, der die Reihenfolge regelt. Sie wird unter den Patienten selbstverwaltet hergestellt. Nach der Reihenfolge des Eintretens. Kein Aufrufen. Keine Bitten um Geduld. Um Bescheinigungen. Überweisungen. Chipkarten. Niemand organisiert hier irgendwas. Niemand hat ein Kommando. Niemand zieht Privatpatienten vor. Und auch niemand drängelt. Das ist so wenig deutsch wie irgendwas wenig deutsch sein kann. Ich bin zunächst überfordert, füge mich dann aber ein. Es funktioniert. Ich muss nur loslassen. Und vertrauen. Als ich vor lauter Vertrauen vergesse wann ich dran bin und nicht mehr weiß, ob noch jemand vor mir an der Reihe ist, weisen mich gleich drei Malteser nachsichtig darauf hin, dass ich nun dran bin und reingehen könne.

Im Arztzimmer läuft Musik. Pink. Just like a pill.

And I swear you're just like a pill
Instead of makin' me better, you keep makin' me ill
You keep makin' me ill

Und ich muss schon wieder lachen. Dieser Minderheitenhumor. Ich könnte niemandem erklären was daran witzig ist.


Buffet. Buffet. Noch mehr Buffet. Lassen Sie sich doch von Ihrem Kind einen abwechslungsreichen Teller zum Abendbrot zusammenstellen: Pizza - noch mehr Pizza - Pommes - noch mehr Pommes - Schokoladenkuchen - Eis - noch mehr Eis - mit bunten Streuseln. Am Besten alles auf einem Teller.

Ich bin kein Freund davon, bei jedem Gang zum Buffet einen neuen Teller zu nehmen. Ich halte das für Verschwendung, stehe mit dieser Meinung jedoch vollkommen isoliert da. Selbst die Servicekräfte, denen ich mit diesem Gebaren ja Arbeit abnehmen würde, nehmen mir noch beim Aufstehen vom Tisch den benutzten Teller aus der Hand. Ich kann hier kein guter Mensch sein. Sie lassen mich nicht.

Ich könnte hier den ganzen Tag Pizza Margherita essen. Wegen mir könnte das ganze Buffet nur aus Pizza Margherita bestehen. Sie schmecken hier auf Malta den italienischen Einfluss. Dieser Teig. Meine Güte. Für eine Pizza dieser Güte bezahle ich in Prenzlauer Berg viel Geld und muss mich von hipsterigen Italopunks mit schnöseliger Berlin-Mitte-Attitüde demütigen lassen. Hier bekomme ich sie einfach so. Und alle freuen sich, dass ich heute da bin. Good evening, Sir, how are you? Do you enjoy your holiday? Sir? I wish you a pleasant evening. Sir.

Abends Krawall. Auf dem Flur neben meinem Zimmer stehen zwei Eltern und hämmern gegen ihre Hotelzimmertüre: "Open up! I said open up! Kenny! Open the door!" Dann via Mobilfunk: "Open up! Kenny! I said open up!..." und so weiter. Kenny treibt das Spiel etwa zwanzig Minuten. Dann Türenknallen. Nebenan fliegt etwas gegen die Wand. Geschrei. Dinge geht kaputt. Klingt nach Nachtischlampe. Oder ein Fön.

Am Pool sitzt einer mit Selfiestick und macht über eine halbe Stunde hinweg Fotos von sich.


Niemand kann angekotzter schauen als ein Teenager mit dunkelrot geschminktem Schmollmund, dem der Vater gegenüber sitzt. Mit seiner Frau, die später an den Tisch kommt, wechselt der Vater während des gesamten Essens kein Wort. Mit seiner Tochter auch nicht. Sie hassen ihn und er sieht aus als ob er das weiß.

Später bei einer Abendveranstaltung treffe ich diese groteske Kleinfamilie wieder. Eine Animateurin nötigt sie zu einem gemeinsamem Foto. Sie wollen nicht, müssen aber. Es wird ein Desaster. Das Ergebnis könnten Sie in einer Geisterbahn aufhängen. So etwas Gruseliges habe ich noch nie gesehen.

Um 18 Uhr essen die Deutschen. Und nur die Deutschen. Wenn Sie keine Deutschen sehen wollen, gehen Sie nicht um 18 Uhr essen. Sonst Socken in Sandalen. Socken in Sandalen sind deutsch. Und nur deutsch.


An der Bar der bizarrste Dialog bisher:
- Are you german?
- No. Are you german?
- No.

Einmal sehe ich einen in Socken und Sandalen auf einer Poolliege rumlümmeln, der ist kein Deutscher. Er spricht Cockney. Was ist da los? Wird das jetzt ein internationaler Trend?

Alte Frauen, die im Pool genüsslich die Augen schließen, machen mir Angst. Vermutlich pinkeln sie. Sowieso bekommt die ganze Brühe gegen Nachmittag den toxischen Geschmack von Salz, Schweiß und Sonnenmilch, der ohne dass Sie es verhindern können irgendwann Ihre Lippen benetzt. Der Pool ist ab 14 Uhr quasi unbenutzbar, aber dennoch voll.

Scheiß Fliegen.

Imaginärer Dialog mit dem Tourismusminister: 'So did you enjoy your holiday in Malta? What did you do the whole day?' 'Lying in the sun and killing flies.' 'Isn't that frustrating?' 'No, absolutely not. I am a typical male hyperactive freak. I go crazy when I am forced to hang around doing nothing. So I built an Hamburger Hill full of dead flies bodies right next to my sun lounge. Must have been hundreds. Each day.'

Phantomkrabbeln. Irgendwann spüren Sie Fliegen auf Ihrer Haut, die gar nicht da sind.

Dear guest, can you imagine how many towels are being washed without need in all the hotels in the world? Yes, I can imagine, und wenn ich jetzt dieses Handtuch auf den Boden schmeiße, stirbt dieses süße kleine Pandabärchen mit den Knopfaugen, das von seiner Mutter verstoßen wurde. Will ich das wirklich?


Ab ungefähr 6.30 Uhr sehen Sie auch hier auf Malta ganze Familien um den Pool schleichen, bewaffnet mit einer Batterie Handtüchern, die bis 7.00 Uhr alle Premiumplätze bis in die dritte Reihe erfolgreich blockiert haben. Spielen Sie das Spiel nicht mit, bleiben Ihnen die Plätze ganz hinten irgendwo bei den Mülleimern, die Sie jedoch vom Poolgeschrei der Kinder und der italienischen Mütter verschonen. Dafür stinkt es nach Puller. Sie haben die Wahl: Italienische Mütter oder stinkender Puller. Eine schwere Entscheidung, die Ihnen keiner abnehmen kann.

Italienisch. Diese Sprache funktioniert nicht in normaler Lautstärke. Sie muss geschrien werden. Was auf andere hypertonesk hysterisch wirkt, scheint Italienern normal. Wäre Twitter eine Sprache, wäre es italienisch.

Noch mehr 18-Uhr-Deutsche. Ein kleiner Junge vom Tisch nebenan macht Radau. Krakeelt. Schmeißt erst unabsichtlich einen Teller runter. Dann absichtlich das Besteck hinterher. Frustrationstoleranz ist ihm nicht gegeben. Die Mutter seufzt. Verdreht die Augen. Unternimmt jedoch nichts. Sie ist in den 40ern. Ihr Junge war der letzte Drücker vor der Unfruchtbarkeit. Furchen. Verkniffener Mund. Schon leicht hängender Oberarmspeck. Sonnenallergie. Ihre ganze Haltung transportiert nur eine Botschaft: Das soll also das Leben sein. Das war es also. Sie trägt Trekkingsandalen. In ihren Nacken hat jemand ein chinesisches Schriftzeichen tätowiert. Unter dem Aschblond ein Zentimeter Grau. Wenig könnte hier in der Abendsonne einen traurigeren Anblick abgeben als dieser Tisch mit diesen beiden Menschen.

Eltern, die es zulassen, dass sich ihr maximal 12jähriges Kind, das bereits eine kapitale Bierschürze vor sich herträgt, morgens schon den Teller mit einem unfassbaren Berg aus Bohnen, Speck, drei Spiegeleiern und fetten Würstchen volllädt, werden ihrer Aufgabe nicht gerecht.

Später am Tag werde ich jemanden aus Berlin treffen, mit dem sich ein kleiner Dialog entspinnt, in dessen Rahmen zwei Sätze fallen: "Ich bin aus Hohenschönhausen. Also da beim Lindencenter." Hohenschönhausen. Ich versuche, etwas Positives zu dieser Tatsache zu sagen und lanciere eine wertvolle Information: "Oh. Eine Freundin von mir wohnt dort." Ein Balanceakt. Ich will niemanden verletzen.


Am Hotelpool belästigt mich eine Horde dröhnend lauter Engländer mit roter Haut. Sie diskutieren Dinge. Wer fickt wen. Wer findet wen blöd. Hässlich. Schwul. Wie fickt man am besten die geile blonde Schwedin da drüben links auf der Liege, die jedes Wort versteht. Ich beginne damit, die Engländer mit Rosenkohlgasen vollzufurzen. Den gab es gestern und er gärt immer noch im Bauch vor sich hin wie die Gülle auf Brandenburger Rapsfeldern. Allein, es hilft nix. Die Engländer atmen die Gase weg. Wir wechseln die Liege. Ich habe Urlaub.

Später beim Abendessen setzen sie sich neben uns. Dieses Mal furze ich nicht. Wir wechseln gleich den Tisch.

So viele schlechte Tattoos. Ein unendlicher Reigen entsetzlich schlechter Tattoos. Und es ist noch nicht einmal Hellersdorf hier. Bald kommt die Zeit der Laser. Sie werden sich alle für jedes einzelne Vollidiotenbrandmal schämen. Sechs. Sieben Jahre. Maximal zehn. Denken Sie an mich, wenn die Tattoobutzen zu und die Laserbutzen auf machen. Es gibt viel zu tun. Lasern Sie es weg.


Der Briten nicht genug. An einem dieser Gemeinschaftsevents genannten Peinlichkeiten macht eine obszöne Frau auf sich aufmerksam, die Sie als Argument gegen alle bestehenden und möglicherweise noch auszubauenden Frauenrechte verwenden könnten, sofern Ihnen das wichtig ist. Sie winkt und gestikuliert. Ihr Junge hat heute etwas gespielt und offenbar gewonnen. Er erhält eine Urkunde, was die heillos besoffene Frau erst über die Stühle fallen und dann auf und ab spingen lässt. My babyyiiiiiiiiiii! This is MY babyyiiiiiiiiiiiiiii! Und dann führt sie einen grotesken Tanz auf, den ich mal bei Al Bundy gesehen habe, als er gemeinsam mit Bob Rooney irgendwas hingekriegt hat, in etwa vergleichbar mit den tollen Tänzen irgendwelcher Fußballer auf Bühnen. Der bedauernswerte Junge wird von seiner immer noch tanzenden Mutter videografiert und muss seine Urkunde in die Luft halten. Und winken. Sein gequältes Grinsen registriert seine Mutter nicht. Das registriert sie nie. My Babyyiiiiiiiii! Er wird einer dieser Männer werden, die im Hobbykeller lebenden Mäusen die Haut abziehen, den Rest im Mörser zerstampfen und das Mus auf ihrer Tiefkühlpizza Tonno verteilen.


Als später gut gebaute Tänzer mit nacktem Oberkörper auftreten, rastet die Alte komplett aus. Wooooooooooo-hoooooooo! Sie zerrt wahllos irgendwelche Leute aus ihren Sitzen, fällt von hinten über Stuhlreihen und die darin sitzenden Leute, belästigt die Tänzer mit Zwischenrufen und brüllt Dinge, die keiner versteht, in den Saal. Ihre Kleider behält sie jedoch an, was ich aus ganz vielen Gründen gut finde. Ihr Mann, der dieser nicht enden wollenden Selbstentblößung viel zu lange regungslos zugeschaut hat, versucht schließlich doch, sie durch Zureden dazu zu bringen, sich zumindest wieder zu setzen, und erhält dafür eine astreine Schelle an den Hinterkopf. Er senkt den Kopf, greift nach seinem Bier und verstummt. Keiner schaut mehr auf die Tänzer, sondern auf dieses wie ein Verkehrsunfall daherkommende Beziehungselend.

Ich finde es manchmal selbst schade, dass ich mit den jeden Abend stattfindenden, vermutlich sehr professionellen Darbietungen da oben auf der Bühne nichts, aber auch wirklich gar nichts anfangen kann. Mir ist das fremd. Ich bin der Typ, der Freude daraus zieht, alleine durch karge Landschaften zu laufen und möglichst niemandem zu begegnen. Varieté. Tanz. Theater. Gesellschaftliche Ereignisse. Ich habe alles tausendfach gesehen und finde es immer langweiliger. Und das ist natürlich schade. Ignorant sowieso. Denn es steckt so viel Arbeit in allen diesen Tänzen, Akrobatiken, Zaubereien, Feuerspuckereien. Und ich kann sie nicht würdigen. Nein vielmehr noch: Da oben auf der Bühne haben welche wochenlang trainiert, rackern sich ab, schwitzen wie Hulle, geben ihr Bestes und mir ist das scheißegal. Ich penn' auf meinem Sitz fast ein und nur die letzten Reste gesellschaftlicher Konventionen hindern mich daran, das Smartphone rauszuholen und zu versuchen, meinen Streckenrekord für die Höhlenpiste mit dem Monster Truck beim Hill Climb Racing zu brechen.


Das alles hält mich aber dennoch nicht davon ab, einer der Tänzerinnen, als ich ihr auf dem Weg zur Bar begegne, an der ich mich betrinken will, ein "You were great. Thanks for the wonderful evening." ins Gesicht zu heucheln. Ich bin immer sehr glaubwürdig, wenn ich Dinge sage, die ich nicht meine. Sie bezahlen mir bald wieder Geld dafür, dass ich das gut mache. Mit dieser Routine heucheln zu können, ist eine Technik, in deren Perfektion ebenso viel Arbeit steckt wie in ihrem Flamenco. Salsa. Samba. Bunga Bunga. Jambo Jambaleia. Woher soll ich wissen was sie da tanzt.

An einem anderen Abend finde ich mich selbst auf der Bühne wieder. Elterntanzen. Die Kinder dürfen ihre Eltern auf die Bühne holen. Ich hoffe einen Moment, dass mein Kind mich vor diesem Kelch verschont, doch leider nein. Da kommt es schon angerannt und so stehe ich dort oben, habe mal Häuser besetzt, stand nachts auf Dächern, auf die Bullen wartend, ich habe Faschos durch Friedrichshain gejagt und mich von Faschos in ihrem Habitat Helle-Mitte über U-Bahn-Gleise jagen lassen. Und jetzt stehe ich mit Kind, einem Clown und fünfzehn anderen bescheuerten Eltern auf der Bühne eines mediterranen Urlaubsbunkers, mache komische Bewegungen mit den Armen und singe Aram sam sam. Wie ist es dazu gekommen? Keine Ahnung. Vergessen. Ich bin irgendwann mal an einer Weggabelung abgebogen, nicht mehr umgekehrt und jetzt bin ich hier.

Guli Guli Guli Guli Guli Ram Sam Sam.

Vor der Bühne steht ein Pulk aus locker zehn Müttern und filmt die Wonneproppenpolka bis die Linse springt. Meine spastischen Bewegungen gepaart mit diesem stoischen Gesichtsausdruck, der Väter wie mich jede Krabbelgruppe voller Prenzlauer Berg-Mütter überleben lässt, sind damit auf genau zehn Urlaubsvideos zwischen Skandinavien und der arabischen Halbinsel prominent verewigt, weil ich es versäumt habe, mich wie alle anderen Eltern ganz nach hinten zu den Kulissen zu verkrümeln.

Ram Sam Sam.


Mein Kind hat irgendwo jemanden namens Leila aufgegabelt. Und ich höre seitdem den ganzen restlichen Tag unmögliche Songzeilen in meinem hitzezerficktem Kopf: Jump around if your mind can't work - Jump around if your mind can't work - Abracadabra me say open sesame. Hirn oh Hirn.

Es gibt auf Malta überall großzügige Raucherbereiche. Sie können somit den Lungen- gleich mit dem Hautkrebs kombinieren. Falls Sie sich nicht entscheiden können. Nehmen Sie einfach beides.

Das Anstrengendste an so einem Hotelpool ist das stundenweise Schlafenstellen, wenn die Animateurteams unterwegs auf der Suche nach Teilnehmern für irgendwas sind. Stretching zu Kirmestechno. Wassergymnastik zu Kirmestechno. Bogenschießen ohne Kirmestechno. Fucking Minigolf. Seriously. Minigolf. Oh nein, sie haben mich gerade beim Bloggen erwischt, zu spät zum Schlafenstellen: Hello Sir! You'd like to join Watersports? Er hat Watersports gesagt. No, thank you. Ich schüttele den Kopf. No Watersports.


Animateur ist vermutlich der schlimmste Job, den es in so einem Hotel gibt. Sie müssen immer diese unerträglich gute Laune haben und feiste faule Touristen dazu bringen, etwas anderes zu tun als das, was sie am Liebsten machen wollen: Nichts. Ein paar arme Irre kriegen sie trotzdem immer zum Aquagym getrieben, bei dem alte Vetteln und knochige Blödmänner dümmliche Bewegungen im Wasser machen wie ich gestern beim Tanzen. Wie halten die Animateure diesen Anblick aus ohne vor Lachen jeden Tag zu platzen?

Zum Jobprofil eines Animateurs gehört auch, vollkommen indiskutable Leute anzusprechen und vorzugeben, sich für sie zu interessieren. Gerade trifft es einen fleischigen Briten und seine extrem schlecht tätowierte Freundin.

So how are you? Fine thanks. And you? Yeah, fine too. Thanks. Die Hölle stocksteif angelsächsischer Höflichkeitskonventionen. Zum einen entschuldigen sie sich den ganzen Tag über für irgendwelche Dinge; wenn sie zu Ihnen in den Fahrstuhl steigen, gemeinsam mit Ihnen an des Buffets Tomatenschüssel stehen und zuerst zugreifen, zu lange für drei Pancakes mit Ahornsirup brauchen oder einfach an Ihnen vorbeilaufen. Sorry. Sorry. Sorry? Oh I'm sorry. Und sie versichern sich den ganzen Tag gegenseitig, dass es ihnen gut geht. How are you? Good. How are you? Good. And you? Good. Hell yeah. I feel good. And you?

Good.

Where do you come from? Leitscheschter. Antwortet der Fleischberg mit vollem Mund, in der Hand einen doppelten Cheeseburger, den er gerade am Mittagsbuffet hergestellt hat. Bei 34 Grad und Wüstensonne. Doppelter Cheeseburger. Schlechte Tattoos. Ein zu kurzes Shirt mit ... was sollen das sein ... Tannenbäume?


So whats your name? Namen. Wichtig. Erste Regel bei Geschäftskontakten. Namen erfragen. Merken. Und immer wieder aufsagen, um zu zeigen, dass man ihn sich gemerkt hat. Respekt vortäuschen. Aufmerksamkeit. So tun als wäre einem der Gegenüber nicht vollkommen egal. Herr Sarschewski, schön dass Sie da sind. Darf ich Ihnen Herrn Wohlgemuth vorstellen? Die Namen. Wichtig. Die müssen sich die Animateure einprägen und drauf haben, wenn Sie den Kloppis, die sie tagsüber animiert haben, später beim Abendprogramm oder zufällig in der Lobby begegnen. Keith. Aus irgendeinem Grund habe ich mir den Namen gemerkt. Und Jennifer. Den auch. Mrs. Scheißtattoo und Mr. Poperze.

Ein weiteres Mal habe ich den richtigen Moment verpasst, mich schlafen zu stellen und werde angesprochen. Kein Watersports, sondern Konversation. Die junge Frau gibt auch bei mir sehr professionell vor, sich für mich zu interessieren. So do you enjoy your holiday? Later we will play Volleyball in the pool. Do you wanna join? So what's your name? Und ich gebe vor, höflich zu antworten, obwohl ich eigentlich nur meine Ruhe haben will. Als ich mal eine Frage zurück stelle, weil es im zwischenmenschlichen Umgang schicklich ist, immer auch Fragen zurück zu stellen, bricht plötzlich das Eis. So where do you come from? - I'm from Krakow and here in Malta for this Animationjob. Until the end of August. - Wow. Krakow is beautiful. A part of my family is from just around the corner. Katowice. They once had a bakery there. - Katowice! My grandmother lives in Katowice! Wäre das hier eine Bar und kein Poolbereich, würden wir uns jetzt umarmen. So ist das eben. Sie können Landsmannschaftentum nie ganz ausrotten, selbst wenn Sie darauf eigentlich keinen Bock haben.

Haben Sie schon mal 'Moonlight Shadow' in der Kirmestechnoversion gehört? Es dudelt hier zum Aquagym. Sie haben noch mehr von der Sorte. Wish you were here. Lemon tree. In the army now. Stand by me. Bum Bum. Es ist Rape Culture.

Es gibt tatsächlich zentimeterdick gepolsterte Bikinioberteile, damit die Titten größer aussehen als sie sind. Dass hier ein Fake vorliegt ist jedoch im Wasser eines Hotelpools augenfällig und wirkt daher in hohem Maße lächerlich. Ausgepolsterte Faketitten klappen nur unter Pullis und dann auch nur so lange bis jemand so einen Pulli auszieht.


Ich werde im Übrigen auf der Stelle damit aufhören, über die maroden Berliner Bürgersteige herzuziehen, zumindest so lange, bis ich den grauenhaften Zustand der maltesischen Bürgersteige vergessen habe. Die morgendliche Laufrunde ist hier in Malta nicht nur der Temperaturen wegen eine Herausforderung, sondern der Untergrund macht die Sache ausgesprochen anstrengend. Das hier ist schon kein Crosslauf mehr, das ist ein Hindernisparcour voller hoher Kanten, Löcher und Absätze, auf einem Weg, der so schmal ist, dass nur einer ihn begehen kann. Halbe Stunde, dann bin ich durch. Minimaltraining. Zu mehr hab' ich keinen Bock.

Wenn Sie in Malta mit einem der vielen öffentlichen Busse fahren wollen, müssen Sie an der Haltestelle die Hand heben, sonst hält der nicht. Die dehydrierten Mumien, die Sie manchmal an Maltas Bushaltestellen sehen können, sind Touristen, die das nicht wissen.

An einem harmlosen Nachmittag, an dem nicht einmal ich etwas Böses im Schilde führe, baumelt an einem Sonnenschirm ein Beutelchen mit der Aufschrift "I still love Berlin". Es ist nicht meins.


Sagemol Mannfräd, soll i än Kaffä hollä? - Koscht der was? - Noi, koscht nix.

Schwaben. Es sind Schwaben. Natürlich sind sie auch hier. Ich habe mich schon gefragt wo sie bisher waren. Es ist ihnen wichtig, dass sie in meiner Nähe sind. Und dass der Kaffee nichts kostet.

In der letzten Nacht auf Malta werde auch ich kotzen, doch das weiß ich jetzt noch nicht. Der Grund ist das alte Lied: Zu viel Pizza Margherita. Zu viel Bier. Zu viel Weißwein. Zu viel Rotwein. Zu viel Sambuca. Zu viel Bourbon Cola. Es kostet ja nix.


Bonustracks:

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass mir jemand nicht nur hinterher frisst, sondern mir dafür auch hinterher reist. Hier essen Sie gut:


Ta Peter, Mellieħa, leicht angehoben, aber nicht übertrieben. Essen Sie hier Fisch.

Und:


Riviera Blue, Mellieħa, günstig, volksnah, familiär, hochanständig. Essen Sie hier den maltesischen Hasen. Und nein, lassen Sie sich nicht vom grellbunten Tourifangdummficktransparent abschrecken. Es ist sehr gut. Nur lassen Sie die Finger vom Espresso. Es ist Dolce Gusto aus der Kapsel. Dolce Fucking Gusto. Kapselmüllhaldenberg. Naja. Dafür haben sie hier Sambuca. Fress ich halt die Bohnen.


Sonntag, 24. Juli 2016

Trollolo




perahim mayer hat gesagt…

Du stehst wider Gott.
Nicht?
Du wirst untergehen.
Strikt und klar.
Mit allem Jetztzeitlichen.
Schluß.
Nicht?


5. Januar 2016 um 03:32


Kommentare im Internet sind die Eiterbeulen der Aufklärung des Menschen aus seiner selbst gewählten Unmündigkeit. Ihr Ruf kommt dem des Belebtschlammbeckens einer beliebigen kommunalen Kläranlage erfrischend nahe. Und immer weniger wollen den ganzen Gärschlamm hosten. Die großen Portale machen immer öfter ihre Kommentarspalten dicht, stellen auf strenge Moderation oder gleich auf Facebook um. Blogger stehen hierbei nicht nach und kicken die Kommentarleiste gleich ganz aus dem Angebot oder zensieren wie türkische Nachwuchsdiktatoren. Gärschlamm. Müllecke. Das Internet ist ein Schreihals. Alle krakeelen. Aktivisten. Berufsbeleidigte. Gralshüter. Daueropfer. Politoffiziere. Gesinnungsschnüffler. Niemand kann diese Kakophonie mehr ernst nehmen. Diese Menschen, die im Internet die ideale Plattform für ihre Neurosen gefunden haben, die sie genüsslich vor Publikum ausbreiten, verschwinden in einer hysterischen Meute aus Brüllaffen, Parolenkotzern und Berufstrollen. Aus dieser Masse sind Nuancen gar nicht mehr feststellbar, es geht nur noch um Freund oder Feind. Du hast mich kritisiert? Du bist der Feind. Du bist ein Nazi. Fick dich. Ich blocke dich.

Mir schlafen die Füße ein.

Internetdiskussionen sind unfruchtbar. Das waren sie schon immer. Sie bringen nix und schon gar nicht irgendwen weiter. Niemand hat je irgendwen von irgendwas überzeugt. Ich sage ja nicht, dass Sie den Satz "Hey, das waren aber tolle Argumente, du hast Recht, so habe ich das noch gar nicht gesehen, ich glaube, ich muss mal meine Position überdenken" nicht irgendwo bei einem der wenigen reflektierten Menschen im Internet finden, doch Sie müssen gut suchen. Solche Typen sind selten.

Wundern Sie sich eigentlich auch, warum ich nie auf Ihre Kommentare antworte? Ich werde immer mal wieder gefragt, warum und ich kann sogar verstehen, dass das Fragen aufwirft. Nervt. Ärgert. Zumindest irritiert. Wollen Sie wissen warum ich nie antworte? Ich habe keine Lust. Ganz einfach. Abgesehen vom Zeitaufwand habe ich einfach keine Lust. Was ich anbiete ist folgendes: Ich schreibe irgendeinen Scheiß und gebe Ihnen die Gelegenheit, irgendeinen anderen Scheiß drunter zu schreiben, wenn Sie mögen. Zustimmung. Ablehnung. Zwiespalt. Hass. Verwünschungen. Hexenflüche. Veitstänze. Kein Problem. Dürfen Sie hier. Alles. Und ich überfliege es mindestens, denn ich muss es ja freischalten. Ich habe nur keine Lust, noch mehr zu den Dingen zu sagen als das, was schon da steht. Es bringt nie jemanden weiter. Diskussionen gleiten in kürzester Zeit ins Absurde ab. Schaukeln sich auf. Wechseln in hunderttausendfach beschifftes Fahrwasser. Die jedem zum Hals raushängenden Rituale werden vorgetanzt. Niemand adaptiert irgendwas. Schon gar nicht die eigene Meinung. Und dann diese Fransen. Irgendeiner ohne Ahnung, ein Nazi oder ein einsamer Opa mit Internetanschluss kackt eine Provo dazwischen. Ein anderer pullt einen Godwin. Der Nächste postet ein passendes YouTube-Video. Niemand versteht niemanden. Und nach ein paar Tagen rollt die nächste Sau über die Dorfstraße und die alte Sache plätschert nur noch dahin und trocknet schließlich aus. Ohne irgendeinen Effekt auf irgendwas. Diskussionen ist was für Leute mit zu viel Zeit. Und ich habe die nicht. Vollzeitborgdrohnentum. Überstunden. Kind. Memory. Die Raupe Nimmersatt. Legoland. Der Besuch von Sternerestaurants. Die Notwendigkeit, mit den besten Freunden der Welt in den verbliebenen Zeitfenstern zur Betäubung eines entzündeten Hirns Alkohol und Drogen in großen Mengen zu vernichten. Ich habe keine Zeit.

Wenn Sie eine Reichweite über Ihre Mutter, ein paar aus Höflichkeit mitlesende Kumpels und einen vereinsamten Alkoholiker aus Chisibubikaio, der seine Freizeit mit Bloglesen verbringt, hinaus erreicht haben, werden Diskussionen komplett sinnlos. Ständig heult jemand, egal was Sie schreiben. Den einen schreiben Sie zu rechts, den anderen zu links, die einen heulen, Sie würden sich dem Feminismus anbiedern, die anderen krakeeln, dass Sie frauenfeindlich sind und auf einen Baum gehören. Zu den anderen Affen. Den einen sind Sie zu angepasst geworden, den anderen zu primitiv, den einen zu politisch, den anderen zu unpolitisch. Und dann sind da noch die Trolle und Stalker mit ihrem üblichen Gewäsch. Drohungen. Verwünschungen. Gewetzte Messer.

Das Internet ist ein Ort geworden, an dem Ihnen ständig jemand sagt, was Sie dürfen und was Sie nicht dürfen. Sagt man nicht. Tut man nicht. Darf man nicht. Was in der realen Welt undenkbar wäre, feiert hier im Netz seinen Durchbruch: Ein bizarrer Reigen an Klugscheißern, der andere gerne gängelt, will festlegen was geht und was nicht. Doch mal ehrlich: Was soll denn hier noch kommen nach den knapp vier Jahren? Ich habe doch alle durch. Hier sind alle Freaks des Internets schon mal vorbeigekommen. Christliche Fundamentalisten. Esoteriker. Homöopathiejünger. Feministinnen. Betonkommunisten. Baumschützer. Grünwähler. Gentrifizierer. Prenzlauer Berg-Patrioten. Und natürlich Veganer. Die kommen regelmäßig vorbei, um mich zu informieren, dass Fleischkonsum tödlich endet und außerdem Mord ist.

Und alle sind so großartig empört in ihrer heiligen Mission.

Die mich einen Scheiß interessiert. Es ist nur das Internet. Wen der Auftritt der versammelten Verstrahlten aus der Bahn wirft, der ist im Internet falsch, der gehört auf einen Ponyhof. Oder in den Safe Space irgendeiner mimosenzüchtenden Universität.

Ich erwarte deswegen Verständnis dafür, dass ich nicht mit dem Internet diskutiere. Nehmen Sie das nicht persönlich. Sie sind bestimmt ein wunderbarer Mensch und Ihr Statement wäre es unter normalen Umständen wert, gehört und besprochen zu werden. Doch nicht hier. Und nicht von mir. Ich bin wundgejault. Ich bin durch. Müde. Es ergibt für mich keinen Sinn. Der Mehrwert ist nicht da. Doch bitte, auf jeden Fall: Schreiben Sie. Schreiben Sie gerne viel. Niemand schränkt Sie hier in Ihrer Meinungsäußerung ein. Hauen Sie in die Tasten. Finden Sie Positionen blöd. Faschistisch. Linksversifft. Einfach beknackt. Oder korrigieren Sie Dinge. Falsche Aussagen. Hanebüchene Fakten. Dumme Bewertungen. Rechtschreibfehler. Grammatik. Oder drehen Sie frei. Heulen Sie rum. Schimpfen Sie. Rasten Sie aus. Nennen Sie mich eine arschfickende Schwuchtel, auch das ist eine Meinung, die Sie hier äußern dürfen. Hurensohn. Fotze. Bastard. Meine fette Mutter soll sich selbst ficken (wobei das eher ein Verfahrensvorschlag als eine Meinung ist). Her damit. Kein Problem. Dürfen Sie hier schreiben, das geht klar. Sie dürfen sogar Nazi sein und ihren stinkenden Nazikram hier abladen, sie dürfen alle Ihre Dinge hier wohl doch mal sagen dürfen. Ich halte das aus und ich schalte das frei, sofern es nicht strafrechtlich auf mich zurückfallen kann und Sie nicht einer der beiden Trolle sind, die genau deshalb unter ihren Namen nebst Varianten in meinem persönlichen Killfile stecken. Deshalb nochmal: Freie Rede ist ein tolles Ding. Und im Moment ist es notwendiger sie zu verteidigen als noch vor zehn Jahren. Es ist was am Laufen. Da kommt was. Sie feuern nicht umsonst medial aus allen Rohren. Da wird der Boden beackert. Bereitet. Gedüngt. Sie wollen löschen. Streichen. Filtern. Blocken. Ich kann es schwer festmachen, doch ich habe diffuse Bauchschmerzen in Erwartung des Klimas, das sie schaffen wollen.

Äußern Sie also bitte alles was Ihnen wichtig ist. Vielleicht freue ich mich. Vielleicht nicht. Doch erwarten Sie keine Antwort. Ich habe keinen Bock.




Samstag, 23. Juli 2016

Lass mal netzwerken - Links vom 23. Juli 2016




Irre. Dat Ding hier wird interaktiv. Inzwischen bekomme ich Bilder von Freunden hirnrissiger Wortspiele zugeschickt. Großartig. Hier ein Friseur. Na klar. Wer sonst? Friseure sind immer ganz vorne mit bei, wenn es um vollkommen verstrahlte Wortspieldesaster aus der Idiotengruft für einfallslose Labeldesigner geht. Haarlekin. Haarakiri. Hairlich. Hairforce One. Blep Blep Hirn weg. Hier ein neuer Tiefpunkt: Hairriets. Cut. Style. Colors. And I wanna jump from Park Inn head forward on ugly Alexanderplatz. Danke Danny.

Noch was? Auf jeden Fall: Die Frage, ob Berlins Hipster noch blöder also sowieso schon aussehen können, ist vorläufig beantwortet. Jetzt ist die 80er-Ökoscheiße zurück. Sie tragen jetzt alle Birkenstocklatschen. Fassungslosigkeit in my hood. Demnächst Schönhauser Ecke Eberswalder: Schnuller ummen Hals. Back to the 90s. Call them Mr. Radar. Call them Mr. Wrong.

Irgendwas zu München? Ja. Das Übliche. Ich habe immer noch keine Angst. Sie?

Die Links. Read this:


die SchrottpresseBis das gewünschte Ergebnis eintrifft
Klug.

FeynsinnSuchtverbrecher
Die Nanny druckt eklige Fotos auf Packungen. Fast ein Grund anzufangen. Fast. Demnächst auf Ihrer Schweinefleischpackung: Der Verzehr schädigt Ihr Herz. Auf Ihrer Schokolade: Der Verzehr schädigt Ihren Body-Maß-Index. Auf Ihrem Whisky: Der Verzehr killt Ihre Leber. Ficken: Tripper schadet Ihren Spermatozoen bereits in der Schwangerschaft. Leben Sie gesund. Nanny hat Sie lieb.

Alles EvolutionWollen Frauen wirklich Gleichberechtigung?
Natürlich wollen sie das. Mit jedem Recht. Nicht einmal die Idioten von der AfD dürften das mehr in Frage stellen, ohne sich noch mehr als sowieso schon lächerlich zu machen.

Anders als mit den Rechten verhält es sich mit einigen gesellschaftlichen Verpflichtungen, die nach wie vor Männern obliegen. Jene werden zögerlich bis eher gar nicht adaptiert, vielmehr zieht sich ein guter Teil sich modern verkaufender Frauen zu gerne auf die überlieferte und auf jeden Fall sehr bequeme Prinzessinnenrolle zurück, die - und da lehne ich mich sicher nicht allzu weit aus dem Fenster - nicht aufgegeben werden dürfte, so lange es auch so geht. Cherrypicking? Na klar. Würden Sie es anders machen?

Noch ein paar unsortierte Gedanken dazu:

1. Was mich an Frauen oft (nicht immer, jetzt heulen Sie nicht bereits jetzt schon, da kommt noch was) gestört hat, war die teils ernüchternd unmaskierte Anspruchshaltung. Konkret: Geld. Es ging zu oft zu schnell um Geld. Gerne schon beim ersten Kontakt. Was machst du beruflich? Ui, da hast du wohl viel Verantwortung? Und? Was fährst du für ein Auto? Wohnung? Mitte? Nein? Die Antworten lassen in der Regel Rückschlüsse auf Ihr Einkommen zu und tragen gerne mal zur Entscheidungsfindung über den weiteren Verlauf der nächsten Monate bei. Sagen Sie bei so einer Gelegenheit doch mal Hausmeister. Und Fiat Punto. Wohnung? 17. Stock Springpfuhl. Datsche in Hönow. Aber hallo.

2. Natürlich zahlen Sie als Mann das Restaurant. Die Drinks. Kino. Theater. Sonstige Zerstreuung. Das wird in vielen Fällen nicht einmal mehr aus einer floskeligen Höflichkeitsroutine heraus in Frage gestellt, sondern vorausgesetzt. Frauen zahlen keine Dates, sondern stehen am Ende auf, um ihre Jacke zu holen. Was mit der Rechnung passiert, ist normalerweise nicht ihre Angelegenheit. Do you want to kiss on the first date? Dann zahl' die Rechnung, fool, sonst geht am ersten Abend ganz bestimmt gar nichts. Keine Ahnung woher die Regel stammt, doch sie ist eine eiserne und enorm weit verbreitet, auch wenn Ihnen jede Frau entrüstet versichern wird, dass es sich bei ihr nicht so verhält. Der Mann zahlt. Ich habe es nur einmal anders erlebt, aber das ist eine andere Geschichte.

3. Zahlen Sie von Anfang an die Dinge, dann zahlen Sie dauernd. Als mir das Muster auffiel, habe ich mir ein Limit gesetzt, nach dessen Erreichen ich mich aus dem, was am Anbahnen war, verpisste und kam mehrere Jahre nicht über eine Dauer von drei Monaten hinaus. Spätestens dann war das Limit ausgereizt und ich weg. Geld hier. Geld dort. Zahlemann und Urenkel. Kannste mal die Karte durchziehen? Ich bin gerade etwas knapp. Kriegste wieder (nö, kriegste nicht). Rekordhalterin ist eine, die mich bereits nach einer Woche um 300 Euro bat. Sie hatte Klamotten bestellt, das Konto war nicht gedeckt und das Monatsende noch weit hin. Ob ich gezahlt habe? Was hätten Sie gemacht? Nein? Ja? Ich bin mit ihr zu Lidl gefahren, habe den Kühlschrank und den Küchenschrank mit Fresszeug vollgemacht, um mir nicht nachsagen zu lassen, dass ich sie im Unglück sitzen lassen würde. Danach habe ich sie gebeten, nicht mehr anzurufen. Sie hat noch Wochen später entrüstet erzählt, dass ich sie im Unglück sitzen gelassen habe.

4. Wenn Ihnen Freunde sagen, dass Sie mit einem wöchentlichen Besuch im Puff inklusive Whirlpool, einer Flasche Veuve und kuscheln danach günstiger und nervenschonender fahren würden als in Ihrer aktuellen Beziehung, dann haben Sie ein Problem, das Sie lösen müssen. Warum ich es nicht so, sondern immer wieder geradezu schmerzhaft anders gemacht habe, kann ich Ihnen nicht sagen. Vermutlich dachte ich, dass das mit dem Geld abdrücken so sein muss. Bestandteil einer inneren Ordnung der Welt ist. Keine Ahnung. Natürlich weiß ich es heute besser. Ich weiß heute alles besser. Es muss gar nicht so sein wie es war.

5. Das alles spricht möglicherweise nicht für mich und schon gar nicht für die Sorte Frauen, die mich zu der Zeit für tauglich befand, mich anzuzapfen. Geblieben ist die irritierende Erfahrung, dass nicht wenige und das im Übrigen quer durch alle Schichten offensiv und wie selbstverständlich einen Versorger erwarten, der Geld gibt und Probleme löst. Leider will ich kein Versorger erwachsener Frauen sein. Es hat mich immer sehr abgestoßen. Ich bin in dieser Frage Vorzeigefeminist. Frauen mögen sich bitte selbst versorgen. Ich möchte nicht.

6. Im Osten finden Sie dieses Gebaren im Allgemeinen spürbar weniger als im Westen. Ich kann Ihnen nicht schlüssig erklären, warum das so ist. Restselbstbewusstsein stärkerer Frauen aus dem Erbe der DDR? Es klingt plausibel.

7. Es mag im Übrigen auch eine Altersfrage sein. Obwohl, es ist ziemlich sicher eine Altersfrage. Denn seit ich 30 bin, dreht sich das zunehmend um. Einige Frauen - kinderlose oder Alleinerziehende im Speziellen - muten jetzt plötzlich so verzweifelt an, dass sie vermutlich nicht einmal mehr Erwartungen finanzieller Art haben. Sie wirken mit Mitte 30 so sehr für jede Zugewandtheit dankbar wie viele Männer mit Mitte 20. Alles hat offenbar seine Zeit.

8. Fair ist das alles nicht. Nett auch nicht. Und schön erst recht nicht.

9. Offensiv parasitäres Gehabe ist bei Schwulen übrigens nicht ganz so ostentativ ausgeprägt und kommt wenn, dann eher in längeren Beziehungen zum Tragen: Älterer Sugardaddy hält jungen Toyboy aus, der dafür einmal täglich seinen Schwanz in den Mund nehmen muss, sonst gibt's nix. Klassiker.
Wenn Sie sich also Ihre Bisexualität endlich eingestanden haben und denken, dass dort bei den Schwulen der eitle Sonnenschein herrscht, dann ziehe ich Ihnen jetzt einen Zahn: Die schwule 'Community' (was für ein Kackwort, ich habe leider kein besseres) ist in weiten Teilen unerträglich oberflächlich. Optik Optik Ficken Ficken Ficken Body Body Body und noch mehr Body. Sehen Sie aus wie ein Brot, werden Sie in vielen Szenen erst geschnitten und dann ausgekotzt. Sie brauchen daher für eine schöne Zeit nicht unbedingt Geld, dafür Training Training und noch mehr Training. Oder einen guten Operateur. Sie suchen Tiefsinn? Echte Gefühle? Respekt? Dann sind Sie oft auch hier falsch. Sie wollen nur ficken und sehen halbwegs gut aus? Na dann los. Das geht gut. Irre gut. 

10. Hassen Sie mich jetzt gerne dafür. Egal aus welcher Warte. Bei Geschlechterthemen wird immer schnell gehasst. Das geht für mich klar. Das geht sowieso immer klar.

Die SchlandrätinHype in der Großstadt, Flaute auf dem Land - Pokémon Go ist offiziell in Deutschland erschienen
Pokewas?

muetzenfalterino.T.
Ich finde, es gibt zu viel gute Laune auf der Welt.

Schirrmis BlogDer Junge der über Dächer ging
Zu viel. Gute Laune.

hartelinieMeine erste Wurst: Darmgrippe und Rebirthing
Kacken.

grafikpolizeiDick.
Ficken.

Das FilterSnackable Massenvernichtungsfantasie
Independance Day. Astreiner Verriss. Okay, ich geh' nicht rein.

Schirrmis BlogGebratene Unfähigkeit
Da kocht er wieder. Bratkartoffeln. Sehr schön. Und 'Les den Eberling' steht da. Stimmt. Den sollte man lesen.

Bibos kleine FluchtenDeichlamm
Lecker.


Mittwoch, 20. Juli 2016

Spielplatzschreck




Dass das Kind und ich nicht schon auf allen Spielplätzen Prenzlauer Bergs Platzverbot haben, ist ein Wunder.

Es ist kitafreier Tag. Über Prenzlauer Berg scheint die Sonne. Quer über den Spielplatz verteilt liegen Förmchen, Schaufeln und Eimer herum. Kein Holz, sondern Plastik. Ziemlich verratzt, das Zeug, dafür gemeinfrei. Es sind sozialistische Gegenstände. Sie gehören jedem und jeder rockt sie runter. Sie liegen immer da. Manchmal räumt die einer in die nicht minder verratzte Kiste da am Baum, doch meistens liegt es herum. So dass ich damit spielen kann. Ich und mein Kind. Wir bauen Gräben. Löcher. Tunnel. Sogar Brücken.

Eines der verzogenen um uns herumwuselnden Stresskinder, so ein Nepomuk-Eusebius-Gesicht mit dem einzigartig prenzlauerbergesken Leiertonfall, den sie von ihren Müttern adaptiert haben, die ihn aufdrehen, wenn sie etwas wollen, das ein anderer nicht will, sieht das anders und nölt mich voll:

"Das Spielzeug gehört aber nicht euch."

"Doch. Gehört jedem. Liegt immer hier rum."

"Das ist egal! Das dürft ihr nicht nehmen!"

"Doch. Gehört jedem. Kommt aus der Kiste da hinten. Damit kannst du auch spielen."

"Nein! Ihr dürft damit nicht spielen!"

"Machen wir aber trotzdem."

"Das darfst du nicht!"

(Boar halt einfach die Fresse...)

"Doch, ich darf alles. Ich wohne hier."

"DAMIT DARFST DU NICHT SPIELEN!"

Da grätscht plötzlich mein Kind in die verfahrene Situation:

"Na dann musst du jetzt heulen."

Kurzes Zögern. Ungläubiger Blick. Dann Sirene.

Buuuuuuuuuuuuuuuuuwääääääääääääääh! Kompletter Zusammenbruch. Fliegeralarm. Atomraketen on the run. Eine Mutter fliegt herbei und kackt mich an, was hier los ist. Keine Ahnung. Sage ich. Ich habe nie irgendeine Ahnung. Von gar nix. Ich weiß nix. Was fragen Sie mich? Heult halt.

Wann ist eigentlich diese Sandkastenzeit vorbei und ich kann das Kind zum Späti auf ein Bier mitnehmen? Mit acht? Neun? Oder erst mit zehn?


Montag, 18. Juli 2016

So müsst ihr nicht aussehen




Müsst ihr nicht. Könnt ihr aber.

Huh?

Was?

Lookismus.

Darf der das?

Darf der das?

Darf? Der? Das?

Doch. Noch. Darf er das.

Doch seine Regierung droht schon.

Die Anfänge sind gemacht.

Die Pflöcke werden eingeschlagen.

Der Rahmen wird gesteckt.

Hate Speech kann viel sein.

Sie halten Ihren Minister für korrupt? Hate Speech. Sie finden, die Regierung sitzt im Darm der USA als allesüberwachender Datenkrakenwurmfortsatz? Hate Speech. Wolfgang Schäuble protegiert die Banken? Hate Speech. Ach? Berlins unfähiger Senat sollte geteert und gefedert aus der Stadt getragen werden? Auf einer Eisenbahnschiene? Na holla: Hate Speech. Der Anstandslosigkeit nicht genug: Frauen hinterher oder Cristiano Ronaldo auspfeifen? Hate Fucking Speech. Fucking geschrieben? Sowieso Sexismus. Also Hate Speech. Bitte? Sie finden Feminismus ordinär, hysterisch und unfair? Das ist ja wohl die Höhe: Hate Speech. Vorsicht Kiffer: Gepöbel gegen die Drogenfahndung? Auch Hate Speech. Und nein. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.

Und das Recht setzen jetzt wir.

Also achten bald auch Sie darauf, was Sie so in die Tasten hauen.

Überlegen Sie sich das zwei Mal.

Bewegen Sie sich im Rahmen.

Benehmen Sie sich.

Act like your mum's here.

Die Werkzeuge, die wir in die Hände bekommen, werden wir verwenden.

Wir verwenden immer alle unsere Werkzeuge.

Und Satire darf gar nicht alles.

Gender is watching you.

I ain't afraid of no ghost.

Das ist doch gut.

Gut.

Sprechen Sie mir nach: Es ist gut.

Finden Sie doch auch.

Oder sind Sie etwa Nazisympathisant?




---
credits

Freitag, 15. Juli 2016

Fäkalieneinlass




Ich hatte ursprünglich vor, heute eine kleine Spielplatzgeschichte zum Besten zu geben. Heiter. Flockig. Böse auch. Sie ist schon fertig. Dann fuhr einer mit dem Laster in die Leute. Insofern bleibt es bei einem kleinen Serviceteil für heute: Wenn Sie mal am Westkreuz sind und ein paar Fäkalien einlassen müssen, dann wissen Sie jetzt wo das geht. Look:



Könnte aber auch einfach so sein, dass die Stadt mit dem Schild einfach nur auf das Internet hinweisen wollte. Damit jeder weiß, wo es ist, wenn er mal Fäkalien zu verklappen hat. Nizza. Liveticker. Videoclips. Breaking News. Blink Blink. Rein mit der Gülle. Einer lief mit dem Smartphone durch die Leichen und drehte das brandheiße Ding ab. Und Fox News brachte es. Wie kamen die da ran? Floss Geld? Na bestimmt. Exklusiv. Hot. Hot. Bei sowas fließt immer Geld. So ein Goldstück lädt keiner for free bei YouTube hoch, sondern vertickert das erstmal an die, die das Ding noch in der Nacht raushauen wollen. Seit anderthalb Stunden ist er tot, der Abdullah. Mohamed. Scheißegal wie der heißt. Seine Opfer sind noch warm. Liegen auf dem Prachtboulevard rum. Und gehen trotzdem um die Welt. Raw! Raw! Footage! Click this! Liveleak hat bereits einen extra Channel gebaut. 2016 Nice attack. Graphic! Very graphic! By clicking on Continue you confirm that you are 18 years and over. Und unten die Buttons. Share die Scheiße. Auf Facebook. Google+. Instagram. Dailymotion. Digg.com. Digge-di-dig. Graben. Wühlen. Buddeln. Umgraben. Roden. To dig. Nichts passt besser. Grab. Leiche rein. Grab zu. Hauptsache schöne Fotos. Da! Rechts! Noch mehr zu klicken. Related: Some motherfucking snake beheaded by a motherfucking train. Eben noch Nizzas Leichen, jetzt motherfucking snake und der motherfucking train. Abgetrennte Beine. Abgetrennte Köpfe. Related. Hallo? Abgetrennt ist abgetrennt. 541 comments. Schon der vierte knallt das Ding raus: Kill all fucking muslims! Trump 2016! brüllt der elfte. Dazwischen die Rufe: Civil war! Burn the mosques now! Who's gonna save the US from crooked Hillary? Dann der erste Deutsche: Das hat natürlich gar nichts mit gar nichts zu tun. Unsere Kulturbereicherer in Aktion. Wo sind denn jetzt unsere Teddybärenwerfer? Und irgendeiner hat auch schon wieder ein Symbolbild gebastelt, das sie sich alle wieder bei Facebook ins Profil kleben können, um sich gegenseitig ihrer wohlfeilen Ablehnung des Ereignisses zu versichern. Und das 'Je suis'-Mantra ist auch wieder dabei. Not Nice.

15 Minuten.

Länger habe ich das Internet nicht an lassen wollen.

15 Minuten.

Dann habe ich es aus gemacht.

Ich möchte wieder mehr Bücher lesen.

Und schwimmen gehen. 

Montag dürfte die Flasche Laphroaig Lore geliefert werden. Die werde ich bereits abends aufmachen. Dazu wird Seasick Steve laufen. Auf dem Tisch ein paar staubige Malzkekse. Und ein Buch. Endlich mal ein gutes Buch. Hätte ich einen Kamin, würde ich ihn an machen. Fenster zu. Licht gedimmt. Internet aus.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Hurra, der Idiot ist da




Na prima. Der Idiot läuft jetzt auch. Der Idiot aus dem Borgwürfel. Also nicht der Idiot wie alle anderen Idioten, sondern der Superidiot. Der schlimmste Mensch der Welt. Läuft jetzt auch. Meldet sich zu diesen lustigen Volksläufen an und läuft da mit.

Den Superidioten kennt jeder im ganzen Borgwürfel. Er ist ein Labersack. Ein Irrelevantes-Zeug-Erzähler. Er erzählt nur Scheiße. Und hört nicht auf bis man endlich unhöflich wird und einfach geht. Es ist jemand ohne Sensor. Ohne Antenne. Fühler. Keiner, den jemand gerne bei sich hat. Er kennt keine Grenzen. Jeder vermeidet den Kontakt so weit es möglich ist.

Ich habe keine Ahnung, wer den eingestellt hat und an dieser Position hält. Der muss irgendwen kennen oder von irgendeiner Leiche in irgendeinem Keller eines Entscheidungsträgers wissen. Der kann wahrscheinlich den ganzen Borgwürfel hochgehen lassen, wenn er auspackt. Zack. Wenn der loslegt, investieren die Heuschrecken lieber in Nordkorea oder Chisibubikaio als in unseren Saftladen. Worst Case: Der Superidiot packt aus - die Bank kündigt die Kredite - der Vorstand schmeißt hin und verpisst sich mit der Abfindung - der Insolvenzverwalter macht die Hütte zu - wir fliegen alle raus und niemand nimmt uns mehr, weil wir kontaminiert sind. So. Irgendwie so wird es ablaufen, wenn jemand den Superidioten versucht zu entfernen.

Mittags ist es besonders schlimm. Jeder versucht, ihm zu entgehen. Er kann Sie überall erwischen. Im Fahrstuhl. An der Ampel. In irgendeinem Mittagspausenlokal. Wer ihm aus Unvorsichtigkeit in der Mittagspause begegnet, der kann sich sein Essen aufs Klo hängen. Oder eher nicht, weil er es erst gar nicht bekommen wird, da eher die furchtbare Kantine schließt als dass der Superidiot jemanden, den er mal gegriffen hat, von der Angel lässt.

Er ist ein trauriger Wicht. Keine Frau. Kein Mann. Kein Leben, schon gar kein soziales. Er müffelt. Sein Bart sieht aus, als würden ihn seltene Insekten zum Brüten nutzen. Die Schuhe sind vollkommen zerrüttet und natürlich nicht geputzt, was dafür spricht, dass er wenige oder eher keine Außenkontakte hat (geputzte Schuhe, da legen sie Wert drauf bei uns, sonst auf recht wenig, aber auf die Schuhe). Die Zähne pissegelb. Und er stinkt aus dem Maul, das er nicht halten kann. Ich habe keine Ahnung, was der Typ macht, das so wertvoll für einen Laden wie unseren sein kann. Ich tippe auf IT. Ja, vermutlich IT. Er programmiert irgendwas. In einem Kabuff. Ohne Tageslicht. Unter lauter Chipstüten und Pizzakartons. Und verklebten Taschentüchern. Wah. So ein Coderghul aus der Gruft. IT. Er muss von unserer IT sein. Und vermutlich kann er mit einer Tastenkombination den ganzen Borgwürfel löschen. Er ist gut. Er muss gut sein. Sonst wäre so einer nicht hier.

Aus irgendeinem Grund liebt er diese Läufe einer seltsamen Krankenkasse im Tiergarten, bei denen ich nur mitlaufe, weil sie mir für die sieben Euro Anmeldegebühr ein richtig gutes Funktionsshirt schenken. Wahrscheinlich wohnt er da. Umme Ecke. In einem Sumpfloch. Oder im vergessenen Keller der Siegessäule. In einem alten Nazibunker, in dem er Fledermäuse ausstopft. Oder sich einen Pulli aus ihnen strickt. Ich kann nicht sagen, warum er gerade diesen Lauf so gerne läuft. Vermutlich wegen des Shirts. Ich bin ja auch hier.

Letztes Jahr hat er mich erwischt, gefangen, mit Spinnenfäden eingewickelt und zugeseiert:

"Herr Stevenson! Haha!"

(Was? Haha? Scheiße warum lacht der? Und woher kennt der meinen Namen? Coder. Sag' ich ja. Die wissen alles.)

"Hahahaha, ich lauf' hier auch."

(Grundgütiger, stinkt der aus dem Hals, da drinnen verwesen mindestens dreizehn zermörserte Ratten und die Sommerfliegen werden sich wohl gegenseitig überbieten, in seinem Maul ihre Eier legen zu dürfen.)

"Hahaha, wussten Sie schon, dass man hier ein Laufshirt geschenkt bekommt?"

(Weiß ich, du blödes Arschloch, ich hab' eins an.)

"Hahahaha, heute laufen wieder Kenianer mit."

(Warum lacht der immer so? Ich kann Leute, die dauernd lachen, nicht ausstehen. Und wenn sie aus dem Hals stinken wie der Köter vom Hausmeister aus dem Darm, dann hasse ich sie noch mehr.)

"Hahaha, ich habe heute eine Schäfchenwolke gesehen. Vielleicht regnet es ja noch. Hahaha."

(Ich zieh' mir gleich die Laufsocken aus und steck' sie ihm ins Maul. Das ist doch unerträglich. Die Blätter werden vorzeitig braun und die Tierwelt vom Tiergarten geht den Bach runter. Gleich kommt Peta und kettet sich an eine Eiche, weil der Typ alle Bäume samt Borkenkäfer mit seinem Atem vernichtet, verdammt.)

Sie lesen von mir keine Antwort, weil ich nichts gesagt habe. Weil ich nie etwas sage. Weil es das gar nicht braucht. Weil der labert und labert und labert und Sie sowieso nicht zu Wort kommen. Es gibt solche Leute. Die Stalinorgeln der Kommunikation. Die erledigen ihre Umwelt mit Worten. Zwei Mal Superidiot an einem Tag und ich beantrage eine Reha. Wegen psychischer Überforderung. So viel Information kann ich nicht verarbeiten.

Ich habe im Laufe der Zeit ein Superidiotenradar entwickelt. Ich spüre den Typen, wenn er mir nahe kommt. Ich merke im Fahrstuhl, wenn er irgendwo in einem anderen Stockwerk steht und einen Knopf gedrückt hat. Dann steige ich aus und nehme die Treppe. Ich rieche ihn um Ecken und verschwinde in irgendwelchen Büros irgendwelcher Vertriebsheinis, die sich wundern, dass ich sie besuche, wo ich das ganze Jahr über ihre Existenz ignoriere. Ich kenne seine Kantinenzeiten. Seine Zeit, zu der er morgens zur Arbeit kommt. Und die, zu der er geht. Ich kenne die S-Bahn, die er nimmt. Ich schaffe es oft, eine Begegnung zu verhindern und die Fähigkeit ist auch die beliebteste, die ich meinen Azubis weitergebe: Borgwürfel-Pacman. Weiche nicht nur dem Chef, weiche auch dem Superidioten aus. Verlieren heißt Krämpfe in Ohr und Seele.

Da.

Da ist er wieder.

Ich habe ich gespürt, bevor ich ihn gesehen habe.

Hier beim Lauf im Tiergarten.

Er scannt die Umgebung. Er weiß, dass ich hier bin. Ich bin immer hier. Weil im Tiergarten laufen toll ist, wenn man es schafft, nicht dabei erwischt zu werden. Und das Laufshirt hält ewig. Für sieben Euro.

Der Idiot scannt wirklich. Er dreht den Kopf nach links, er dreht ihn nach rechts. Ich bin mir sicher, dass er mich sucht. Er weiß, dass ich hier bin. Nimmt Witterung auf. Fast spüre ich seine enormen Nasenflügel beben. Noch 20 Minuten bis zum Start. Ich verschwinde in einem Busch, kämpfe mich durchs Gestrüpp. Dornenscheiße. Ihr Wichser, könnt ihr hier nicht Farn pflanzen? Ich sehe aus als würde ich im Gebüsch kacken gehen wollen, um diese entsetzlich stinkenden und immer viel zu wenigen Dixiklos zu vermeiden, vor denen sich kurz vor dem Start Postfilialenschlangen bilden, weil sie alle für die lausigen 6,9 Kilometer zu viel getrunken haben und die Babyblase piekt. Noch 15 Minuten. 10. Ich muss irgendwie in die vorderen Reihen des Starterfelds. Er ist übergewichtig und startet von hinten, ich werde ihm keine Chance geben. Und nach dem Lauf reiß' ich den Medaillenverteilern die Medaille aus den Soziologiestudentenpatschehändchen und dann ab in die U-Bahn. Scheiß auf die Dusche. Scheiß auf den Schweiß. Da drüben ist Hansaplatz, da kennen die das nicht anders. 5 Minuten. Gleich bin ich da. Gleich. Bin. Ich. Denke ich. Als ich eine Hand auf meiner Schulter spüre. Gänsehaut streichelt meine Arschbacken, mein Puller zieht sich zurück wie vor einem Kampf. Ich drehe mich viel zu langsam um und da spricht er mich an. "Sind das zwei oder drei Runden?" fragt mich einer, der nicht der Superidiot ist. Drei. Es sind drei. Schreie ich mit einer Erleichterung raus, die ihm Angst machen muss. Ist mir egal. Gleich ist der Start. Gleich bin ich aus der Nummer raus für dieses Jahr. Er kriegt mich nicht mehr. Ich habe es geschafft, ich habe es wieder einmal geschafft. Ich habe ihn vermieden. Ich fühle mich gut.

Montag stand er an meiner Bürotür.

"Hahaha... hahaha .... haha ... Sie waren doch beim Lauf im Tiergarten."



Dienstag, 12. Juli 2016

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Troll


Kürzlich sitze ich beim Kacken und überlege, über welche Bevölkerungsgruppe ich mich schon länger nicht abfällig geäußert habe. Da trifft es sich ganz gut, dass ganz oben auf dem Wäschehaufen, der es noch nicht in die Maschine geschafft hat, eines meiner Laufshirts gammelt.


Ich nenne es mein Troll-Laufshirt. Ich habe es vor sechs Jahren für einen Dumpingpreis bei Achim Achilles gekauft und es geht ums Verrecken nicht kaputt.

Dabei ist selbst mir die Provo inzwischen zu platt.

Sicher, Walker trollen ist nicht nur einfach, sondern auch gerechtfertigt. Wenn ich hoch zum Weißen See laufe, um dort ein paar Runden zu drehen, sehe ich sie schon von der Berliner Allee aus durch die Bäume leuchten: Verpackt in teures Plastik, neofarben, unbedingt neonfarben, sowieso quietschbunt, quietschbunte Laufschuhe, quietschbunte Hosen, quietschbunte Walkingstöcke, quietschbunte Stirnbänder ... wait, what? Stirnbänder, kein Witz, die 80er sind zurück, fehlen nur noch Schweißbänder am Armgelenk. Aerobicstutzen. Und Jane Fonda mit Gehhilfe.

Das Beste sind die Pulsmesser mit GPS-Tracker und ihre Gürtel, an denen gerne auch ein Powerriegel und irgendein - natürlich quietschbuntes - Isogetränk hängt. Es ist nicht nur ein optisches Desaster, es ist ein menschliches. Das Trinken sehe ich vielleicht noch ein (obwohl, nein), aber wozu muss jemand beim Walken fressen? Der Grundumsatz an verbrauchter Energie ist bei diesem Spaziergang, zu dem sie ihre nutzlosen Stöcke hinter sich herziehen, so gering, dass ihre Kohlenhydratspeicher nie leergehen können, auch wenn sie statt der halben ganze acht Stunden um den See walken würden.

Und dann diese Technik. Was wollen sie aufzeichnen? Die Geschwindigkeit? Wahrscheinlich postet der GPS-Tracker die Daten via Smartphone gleich bei Facebook: Melissa Kowalke. Weißer See. 1,03 km/h. 2 Runden, 1,8 km. Verbrannte Kalorien: 17. Die arme Timeline der bedauernswerten Follower. Spam as spam can. Wer liest den Scheiß? Niemand! Niemand liest den Scheiß. Sie klicken nur reflexhaft Likes, weil das inzwischen Teil des höflichen Rituals im Social Media-Umgang miteinander ist. Jemand macht was, egal was: Like. Was das jetzt genau war? Keine Ahnung. Klickelifick. Kickeliweg.

Technik? Habe ich kaum. Ich lasse maximal Musik an meinen Körper, aber auch nur weil ich das Zwitschern der Vögel nicht ertrage. Sonst braucht es zum Laufsport nicht viel: Ein paar vernünftige Schuhe nebst Laufsocken (nie wieder brennende Blasen auf der Fußsohle), ein vernünftiges Funktionsshirt (nie wieder brennende Brustwarzen) und vernünftige Laufunterwäsche (nie wieder brennener Wolf und zu Knoten gezwirbelte Haare zwischen den Schenkeln).

Mehr muss nicht, deshalb ist es wie es ist: Diese optische, technische und nicht zuletzt egozentrische Aufrüstung der Walker am Weißen See, die in keinem Verhältnis zum sportlichen Erfolg steht, schreit nach Trollen. Wenn auch nur, weil das Shirt auch nach sechs Jahren weder kaputt gehen noch einlaufen mag.

Es gibt 1.000 Gründe zu laufen, doch nur zwei fürs Walken:

1. Sie bereiten sich auf die ernsthafte Sportaufnahme vor (Laufen), die für den nassen Sack, den Sie Körper nennen, noch zu hart ist. Verstehe ich. Die ersten 300 Meter leichtes Jogging in Ihrem Leben sind die härtesten, danach wird's besser, langsam, aber doch. Ich weiß das. Bei mir war's nicht anders.

2. Gesundheitliche Gründe, selbstverständlich. Knie. Hüfte. Penisbruch. Verträgt sich nicht gut mit dem Aufschlag auf Berlins durchlöchertem Asphalt. Sehe ich ein. Ist ein Grund. Eigentlich der Grund.

Beides entbindet Sie jedoch nicht von der Pflicht, sich für Ihre Umwelt halbwegs augenschonend zu kleiden. Keine Neonpelle. Für Sie wie für mich reicht doch ein Jogginganzug. Blau. Schwarz wegen mir. Weiße Streifen. Und gut.

Darüber hinaus sparen Sie sich bitte das Geld für die ganze Technik. Niemand interessiert sich für Ihre Distanzen. Für meine auch nicht. Deswegen zeichne ich sie nicht auf und poste sie schon gar nicht. Und Sie sollten es auch nicht. Ich finde das Aufzeichnen und öffentliche Posten von Leistungen (die im Falle der Walker nicht einmal welche sind) sowieso eitel. Es ist überflüssig. Laufen Sie für sich, nicht für andere. Intrinsische Motivation ist die nachhaltigste.

Und noch eins, wenn Sie aus einem der beiden Gründe unbedingt walken müssen: Lassen Sie verdammt nochmal das Fressen sein. Niemand muss während des Sports fressen, es sei denn er macht einen Ultramarathon und da ergibt es bei guter Vorbereitung auch erst ab Kilometer 40 Sinn. Bei Walkern wirkt es lächerlich. Erstens schaffen Sie keine 40 Kilometer, zweitens verbrennen Sie auch dann kaum das, was es nötig macht, schon wieder zu fressen. Sie sind nur froh um den vorgeschobenen Grund für den leckeren Karamel-Powerriegel, mehr ist das doch nicht. Verarschen Sie mich nicht. 2 Runden um den See. 1,8 Kilometer. Huhu. Geile Leistung. Und jetzt einen Riegel. Hab' ja Sport gemacht. Für die Kalorienbilanz oder was immer Ihnen als Motivation für Ihr Tun vorschwebt, ist es hanebüchener Quatsch.

Das ganze Geseier ist natürlich zu lang für ein Shirt. Also muss es die billige Provo sein, mit der ich wie ein herkömmlicher Troll einen Reigen körperlicher Reaktionen bei denen fabriziere, die mir auf den Runden entgegen kommen. Böse Gesichter. Runtergezogene Augenbrauen. Merkelmundwinkel. Einer zeigt mir den Vogel. Purer Missmut. Ihr Ficker. Herzlichen Glückwunsch, heute ein Troll. Und mit Recht. Denn Stöcke hinter sich herziehen ist doch nun wirklich kein Sport.


Montag, 11. Juli 2016

Lass mal netzwerken - Links vom 11. Juli 2016


Wie schade, das RisOtto hat zu gemacht. Drauf gekommen bin ich vor kurzem erst über das zwischenzeitlich auch schon wieder eingestellte FAZ-Blog Berlin ABC (das mir übrigens fehlt). Die Dinge enden. Alle. Meine Güte.

Es ist ein Verlust. Der Laden war einer der letzten, bei dem Sie an der Ecke Friedrichstraße/Oranienstraße gut und auch günstig essen konnten. Gut geht in der Gegend schon, locker, sicherlich, dann aber auch gleich sackteuer. Günstig geht auch, doch dann ist es normalerweise scheiße und maximal für Sauftouristen gut, die eigentlich nach Friedrichshain wollten, aber irgendwie hier in diesem Puppentheater von Berlin-Mitte gelandet sind. Schade, echt. Hier gab's Risotto. Und nur Risotto. 6 bis 9 Euro und satt. Ich mag Risotto und hatte vor, noch was dazu zu schreiben, wieder mal was zu essen zu empfehlen, was ich inzwischen viel zu selten mache. Zu spät. Jetzt bleiben mir (und damit Ihnen) nur ein paar Bilder:








Die Links. Read this:


Der Lindwurm"Neger und Franzosen vergasen": Der unverkrampfte deutsche Party-Patriotismus
Wirklich toll, wie unverkrampft sie sind. Ich saß zum verkackten Halbfinale in einer Sportsbar: "Schiri du Sau! Die drecks Froschfresser können doch nix. Ja klar, Elfmeter, immer auf die Deutschen, immer auf die Deutschen, Faaaaaaaaaaaaauuuuuuuuuul! Fault doch nochmal, ihr Drecksaffen! Ihr Kaffer! Schwuler Schiri Faaaaaaaaaaaauuuuuuuuuul! Hauptsache gegen die Deutschen pfeifen, immer gegen die Deutschen!" Jaja, und morgen die ganze Welt. Da fand ich es dann doch ganz gut, dass sie samt ihres schrägen Anhangs nicht weiterkamen in diesem komischen Turnier. Sowieso: Es muss in Europa nicht immer Deutschland gewinnen. Das ist wie FC Bayern. Langweilig auf Dauer.

Schirrmis BlogDeutsche Handball Nationalmannschaft gescheitert
FAAAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUUUUUUUUL!

So. Ein letztes Mal EM-Content:

Fliegende BretterRonny des Monats - EM-Special
Noch keiner weiß, dass das Ausscheiden der deutschen Mannschaft aus der EM ein fieser Schachzug von Putin war, um das Selbstvertrauen der Deutschen in ihre eigenen Fähigkeiten zu unterminieren. Der hat uns das einfach nicht gegönnt und den Schiri mit seinen ganzen Gasmillionen so lange geschmiert, bis der gegen uns gepfiffen hat. Elfmeter für Frankreich, hallo? Fünftausend Elfmeter für uns nicht gegeben, hallo? Halloooo?
Vorgestern hatte ich Rücken. Putin weiß ganz genau, wie er mir wehtun kann. Wir sollten die ganzen Sauereien unter einem Hashtag zusammenfassen, ich schlage #Putinwars vor.

Na gut. Einen noch:

ahoi polloi(1539)
Hey! Hey! Wer nicht hüpft der ist kein Deutscher! Hey! Hey!

So, jetzt reicht's nun wirklich mit dem Fußballspuk:

Fliegende BretterFordern und fördern
Sieben Jahre sind um. Sie trauen sich wieder. Die Banker wollen schon wieder Steuergeld haben. Ich bin für Ausräuchern. Teeren. Federn. Mit Arschtritten aus der Stadt jagen. Mistgabel anyone?

KiezschreiberUdo Blei
Aha, da ist sie endlich, die Rache für den Messibudendiss vom Januar. Wohl bekam sie. Der Kiezschreiber, dieser verkrachte Künstler, hat es gut. Der sitzt in der Pfälzer Provinz und verwohnt, verfrisst und versäuft sein Erbe (verhurt fehlt noch, wobei ich nicht glaube, dass er sich Huren kommen lässt, und wenn, dann zum Kuscheln). Unsergleichen, die nie was erben, verbringen ihre Tage damit, die Bedürfnisse anderer Menschen zu erfüllen. Oder damit, als Projektion zu dienen. Oder beides. Wie Udo Blei. Bitte sehr. Danke sehr. Auch hier noch einmal: Respekt, mein Lieber.

Frau RuthDefiniere Deutschland
Der deutsche Rentner im polnischen Supermarkt. Er kommentiert Dinge.

is lieb?Impfstoff
Gnihihi. Impfnazi.

Heute kein Rezept, nein, sondern zum Abschluss eine Erinnerung an den großen Wolfram Siebeck. Er wird fehlen. Wussten Sie, dass er auch Blogger war? Chris Kurbjuhn hat ihn mal getroffen:

Chris Kurbjuhns NetzeckeMit rohem Fisch zu Wolfram Siebeck - eine Erinnerung