Mittwoch, 6. Mai 2015

The pretty annoyed Seufzer of Kieser-Training




"Die F3 hinten in der Ecke ist kaputt"

"Was soll denn da kaputt sein?"

"Der Hebel für die Rückenstütze bewirkt nichts."

"Haben Sie den auch richtig einrasten lassen?"

"Ja, der ist kaputt."

"Der kann nicht kaputt sein, die Maschine ist nagelneu."

"Da tut sich aber nichts."

"Haben Sie sich richtig einweisen lassen? Es ist eine neue Generation der F3."

"Hören Sie, ich kann auch einfach stumpf auf einer anderen Maschine trainieren ohne Ihnen was davon zu sagen. Ich muss das nicht melden."

Und dann tut er es. Er seufzt das Seufzen aus der Hölle. Es ist ein Seufzen wie es Ehefrauen zelebrieren, denen klar geworden ist, dass es das jetzt war, dass jetzt nichts mehr kommt, dass die Höhepunkte des Lebens hinter ihnen liegen, und dass der Schlumpf, der da auf dem Sofa mit einem idiotischen Grinsen seine Eier über die Mittelnaht der Jogginghose von links nach rechts und dann wieder zurück schiebt, um danach mit dem Zippo das nächste schäbige Berliner Pilsner aufzumachen, das beste Angebot war, das ihr Schicksal ihnen gemacht hat. Es ist das Seufzen aus dem Giftschrank aller toxischen Unmutsäußerungen, das Seufzen, mit dem der Pedant hinter mir an der Kassenschlange des Supermarkts den Warentrenner hinter meinen Einkauf schmeißt, weil ich es wieder nicht gemacht habe. Es ist das Seufzen, mit dem mein Chef im März die vierte Krankmeldung des jungen Jahres entgegen nimmt, das Seufzen, mit dem die Vogelscheuche aus der Nachbarschaft meine Weinflaschen aus dem Restmüll pult, das Seufzen der Beladenen der Welt, das Seufzen, mit dem der, der sowieso schon die Last der Welt auf den Schultern trägt, eine weitere Bürde entgegen nimmt, einen weiteren Tritt in die Kniekehlen, eine weitere Schikane, nur ausgeübt, um genau ihnen das Leben schwer zu machen.

"Mmmmh, die Maschine ist tatsächlich kaputt. Das muss ich melden. Nehmen Sie eine andere."

"Ja, danke. Toller Tipp."


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The Kieser Tales:

The old fart of Kieser Training
The Unholy Sprallo of Kieser Training (feat. The Desperate Drängelrentner)
The Incredible Jungdynamiker of Kieser Training

Dienstag, 5. Mai 2015

Lass mal netzwerken - Links vom 5. Mai 2015



Die Ausmistaktion geht weiter. Ich habe vor ein paar Wochen einige große Alphablogs und supervernetzte Viralwiderkäuer aus dem Feedreader aussortiert, jetzt fliegt Rivva hinterher, der Aggregator der Süddeutschen Zeitung, den ich seit Jahren abonniert habe und der früher mal ein unverzichtbarer Perlenfischer war.

Ich weiß nicht, ob da was mit dem Algorithmus fehlgelaufen ist, ob bei Twitter und Facebook tatsächlich immer nur dieselben Seiten geshared und geliket werden oder ob ich einfach wieder einmal nur einer Sache müde geworden bin, aber Rivva sendet inzwischen meilenweit an mir vorbei, da seit etwa einem Jahr 20 bis 25 Mal am Tag nur noch das Immergleiche ausgeworfen wird, ein bisschen SpOn, ZOn, faz, jeden Tag einmal etwas drollig Virales von Kraftfuttermischwerk, Schlecky Silberstein und Testspiel, irgendwas mit Tieren, die lustige Dinge tun, oder ein Skateboarder, oder ein skateboardendes Kleinkind, oder ein skateboardender Otter, darüber hinaus als Kontrast die verkopften Bleiwüsten des Netzfeminismus in epischer Breite, irgendwelche fragwürdigen SEO-Blogs und nicht zu vergessen Mobilegeeks und t3n, die inzwischen auch mit einem Screenshot ihrer Einkaufsliste viral gehen würden. Ganz schön eng geworden, das Portfolio. Perlen wie früher, gerne aus wenig vernetzten Nischenblogs, bekomme ich nur noch extrem selten von Rivva, sondern inzwischen von anderen Blogs, die erfreulicherweise immer öfter eigene Linksammlungen aufbieten oder irgendeinen verlinkten Text aufgreifen und kommentieren (danke dafür).

Hier das Lesenswerte aus meinen anderen Quellen. Read this:


Markus KompaBND Filiale der NSA?
Wie kann es sein, dass deutsche Steuermittel die Infrastruktur der NSA mitfinanzieren? (via Lumières dans la nuit)

Wirre GedankenWas ist los?
Der Überwachungsstaat. Der ist los. (via Sozialgeschnatter)

Deus ex machina (faz.de)Wie man wichtige Anliegen im Netz ruiniert
In einer besonders schmuddeligen Ecke des Internets hat sich eine besonders giftige Blase gebildet. (via Schwerdtfegr)

Dazu:

Irgendwas ist ja immer - reloadedFuck off, wenn du nicht meiner Meinung bist
Mehr Gelassenheit wagen. Das Internet ist so verflucht verkrampft inzwischen. (via Frau Indica)

YouTubeVolker Pispers: Wem gehören die Medien? Oder der Stacheldraht durch die Köpfe der Menschen
Und deshalb mag ich trotzdem das Internet. Es macht die Desinformation zumindest ein weniger schwieriger. (via Doctor's Gedanken)

kiezradio.orgSatt werden und ruhig schlafen
Das Kiezradio besucht das Neuköllner Nachtcafé, das Bedürftigen ein Essen und einen Schlafplatz bietet. (via Nante Berlin)

medium.comJa. Hast du das nicht gewusst?
Odenwaldschule. (via Denkfabrikblog)

Trainer Baade„Tatort“ — Was Horst Szymaniak mit der Horst-Schimanski-Gasse zu tun hat
Gegen Typen wie Schimanski würde es heutzutage einen Hashtag geben. Nicht twitterkompatibel. (via Männer unter sich)

Lotte aus DüsseldorfMeine Mudder parkt
Das muss gefilmt und auf YouTube gestellt werden. Dann können die Clickbaiter es einbinden, mit Werbung zutackern und einen Cliffhangertext dazu schreiben. (via MisanthropinWiderWillen)

SoundcloudAnrufbeantworter Frankfurt Fundbüro
Klasse. Wenn ich es nur mal schaffen würde, das Ding zuende zu hören. Ich schlaf' immer nach einer Minute ein. (via Stadtkind)

FeinschmeckerleFleischsalat - schmeckt selbst gemacht einfach genial
Stümmt.

Nach dem Rezept kommt normalerweise nix mehr. Heute schon. Heute kommt ein Veranstaltungshinweis. Und zwar der da:

Frau Bukowski und Frau Wirsching lesen. 15. Mai. 20 Uhr. In einem Kulturzentrum drüben in Wedding, dessen Name sich liest wie der eines tschetschenischen Türstehers. Zum ebenfalls an dem Abend lesenden Herrn Winter kann ich nicht viel sagen, da ich eben erst sein Blog überflogen habe. Liest sich gut, wird sicher auch gut. Und 5 Euro sind ein Witz für so viel Talent an einem Abend.


Donnerstag, 30. April 2015

Rent a rant by Herrn Ackerbau




tl;dr: Bloodsport. Blinder Hass.


Der infantile Pleppo in mir verlangt, dass ich jeden Scheiß mitmache, schon um zu verhindern, dass das Ding hier einen zu ernsthaften Drive bekommt.

Rent a rant. Proudly presented by Herrn Ackerbau aus dem neuen krassen hippen Hot Spot Pankow, den die Philanthropen der Immobilientrusts endlich auch mal aufwerten, damit diese elenden kaufkraftamputierten Geringverdiener formerly known as Minderleister, die keiner mit Einfluss mehr in Zentrumsnähe haben will, endlich dorthin verschwinden wohin sie sollen: An die Peripherie Richtung polnische Grenze. Hohenschönhausen. Hönow. Strausberg. Dahlwitz-Hoppegarten. Am besten gleich Frankfurt/Oder. Neuberesinchen. Gegenüber Matratzen Concord. Wenn die da überhaupt einer haben will.

Herr Ackerbau hat einen Rant bestellt. Einfach mal aufregen über irgendwas. Zum Beispiel über die Werbung für das widerliche Berliner Pilsner. Hätt' er gern. Und ich soll ran. Hat er geschrieben.

Ich mag das Wort "Rant" ja nicht mehr, seit jeder Vorstadtstudentenblogger sein geschwätziges Gemecker über den schlumpfigen Staatsrechtsprofessor, die missratenen Kokosplätzchen mit Baiserhaube und die vor lauter Hundepisse eingegangenen Tulpen im Urban Vorgarten einen Rant nennt, den sogar Oma Kubitzke im Gespräch mit Tante Ilsebill (die mit dem Salz) übern Gartenzaun der Laubenpieperkolonie Glück Auf Kaiser Wilhelm in Schmargendorf packender hinkriegt. Motz. Mecker. Rant. Rant. Herr Ackerbau will einen Rant. Soll ich? Mich sinn- und geistlos aufregen? Eine Tüte blinden Hass zum Frühstückskaffee servieren? Ein wenig Stilpflege betreiben? Oder ihn mir völlig versauen? Dumm rumpöbeln? Am Ende sogar mich vielleicht sogar eitel selbst persiflieren?

Spielen wir.

Gesunde Rants kommen aus dem Bauch, habe ich Herrn Ackerbau geschrieben, spontan quasi, eruptiv wenn Sie so wollen. Doch ist es möglich, auf Kommando zu ranten? Klingt das dann blöd? Gewollt gar? Gut, sicherlich könnte man da mit Textbausteinen agieren. Alles, was gut läuft. Was immer gut lief. Alles, was die Leute hassen und dann abgehen wie Hulle. Irgendwas mit Hipster, Schnösel, Pseudo-Schickimickibonzenkinder mit Infiniti-Van vorm geschenkten Eigenheim, das geht immer, denn diese Abziehbilder mögen die Leute nicht und stimmen schnell zu, klopfen Schenkel, johlen gar via Tastatur. Gröhl. Roflmao. lolhart.

Billigster Applaus ist machbar. Nachbar. Mit Hohn, Spott und kübelweise Verachtung für die wandelnden Karikaturen auf dieser von der dreckigen Realität komplett entkoppelten Reicheninsel Mitte und Prenzlauer Berg, die Probleme haben, die andere gerne hätten. Die Sojamilch ist alle. Die Tomate nicht Bio. Der Müll nicht getrennt. Der Spielplatz zu klein. Die Fahrradständer zu wenig. Die Stadt zu laut. Der Bezirksbürgerkasper schon wieder nicht grün. Außerirdische mit außerirdischen Problemen. Total einfach, da draufzuhauen, denn die mag keiner, sie dienen nur noch als Schablone für wohlfeile Witze über eine um sich selbst drehende satte Erbengeneration, die den Kontakt zum harten Leben abseits der hippen Szenecafés nur deshalb nicht verloren hat, weil sie ihn noch nie hatte. Und was so etwas wie Hunger heißt, den der Penner leidet, der sie am S-Bahnhof mit seinem gesellschaftlichen Untergang belästigt, wissen sie auch nicht, außer wenn sie wie früher die Oma aus ihrer Dorfkirchengemeinde von Aschermittwoch bis Ostersonntag low carb fasten und in entnervend nöligem Grundton darüber bloggen, wovon jeder schlechte Laune bekommt, der noch keine hatte. Hallo? Raumschiff? Hohenschönhausen, was bitte ist Hohenschönhausen? Hohenschönhausen und seine unwirtliche Betonwüste für Billiglöhner und Einwanderer ist ganz weit weg, genauso wie die versalzene Fleischabfallwurst von Netto, die andere essen müssen. Junkfraß aus der Industriehölle. Was ist Netto? Netto gibt es hier nicht, wir kaufen Bio, wir kaufen regional, wir kaufen nachhaltig, warum kaufen die im Plattenbau das nicht auch? Die armen Kinder. Denkt denn keiner an die Kinder? Müssen so viel Mist essen. Und so ein Pfund Fleisch für unter 20 Euro geht ja gar nicht. Wurst ist die neue Zigarette. Schön blöd wer nicht faire Kaffeebohnen kauft.

Ja, so sind sie, draufhauen ist so einfach, weil sie danach schreien. Weltfremd. Abgehoben. Ignorant. So bevölkern sie die Feuilletons, so lacht Tempelhof über sie. Bang. Bang. Komm, wir bringen sie. Ein Hassobjekt nach dem anderen. Feldenkrais. Klangschalentherapie. Klecksegalerie. Chi Gong. Meditatives Bogenschießen. Oder Töpfern. Psychocoaches gegen Wohlstandsschmerzen. Petitionen gegen Penner. Petitionen gegen rosa Überraschungseier. Petitionen gegen Grillzonen. Petitionen gegen gebrochene Gehwegplatten. Aufgeregte Mütter. Schnöselige Papas. Und immer der Hashtag bei Twitter auf Tasche, Twitter, dort wo sie den Tag verbringen und mit anderen gelangweilten Dachgeschossbewohnern, die immer noch irgendwas mit Webdesign machen, wahlweise ironische Volksweisen austauschen oder Shitstorms gegen Nichtigkeiten starten, während der prekäre Minijobber unten bei Denns Biomarkt die Regale mit vegetarischen Brotaufstrichen, die letztlich auch nur überteuerter Gemüsemüll mit einer obszönen Menge völlig unnachhaltigem Palmfett sind, einräumt.

Ja, so sind sie.

Privatschulen. Privatärzte. Private Tagesmutter. Heilpraktikerprivatpraxis. Vergeben Sie auch Privattermine? Abseits vom Kassenpöbel? Subber. Kann ich heute abend noch vorbeikommen? Herzlich Willkommen im ganz eigenen Kosmos rund um das Raumschiff Mitte mit dem Satelliten Prenzlauer Berg. Samt ständiger Aufgeregtheit über fehlende Schonkost in Kitas. Erzieherschlüssel. Kein Netz und doppeltem Boden unterm Klettergerüst. Sowieso ihre Wunderkinder. Mein Wunderkind hier, mein Wunderkind da, Zusatzangebote buchen, je mehr desto besser. Mandarin, Französisch, Pashtu, Urdu, Pidgin-Englisch, Töpfern, Ausdruckstanz, Reitstunde, Pilotenschein. Und immer mit Flugblättern für oder gegen irgendwas in ihren verdammten Stoffbeuteln. Mehr Fahrradständer. Weniger Parkplätze. Mehr Spielstraßen. Weniger Spätis. Weg mit den Säufern von der Tischtennisplatte am Helmholtzplatz. Und sie tragen sogar wieder Birkenstocks. Kein Scheiß. Birkenstocks. Der Ghul ist auferstanden. In Prenzlauer Berg. Ironisch wahrscheinlich. Ironische Birkenstocks. Alles ist ironisch heute. Ironische Schallplattenspieler. Ironische Tweedjacken. Ironische Honeckerbrillen. Ironische Blumenbeete. Ironische Birkenstocks. Ein geschlossenes Weltbild. Und selbst das ist nur ironisch. Der Kaffee der noblen Espressobar schmeckt einfach noch besser aus einer Che Guevara-Tasse.

Ja, so sind sie.

Pilates. Babyjogger. Bugaboo. Meine Biofritzen aus der Nachbarschaft. Nur echt mit Fusselbart und lächerlichem Dutt auf dem Kopf. So alternativ wie der Obergentrifizierer samt dritter Eigentumswohnung in meinem Block, zu der er einen Durchbruch auf jetzt 180 Quadratmeter gemacht hat, weil die ehemaligen Bewohner der kleinen Kackwohnung nebenan sich die Miete nicht mehr leisten konnten und er das einfach kaufen ließ. Oho. Sprechen kann er auch: Bitte? Sie wollen nicht noch ein Kind? Warum denn? Ach, das Geld. Und der Vollzeitjob. Oh. Hupsi. Äh. Unangenehm, ich weiß gar nicht wie das ist wenn Geld fehlt, ich wohne in Prenzlauer Berg, ich kauf' mir das was ich brauche, uiui, schnell das Thema wechseln. Haben Sie schon den Kuchen von Anna Blume probiert? Sie mahlen da ihre Haselnüsse selbst. Piep Piep. Raumschiff. Alien. Ein Käfig voller Tofu. Erde an Alnatura. Und überall diese Scheiß Cayennes. Dieses Scheiß Vans. Dieses Scheiß Urban Gardening. Ihre drecks symmetrische Kästchenhölle aus Townhouses und parzellierten Vorgärten. Townhäuser. Stadthouses. Der Wahnsinn bricht Bahn. Und mit den mit einer Heckenschere abgeschnittenen Hipsterdutts möchte ich die Wand von meinem Keller tapezieren. Damit sich die wie Himalayamode-Boutiquen in Prenzlauer Berg vermehrenden Ratten daran ihr speckiges Fell blankrubbeln können. Dieses scheiß neue Biedermeier, mit dessen Mehltau sie den ganzen Bezirk zubleiern bis ich endlich in ihre peinlichen Unser-Dorf-soll-schöner-werden-Blumenrabatte kotzen möchte und vor lauter Veggiehype an jeder Ecke unzähmbaren Bock darauf habe, auf der von den brüllenden italienischen Touristen totgefickten Kreuzung Schönhauser Ecke Eberswalder vor aller Augen ein ganzes Schwein zu schlachten. Mit einem Buttermesser. Direkt vor Konnopke. Einfach um mich zu spüren.

Ugga Ugga.

Ja.

Chill mal die Basis, Alter. Easy. Einfacher geht's kaum, denn all die Gestalten mag keiner, ich weiß das ja, keiner mag die Backpfeifengesichter, keiner mag diese Karikaturen ihrer selbst, so ein Rant darüber schreibt sich fast von alleine, drücken Sie ein paar Knöpfe, in dem Sie ein paar Buzzwörter einstreuen, bei denen bei jedem, der nicht so viel Geld hat wie die neue grün-alternative Oberschicht der okkupierten Ostberliner Schnöselbezirke, der Arsch platzt und fertig ist der Rant. Es sind die bitteren Lacher der verdrängten Mittelschicht, die wenigstens auf diesem Wege die Demütigung zurückzahlt, dass es immer mehr Gegenden außerhalb von Dahlem gibt, die sie nicht mehr bezahlen kann. Rein in der Sack und drauf, es trifft keine Falschen und Zustimmung ist garantiert außer bei humorbefreiten Mahnern, die ums Verrecken auf das Differenzieren komplexer Sachverhalte bestehen und deren Kommentare sich so locker lesen wie Blei im Betonmantel, nicht zu vergessen die Trolle, die ihr soziales Umfeld gegen das Internet eingetauscht haben und hilflos versuchen, Sie über die Stöckchen ihrer billigen Zwei-Satz-Provos springen zu lassen, mit denen sie andere Blogger in Sekunden zuverlässig auf jede Palme bringen. Internet. Die Irrenanstalt hat Ausgang. Blep Blep. Der Diskurs ist tot, es lebe der Spamblock. Ab jetzt werden die Leser getrollt. Hat heute eigentlich schon wer eine Online-Petition für oder gegen irgendwas gestartet?

Puh.

Ja.

Okay. Eine Runde noch. Eine geht noch. Ein paar Textbausteine sind noch im Sack zum Verballern. Also ich könnt' noch ein bisschen. Sie auch? Los doch. Kommen wir zum Punkt und der ist ganz profan: Opfer, es braucht mehr Opfer. Es braucht immer Opfer. Taugliche Opfer. Willige Opfer. Immer drauf. Immer andere. Backpfeifengesichter. Unfähige Berliner Aushängeschilder in dieser an Dilettanten und Nichtskönnern so reichen Stadt. Die Politik. Die können nichts. Und sind korrupt. Oder Honks. Immer wieder. Jede Woche einer blöder als der andere. Fahrradfahrer. Die Pestbeulen der Gehwege. Oder hey, überhaupt Gehwege, Hundekacke, die berühmten Berliner Hundehalter, wie stets bar jeder Reife und Befähigung, ein Tier zu halten. Ganz Berlin hasst sie. Radfahrer. Hundehalter. Wohnraumaufkäufer. Einfacher Bitchmove, da draufzuhauen, auf diesen Stall Sozialgehandicapter, die aus einer Position der Stärke heraus ihre persönliche Entfaltung durchsetzen, sympathisch wie Investmentbanker. Oder dürfen es die Veganer sein, die meinen Bezirk mit Stickern und Postern zukleistern, die in ihrer Anzahl nur noch von den Sri Chinmoy-Yogascheiße-Zitaten an jeder verdammten Laterne übertroffen werden. Oder vielleicht doch Mitte-Mütter, die spießige Heimchen-Blogs über Guerilla Stricken, selbstgemörserten Kaffee und die neue Kollektion von Chapati (die aussieht wie Kuhscheiße kombiniert mit Bärlauchpesto und Babykotze) betreiben und sich dafür von verzweifelten Verlagen Kochbücher und von noch verzweifelteren Babymodendesignern Strampler mit ironischen Sprüchen vorne drauf schenken lassen. Mitte-Mütter gehen immer. Viel Geld. Viel Freizeit. Viel Erste-Welt-Probleme. Lacht jeder drüber. Lesen Sie doch mal diese kunterbunt gepimpten und bis hinter die Kimme gesponsorten Pampersblogs, mit deren Nichtigkeiten zwischen Backofen und Wickeltisch sie ihre ewiggleiche Filterblase zwischen Instagram, Wordpress und Facebook penetrieren. Bessere Karikaturen der neu aufgelegten Spießigkeit im Kosmos zwischen Sagrotan und Griesbrei finden Sie nicht einmal in einem Otto-Katalog aus den frühen Sechzigern, den Sie beim Ausmisten der Erbmasse von Oma selig zwischen einer fleischfarbenen Strumpfhose und einem Portrait von Adolf Hitler gefunden haben.

So.

Hunde, Hipster, Hitler. Bald bin ich durch.

Die Kurve. Ich brauch' noch die Kurve.

Bashen. Klatschen. Wer schreit noch danach? Na klar, die Werber, klatschen wir die Werber. Auf denen haben wir schon gut eine Woche nicht mehr rumgehackt. Denen fehlt sonst was. Werber. Total einfach. Jeder hasst Werber, diese moralbefreiten Gestalten, deren Job es ist, andere zu stressen, sie zu stalken, sie zu beballern, vollzuseiern, bis sie endlich kaufen, kaufen, irgendwas, mehr hiervon, mehr davon, kauf dich glücklich, be stupid - go shopping, ja, perfekt, Werber gehen immer, zumal in Kombination mit dem traditionell schlechten Berliner Bier, Pferdepisse, nennen wir das Zeug doch so wie es schmeckt: Pferdepisse, die sich hier in der Stadt mit altbackenen Leinwand-Unsympathen einer in Eitelkeit erstarrten Partyszene und billigen Radiojingle-Nullerjahre-Seeed-Soundalike-Schnipseln (Beeeeeerliiiiiin) ein cooles Image zu verpassen sucht und sich in ihrem Scheitern so geschmeidig gut in diese ständig scheiternde Stadt einfügt, die nur noch teuer werdende Fassade einer längst untergegangenen wilden Zeit ist, ein Potemkinsches Dorf wie die überschminkte Schnalle auf dem Foto von Herrn Ackerbau, die wie Berlin nie halten wird was sie verspricht und die ohne eine hirnabtötende Menge hochprozentigen Alkohols einfach nur aussieht als würde sie der vermutlich bärtige Hipster, der mit Sicherheit auch nur wieder ein kuhäugiges Friedrichshainer Stoffbeutelgesicht mit Talibanbart und Dutt auf dem Kopf ist, gleich mit der Flasche von hinten ... ja. Assoziation, es ist alles nur Assoziation, wahrscheinlich wollen sie wieder nur, dass wir uns aufregen, wir Multiplikatoren, und sie viral machen, ihre Trashwerbung, die ironisch sein will und doch nur so plump und hilflos daherkommt wie eine zu grell angemalte Hafennutte im Neonkostüm, die nur noch alkoholkranke Seemänner mit Filzläusen in den Sackhaaren anlockt, diese Werbung, die nie Erfolg hat, weil das Produkt einfach scheiße ist, weil sie nur ein fürchterliches Produkt zu verkaufen versuchen, dessen beste Zeiten noch nie da waren und auch mit noch mehr Partyszenen-Unsympathen oder von mir aus auch der besten Werbung der Welt nicht kommen werden: Berlin, dein beschissenes Bier. Stirb.


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Der Auftraggeber Herr Ackerbau hat freundlicherweise auch das Foto zur Verfügung gestellt.

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Das war nur eine Übung und wird nicht zur Regel. Sehen Sie bitte von gleichartigen Anfragen ab.

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Ich finde, es wird schwurbeliger und wirkt ein wenig bemüht, wenn es nicht eruptiv aus dem Bauch kommt sondern mit Vorsatz geschrieben wird. So ist das eben mit Auftragsarbeiten.

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Ich entschuldige mich bei folgenden Gruppen, die ich heute ausgelassen habe: Netzfeministinnen, Netzmaskulinisten, Immobilienmakler, Schwaben, Hessen, Rheinländer Funkemariechen, Brandenburger, mein morgendlicher S-Bahn-Penner, überhaupt die S-Bahn, Weddinger Gangsterkinder, Lichtenberger Gerüstbauer, Nazis, Homöopathen, Chemtrailtheoretiker, Mettigel, meine fette Mutter, der Latte Macchiato als solcher.


Dienstag, 28. April 2015

Heilige Scheiße



Menschen, die noch nicht lange in Berlin wohnen, erkennen Sie nicht nur an ihrer Neigung zu Übersinnlichem, sondern auch daran, dass sie glauben, dass Schilder eine Wirkung erzielen. Nein, sorry, keine Ausnahme. Auch nicht für die Heilige Familie. Vielleicht hilft ja beten.


Samstag, 25. April 2015

Das entzündete Gesicht (fragment)


"Ich bin ja selbst schuld."

"Wie fühlst du dich damit?"

"Schrecklich. Ich hasse diesen Körper, dass er so etwas tut."

"Tu das nicht."

"Ich war mal hübsch."

"Das bist du immer noch. Du bist schön."

"Ich möchte nicht, dass du das sagst."

"Okay."

"Ich weiß nicht, was ich tun soll."

"Lass es weg."

"Es geht nicht mehr. Es sieht zu schrecklich aus."

"Es wird schlimmer, wenn du es nicht weg lässt."

"Ich weiß, aber ich kann nicht."

"Irgendwann musst du, das weißt du."

"Ich weiß das."

"Okay."

"Ja, ich weiß das doch."

Donnerstag, 23. April 2015

Teeküchenblues - Streik-Edition




Mittwoch 9:30 Uhr in der Teeküche des Borgwürfels. Die Teeküche des Borgwürfels ist mein Stahlbad. Wenn ich an manchen Tagen in einem Zustand der Verwirrung und Orientierungslosigkeit denke, dass sich doch irgendwann alles zum Guten wenden wird, gehe ich in die Teeküche und atme ein wenig nackte Realität, die mich ganz schnell wieder erdet. Die Teeküche schützt vor Übermut, gutem Karma und zu viel Idealismus. Denn hier herrscht die Bild. Promiflash.de. RTL. Heidi Klum. Vera Int-Veen. Claus Kleber für die Intellektuellen. Und Eckhart von Hirschhausen für die Spaßvögel. Fuck Filterblase. Hier spricht das Volk.

Es ist Streiktag. Die S-Bahn ist wieder platt, nur heute nicht wegen kaputtgesparter Züge, sondern wegen Ausstand. Und alle sind zu spät gekommen. Via proppevoller U-Bahn. Mit dem Auto durch den Stau. Oder durchgeschwitzt mit dem Fahrrad. Die allgemeine Laune ist nicht gut.

"Der drecks Weselsky."

"Ego-Schwein."

"Der sollte mal..."

"Man müsste den mal..."

"Abgesägt gehört der, abgesägt."

Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Tarifauseinandersetzungen führen in Deutschland nicht zur Solidarisierung gegen Konzernlenker und Kapitaleigner, sondern zu schillernden Hassausbrüchen gegen die, die mehr Geld wollen ohne in einem Vorstand zu sitzen. Deutschland. Wehe dem, der die Ruhe stört. Druckerpresse anwerfen. Dem Feind ein Gesicht geben. Teilen. Herrschen. Meinung machen. Oben an der Spitze edel und gut. Unten Abzocker. Das alte Leid. Oder doch nur das Stockholm-Syndrom.

Natürlich bin ich die Opposition. Ich bin in wesentlichen Dingen immer die Opposition und sage komische Dinge wie: "Streiken ist legitim. Soll die Bahn doch ihre Mitarbeiter außerhalb ihrer Belétage besser bezahlen anstatt sich kaputt zu sparen so wie sie es mit der S-Bahn machen."

Natürlich komme ich damit nicht durch. Ich komme nie damit durch. Mit nichts komme ich durch. Ich habe in meinem Leben noch nicht einen Menschen davon überzeugen können, dass seine Sicht der Dinge unsozial, unmenschlich oder meinetwegen auch nur unkollegial ist. Das ist in Zeiten, in denen der kalte Wind der Vereinzelung durch die Büroflure fegt, sowieso schon lange nicht mehr der Sinn der Dinge. Ich kommentiere nur noch fürs Protokoll. Um kund zu tun, dass ich nicht zustimme. Ah, der Oppositionelle wieder. Ist sich zu fein für die Bild. RTL. Claus Kleber. Gundula Gause. So ein Putinfreund. Ausländerfreund. Und jetzt auch noch Weselskyfreund. Wie niedlich. Ein echter Minderheitsvertreter.

Es ist ja nicht so, dass sie unfreundlich zu mir sind. Kein Stück. Ich werde nicht nur toleriert, sondern die Kundgabe der absoluten Mindermeinung wird sogar respektiert, wenn auch allgemein skeptisch beäugt, wenn sie zu oft oder gar dauerhaft geschieht. Daher streue ich gelegentlich unverfängliche Mehrheitsmeinungen ein, um mich nicht als komischer Kauz und grundsätzlicher Querulant wie der alte verbohrte SED-Lookalike-Hausmeister einer ist von der Meute zu separieren. Deshalb praktiziere ich partielles taktisches Zustimmen zu irgendwas. Der Kuchen ist aber lecker. Ist der mit Schmand? Der Sommer kommt auch immer früher. Bald feiern wir Weihnachten in der Badehose hahahaha. Ganz beliebt ist auch das Lästern über das Ausbleiben oder Stattfinden von Bauarbeiten ("Die Verbrecher machen hier nix", "Was machen die Verbrecher da wieder?"). Da bin ich Teil der Meute, da mach' ich mit. Ich gehöre sowas von dazu.

Beim Streik nicht. Da kämpfe ich auf dem aussichtslosesten aller aussichtslosen Posten, denn der Boden ist bereitet für die Einheitsgewerkschaften, denen ein Streik, der weh tut, wesensfremd sein wird. Unwiderstehlich zahnlos. Sie werden die Möglichkeiten für Streiks gesetzlich weiter einschränken. Das hat kurioserweise die SPD in die Debatte eingebracht. Weg mit der GdL. Und weg mit dem Weselsky. Der Tyrann. Nimmt uns alle in Geiselhaft. Wie der schon kuckt. 90% der Teeküche lehnen Streiks ab. Ich bin die 10%. Dem Hausmeister gefällt das.

"So ein Lokführer verdient weniger als jeder einzelne von euch - bei höherer Verantwortung als ihr sie habt", führe ich noch an als mir schon längst keiner mehr zuhört, weil sie schon überleiten zum nächsten Aufreger: Tote Flüchtlinge im Mittelmeer. Was kommen die auch hier her? Selbst schuld. Müssen ja wissen wie gefährlich das ist. Und dann auf diesen Booten. Was können wir dafür? Sollen zusehen, dass sie ihr eigenes Land aufbauen.

Ich drücke auf den Kaffeeautomatenknopf, so dass ich für einen Moment außer dem Rasseln der altersschwachen Automatenmühle nichts höre. Egal. Für heute bin ich sowieso durch. Genug Opposition für diese Uhrzeit. Der Lachsbagel von der hippen Espressobar wartet auf meinem Schreibtisch. 90% der Teeküche finden, dass der lecker ist. Und ich mittendrin. Morgen wieder. Morgen werde ich wieder opponieren. Oder auch nicht. Vielleicht stimme ich morgen wieder zu. Irgendeinem Konsens. Leckere Plätzchen. Angenehmes Parfum haben Sie da. Wetter schön. Die Frauenbeauftragte ist doof. Sowas.


Mittwoch, 22. April 2015

Bill ich




Groß art ich. Haben sie nichts besseres für die Plakate dieses unfassbar hässlichen Autos gefunden als den letzten Heuler aus der Wortspielhölle zu recyceln und Wörter, die auf -ig enden, mit dem Personalpronomen "ich" zu kombinieren, völlig egal wie hirnamputiert das dann klingt. Wortspiele. Holprig-unlustige zumal. Fantastisch. Ist noch nie dagewesen. Wahrscheinlich der Praktikant wieder. Ich kann mich kaum halten, so innovativ ist das. Wortspiele! Dass da noch keiner drauf gekommen ist. Ich will auch mitmachen, das ist so geil, ich will auch ein paar Possen reißen, Wortspiele aus der Idiotengruft, mehr davon, gleich geht's los, ich bin ganz aufgeregt:

Werber sind meist wider wärt ich

Und ihre Werbung stumpf sinn ich

Über flüss ich

Oder wahlweise verabscheuungs würd ich

Geist ich unzurechnungs fäh ich

oder wenn man so will

unverhältnis mäß ich

schmier ich und

un witz ich

vor allem auch ganz oft

unfrei will ich

lang weil ich

bei so was werd ich schlag art ich

gewalt tät ich

es ist schon über fäll ich

dass ich angriffs lust ich

mit einer Axt dieses hoch grad ich debile Ding

tat kräft ich und

hinter fotz ich

fälle.

Da sind wir in unserer Meinung doch wohl

ein hell ich.

Fump.

Oh. Das war ein Schlaganfall. Na endlich.

Boar mein Hirn ...


Dienstag, 21. April 2015

Lass mal netzwerken - Links vom 21. April 2015



Etwa 800 tote Menschen im Mittelmeer. Und mir fällt nur ein Wort ein: Frontex. Ein Brachialwort aus der Technokratenhölle. Woran erinnert es mich nur?

Die Links:


Lower Class MagazineEin einziges Mal
Frontex.

KiezschreiberRoth und Grau
Die Gesamtsituation. Ein Dialog.

Chris Kurbjuhns NetzeckeAre you kidding?
Die Gesamtsituation. Der Monolog. Off the record: Im Schillertheater habe ich Anfang der Nullerjahre Getränke für die Kulturschickeria ausgeschenkt. Ein schöner Ort. Ich hätte sicher die Aufführungen besucht, hätte ich sie mir von diesem Job leisten können.

Fliegende BretterDiese fatale Distanz
Die Gesamtsituation. Und der völlig zu Unrecht verstorbene Keyboarder der Doors.

WutDie Rede eines ehrlichen P’litikers auf der zentralen Gedenkveranstaltung
Einmal ohne Redenschreiber und Textbausteine.

Lumières dans la nuitDie große Volksbewegung
Was ich immer sage. Ein Land zu regieren ist eigentlich nicht schwer. Sorgen Sie für billiges Fleisch, billigen Alkohol, kostenloses Idiotenfernsehen und wechselnde Feindbilder. Und töten Sie um Himmels Willen Ihre Opposition nicht, sondern richten ihr ein Bällebad ein, in dem sie an sich selber rumspielen und sich gegenseitig neutralisieren kann. Ein Spaziergang.

Frei-BlogHartz IV-Tagebuch – Bratwurst und Kunst
.

Frau Meike sagtFamilienmitglied Krebs
Ein wichtiger Text über die Vorsorge. Bei mir ist neben dem obligatorischen Krebs auch der Alzheimer ein Familienmitglied. Leider nur Platz 2 in der Häufigkeit mag ich den irgendwie. Langsam bekloppt werden und es nicht mal mitkriegen. Besser sterben geht kaum, außer im Schlaf. Könnte ich wählen, ich nähme den Alzheimer.

biber.atBitte Männer, zahlt doch einfach!
Danke, ich habe schon so viel gezahlt, dass ich dafür einen ganzen Monat ins Artemis hätte einziehen können - bei voller Verpflegung. Texte wie dieser wecken in mir den Wunsch, dass der Feminismus diese Sorte Prinzesschen aus der Lilifee-Mottenkiste endlich final in den Orbit shitstormt. Orbit, Mond, Milchstraße, egal wohin. Nur weit weg. Zumindest weit weg von mir. (via Tante Jay)

Peppa loves 2 cook„Kennt ihr diese nachtragenden Wesen?“ „Elefanten?“ „Nein, Frauen!“
Es gibt so unendlich viele Texte von Frauen zur offenbar immens wichtigen Frage, wie Männer sein sollen. Und 20.000 verschiedene Meinungen dazu, die alle aufgeschrieben werden müssen, am besten als Liste. Wenn Sie sich als Mann an diesen zahllosen Vorgaben orientieren, werden Sie sehr unglücklich werden.

VirchVom freien Schweben der Gedanken über dem Meer
Viele Buchstaben über eine eigentlich banale Sache: Urlaub. Sehr schön geschrieben.

Irgendwie ein WassermannMeiner einer...
Irgendwie ein Spindschrankneurotiker. (wäre ein cooler Blogtitel btw...)

Was weg mussDie Mikrowelle muss weg
So ist er. Ordinär. Einfach nur ordinär.

schoenescheisseBicycle Day
Ordinär. Alle ordinär.

Katha kocht!Der Kretaner
Den Kretaner habe ich auch schon empfohlen und den kann man gar nicht oft genug loben. Ein wirklich großartiges Lokal.

Großartig ist es auch, wenn es zweimal brennt:

1x umrühren bitte aka KochtopfGeschmorte Schweinerippchen Asia-Style - brennt zweimal!



Samstag, 18. April 2015

Bier, ein geiler Laden und eine lange potthässliche Einleitung


"Was kann man von einem Sessel lernen? Die Gelassenheit gegenüber jedem Arschloch." 
Josef Hader


Falls Sie einen erweiterten Bedarf danach haben, verrate ich Ihnen heute einmal, wie Sie mich ärgern können. Vergessen Sie Flüche auf meine fette Mutter, die sich an einem Dönerspieß dreht, Drohungen, mich bei meinem unfähigen Chef zu verpfeifen, Disses gegen meinen Job, mit dem ich mir die Welt untertan mache, haltlose Unterstellungen, Kommentarflooding, Nazikeulen oder billige Provos vom Grabbeltisch der Trollklippschule. Zieht nicht.

Nein, es gibt nur eine Sache, mit der Sie mich wirklich ärgern können: Unterstellen Sie mir Kommerzabsichten. Ja, behaupten Sie einfach ins Blaue hinein, jemand würde mich für eine positive Empfehlung bezahlen. 100% Erfolgsgarantie auf einen Treffer. Schwöre. Ich ärgere mich wirklich für ein paar Minuten. No shit. Versprochen. Todsicherer Tipp.

Besonders nach dem frenetischen Jubelpersertext über den fabelhaften Mr. Hai am Savignyplatz aber auch nach meiner ekstatischen Hymne auf das russische Restaurant Voland ging eine niedliche Welle Hasspost über das Kontaktformular ein ("Lass dich doch auch noch kaufen, du Kommerznutte"). Und weil mich so etwas tatsächlich ärgert (übrigens, wussten Sie schon, dass mich das ärgert?), muss ich heute wieder einmal Dinge klarrücken, die ich eigentlich gar nicht klarrücken will: Ich will immer noch kein Geld. Und Geschenke auch nicht. Ich nehme nix. Sie dürfen mich auch nicht auf einen 18-jährigen Aberlour ins nicht minder fabelhafte Offside (eine geile Kneipe, ist das geil da, wie geil das da ist) einladen oder einen knuffigen Flattr-Button für mich drücken. Ich lasse Sie hier nicht einmal ein aus gut abgehangenen Blogtexten mit einer kostenlosen epub-App lieblos zusammengeklatschtes eBook kaufen, das von einem defizitären Indieverlag zum Mondpreis rausgegeben wird. Sie werden hier auch nie einen Link zu meiner Amazon-Wunschliste finden, damit Sie mich mit Geschenken überhäufen können, die ich mir nicht selber kaufen möchte, weil ich ja Sie dafür habe. Nix. Geben Sie Ihr Geld Leuten, die es brauchen. Flüchtlingsprojekte, Anlaufstellen für Arme (nein, ich schreibe nicht das behördendeutsch-neutrale Wort Bedürftige, es sind Arme, die das Gegenteil der Reichen sind, die ich ja auch nicht verniedlichend Wohlhabende nenne), dem Penner an der Ecke, jedem, der Hunger hat. Oder Durst. Ich will es nicht. Ich habe alles was ich brauche.

Zugegeben, ich kann die eruptiven Antikommerzreflexe sogar verstehen (jeder Widerwillen muss raus, sofort, stets übers Ziel hinaus und auf jeden Fall unsachlich, das ist immerhin das Internet, der Marktplatz die Kloake der Hysterie), denn nicht wenige Blogger lassen sich tatsächlich einladen, kaufen oder mit Gutscheinen, Eintrittskarten oder Geschenken für Gewinnspiele überschütten und sorgen dann im Gegenzug für Klicks und - wenn es gut läuft - Umsatz. Virale Werbung. Es gibt ganze Agenturen, die sich auf Blogger und ähnliche Multiplikatoren spezialisiert haben, und manche davon schreiben tatsächlich auch mich an. Kein Scheiß.

Ich schreibe dann zurück, dass ich auf dem Blog keine Werbung außerhalb von gemeinnützigen Aktionen mache, weder als Anzeige, noch als Sponsored Post oder verbrämten Produkttest und schon gar nicht versteckt in einem ganz normalen Text. Will ich nicht. Kommt hier nicht rein. Und dann schreibe ich meist noch, dass es mir schleierhaft ist, warum jemand überhaupt in einer manisch-depressiven Umgebung wie dieser hier werben wollen wöllte, worauf ich natürlich nie eine Antwort bekomme, weil Werber kein Interesse an einem Feedback auf Augenhöhe haben, sondern einfach nur ihren Scheiß an möglichst vielen Orten droppen wollen.

Also drehe ich heute wieder einmal die alte, gammlige Gebetsmühle und wenn Sie hier schon länger lesen, dann hängt es Ihnen wahrscheinlich wie mir zum Hals raus: Kein Geld, keine Einladungen und keine Geschenke, weder von Ihnen, die hier lesen, noch von Agenturen oder irgendwelchen Restaurants. Danke für die Angebote, sehr nett, sicherlich verlockend, tolle Theaterkarten haben Sie da, Knaller Record Release-Party mit ... wem nochmal? ... und Hammer-Currybutze da in Lichtenberg mit gaaanz viel fritz kola, voll toll, wirklich, aber: Nein. Es läuft so wie es immer schon lief: Ich finde manchmal Dinge gut, die meine Wege kreuzen, und dann kommen die hier rein. Ohne Geld. Ohne Zuwendungen. Ohne Geschenke.

So wie das hier.

Der Bogen.

Jetzt kommt er.

Ich will was empfehlen.

Ohne Hintergedanken.

Selbstlos wie ein Jesuit.

Oder ein staupeverseuchter Hundewelpe mit Bindehautentzündung in seinen großen traurigen Kulleraugen.

Getränkefeinkost.

Boxhagener Straße.



Ein wirklich saucooler Laden. Haben Sie Biertrinker im Freundeskreis? Wenn ja, dann ist zumindest ein Geschenk gesichert: Ungewöhnliche Biere. Entweder Berliner Biere aus winzigen Brauereien oder Bier aus Korea, Südafrika, Australien, dem gesamten Ostblock, Duff-Bier, Russenbier, Ami-Plörre, Mexiko, Finnland, Kroatien, Slowakei, verdammt viel, was sich irgendwie Bier nennt, ist da am Start. Es ist schwer geworden, mich noch für irgendwas zu begeistern, was nicht mindestens 40% hat, doch dir gelingt es, Bierkönig.

Da kommt man rein und hat keine Ahnung und dann kommt einer hinter der Theke vor und macht, dass man Ahnung hat. Ich mag es sehr, wenn jemand mit Herzblut bei der Sache ist. Bier ist euer Leben, oder? Ganz weit vorne, die lässige Art den Laden zu führen und überhaupt der Laden an sich. Hobby zum Beruf gemacht.

Okay, die Preise, ja gut, die sind relativ feudal, Boxhagener Straße, was soll ich sagen, aber dafür ist das wahrscheinlich der Einzige in dieser Gegend, der Biere rund um die Welt anbietet. Wie viele Sorten sind das, Bierkönig? Fünfhundert? Da kann man sich in einem Leben nicht durchsaufen, oder? Hast du?

Ich bleibe dabei: Stark. Ganz stark, der Laden. Was besonderes. Gerne bis bald mal wieder auf ein Bierchen vom anderen Ende der Welt. Oder umme Ecke vom Kiez.



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Getränkefeinkost Berlin
Boxhagener Str. 24
Friedrichshain
http://www.getraenkefeinkost.de/

Danke, Matthias, für das Haderzitat. Ich habe es mit großer Freude geklaut.

Donnerstag, 16. April 2015

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (30)



Berlin-Lichtenberg. Ein Backwarenladen.


Legen Sie es zurück bitte.

Was?

Legen Sie es zurück. Ich möchte es nicht mehr.

Aber ich habe es schon angefasst.

Das ist nicht mein Problem. Ich möchte es nicht mehr.

Wieso das denn jetzt?

Sage ich Ihnen gerne: Ich bin wundgemeckert. Seit Sie versuchen, diese überdimensionale Mettstulle in Ihre viel zu kleine Bäckertüte zu packen, meckern Sie in einem fort. Ich habe keine Lust mehr, mir das anzuhören. Ich muss den ganzen Tag meckernde Menschen ertragen, am Telefon, im Büro, in der S-Bahn, im Internet, da ist so ein Bäcker wie Ihrer einer der seltenen Orte geworden, an denen normalerweise niemand meckert, zumindest wenn er unter 60 ist und sich nicht altersbedingt vordrängelt.

Das ging doch gar nicht gegen Sie.

Natürlich nicht, ich kann ja auch überhaupt nichts für Ihre viel zu kleinen Bäckertüten oder - wenn Sie so wollen - für Ihre viel zu großen Mettstullen. Ich habe nur keinen Bock mehr, mir Ihr Gemecker anzuhören. Gehen Sie ins Internet, machen Sie ein Blog auf oder dauerbeschweren Sie sich bei Twitter über Ihr Leben, Ihre Berufswahl, Männer oder Ihre blöde Bäckertüten, die - das ist wirklich augenfällig - tatsächlich viel zu klein für die Mettstullen sind, die Sie anbieten.

Normalerweise werden Mettstullen ja auch hier am Tisch gegessen und nicht eingepackt.

Deswegen ja. Sie haben Recht. Lassen Sie es liegen. Mettstullen zum Mitnehmen sind das Allerletzte. Ich sehe es ein. Küsschen. Ich muss weg.

Arschloch.

Aber gerne. Honk.