Freitag, 27. Februar 2015

Ein Runde Rätselhaftes aus Prenzlauer Berg



Wer oder was ist ein Drexl Münte?


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(geknipst in der Gethsemanestraße, dem früheren Widerstandsnest und jetzigem Pilatesparadies, ballyho, ich schmeiß' nen Satz Masernimpfstoff, lauf Idiotenbezirkbewohner lauf)


Mittwoch, 25. Februar 2015

Oh Manager my Manager



Kaufen Sie! Kaufen Sie! Das Erfolgsrezept. Jetzt neu mit extra Boni. Bei Abnahme von 10 Packungen gibt es eine lustige Kaffeetasse für die Krokodilstränen. Bedruckt. Ich Boss Du Nix. Du Affe. Und für jeden entlassenen Arbeitnehmer gibt's eine Korinthe extra. Hahaha nur Spaß. Blep Blep jetzt seien Sie doch nicht so ernst. Schauen Sie doch mal, was ich hier schreibe:



"Das Müsli mit allen Zutaten, die unser Chef liebt."

Hihihi ich bin aber auch putzig, das war meine Idee. Ich stecke so tief im Arsch unseres CEOs, dass ich solche Vorschläge mache und dafür letztes Jahr sogar eine Extraprämie bekommen habe, wofür mich jetzt die ganzen Kollegen hassen, die nicht so geile Ideen haben wie ich, aber das ist mir egal, denn bald schon bin ich Vorstandsassistent und dann dürfen sie mich nicht mehr hassen, weil sie sonst rausfliegen, die Penner, und von Polen ersetzt werden, oder Rumänen, die sind noch billiger, pah, Müsli zusammenpanschen kann jeder, ich auch, ganz einfach geht das, Nüsse da, trauriges Trockenobst hier, noch ein paar zerbrochene Cashews, die irgendwoanders liegengeblieben sind, und aus Chisbubikaio gibt es billig Rice Pops, mal so, mal so, hiervon weniger, davon mehr und fertig ist mein neues "Unser Chef ist der Geilste und hat einen Fleck auf seinem Lackschuh, den ich so gerne weglecken würde"-Müsli, das ich schon als Konzept im Kopf habe und das bestimmt der Knaller werden wird. Hahaha hohoho und das nächste Müsli wird noch besser, ich weiß jetzt schon wie es heißen wird: "Das wo die Frau von unserem Chef total toll findet und es immer vor der Psychotherapie isst während er die Disponentin im Lager auf einer Europalette Proteinflocken bumst"-Müsli. Mein Chef, meinem Chef sein Müsli, wie geil der ist - jetzt auch in Ihrem Supermarkt im Regal. Kaufen Sie, kaufen Sie! Dann freut sich mein Chef und wenn der sich freut, freu' ich mich auch.


Dienstag, 24. Februar 2015

Lass mal netzwerken - Links vom 24. Februar 2015



Links über Links. Read this:

ModepralineHipster-Einheitsbrei
Huch, es gibt noch Hipster? Und ja, ich verlinke einen Modeblog. Passt schon. (via sunflower)

bibifoolMeet my partner in crime
Wo wir gerade beim Thema sind, begrüßen wir den ersten Modeblog, den ich tatsächlich in meinen Feedreader aufgenommen habe (Hölle frier' zu). Es ist ein plakativ ironischer Modeblog, um genau zu sein, vielleicht auch eine Komplettverarsche, ein Spiegel zum Vorhalten, Persiflage, kein Plan, es liest sich jedenfalls schön absurd. Und ich mag absurde Dinge.

Das Helmut Webdings#blogeha - Hassende haben keinen Wert
Codo aus der Ferne der leuchtenden Sterne. Bussi Bussi. Die Gesellschaft verlangt baby speech. Flauschterror. Habt euch gefälligst lieb.

Aachen Vintage aka Tanos Vintage LoungeKaffee & Tee Jansen | Noch mehr Bilder ...
Für mich eines der spannendsten Blogprojekte in letzter Zeit. Das alte Aachen. 50er, 60er, 70er und ohne das Beste von heute. Keine Ahnung, ich war nie in Aachen, bin nur öfter mal auf dem Weg nach Frankreich dran vorbeigefahren, doch sind das schöne Bilder, die Tano da sammelt. Tolles Blog. Wenn er nur nicht dauernd den Namen ändern würde. Ich bin nicht mehr flexibel genug für derlei.

So.

Break.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass wir uns gar keine Sorgen machen müssen, weil Berlin zu unfähig für alles und unter Garantie auch zu dämlich für eine erfolgreiche Olympiabewerbung ist, schadet gelegentliche Positionierung nie. Hier eine schöne Grafik mit CC-Lizenz:

(via Demystifikation)


Und wenn wir gerade dabei sind: Zum Positionieren ist auch immer Georg Schramm sehr geeignet. Aktueller Auftritt - stark wie jeher. Er fehlt. (via Notizen aus der Unterwelt)

zeilentiger liest kessellebenKehrseite
Stuttgart. Die Zustände. Grandios eingefangen.

muetzenfalterinIII
Uff.

Kontrastprogramm bitte:

Herr Johannes bei den FurzenAschermittwoch
Krasse Diät. Er ist ein Märtyrer und stirbt für unsere Sünden.

Amélies BlogDer Telefonzellen-Klöppler
Berlins Irre. Wie immer für Geschichten gut.

Beves WeltWeshalb ich nicht mehr nach Mainz fahre
Nachvollziehbar. Wer will schon nach Mainz?

bushcooks kitchenBodensee-Whisky-Tour
Am Bodensee machen sie Whisky. Wenn der so großartig ist wie der Glen Els der Harzer Hammerschmiede, scheint mir Deutschland so langsam ein ernstzunehmendes Whiskyland zu werden. Doch es gibt auch Ausfälle. Am Whiskyherbst habe ich Whisky aus Werder, Brandenburg, probiert. Name vergessen. Ein Totalausfall. Ein furchtbarer Fusel. Brandenburg, meine Güte, ich hätte es wissen müssen. Lassen Sie die Finger davon, es lohnt nicht.

Zu Essen gibt es Coq au vin. Und ich höre schon Til Schweiger brüllen.

KüchenlateinHähnchen in Wein aus dem SlowCooker


Samstag, 21. Februar 2015

5 Bücher für Robin



Robin, die bloggende (Ex-)Barfrau, schmeißt ein Stöckchen und möchte wissen, was ich lese. 5 Bücher soll ich auflisten, die ich plane, dieses Jahr noch zu lesen, und danach soll ich das Stöckchen auf 5 andere werfen.

Machen wir, klar machen wir das, immer, hier, da, los geht es:


Markus Beckedahl, Andre Meister - Überwachtes Netz

Es ist ein geschenktes Buch von netzpolitik.de, ein Blog, für das ich regelmäßig spende, aber das ich trotzdem aus Übersättigungsgründen aus dem Feedreader geworfen habe. Ein Widerspruch. Natürlich. So ein menschliches Leben ist voller Widersprüche und das ist einer meiner harmlosesten.

Hey Robin, ist dir eigentlich klar, dass das, was wir hier tun, mit großer Wahrscheinlichkeit von zwielichtigen Diensten gescannt wird und bei jedem kleinen Anlass gespeichert und abgerufen werden kann? Jede E-Mail, die du schreibst? Jedes Bild deiner Nichten, Neffen, Tanten, Onkel über Facebook, Twitter, WhatsApp? Jeder Liebesschwur im Chat? Cloud? Amazon-Wunschliste? Browserhistorie? Von deiner gesamten Kommunikation gibt es möglicherweise sogar ein Backup, gespeichert auf exa-, zetta-, yottabytestrotzenden Festplatten, weil einer deiner Bekannten dicke Scheiße gebaut oder auch nur zufällig ins Visier geraten ist. Es tut mir leid, leider können wir Ihre Einreise in die Vereinigten Staaten nicht bewilligen. Warum und wie Sie auf eine der vielen NoFly-Listen gekommen sind, das sagen wir Ihnen nicht. Hey, und warum wirst eigentlich ausgerechnet du bei jeder Flughafenkontrolle eines popeligen Inlandsflugs zum Schuhedurchleuchten rausgezogen? Sind die schon dran an dir? Weißt du's? Eine Sekunde, eine Sekunde nur dauert es, wenn sie dein Postbankkonto scannen, ob du Geld via Western Union nach Syrien überweist. Oder den Einzelverbindungsnachweis deiner Vodafonerechnung, ob da ein Anruf bei Murat aus Offenbach drauf ist, den du vor ein paar Wochen beim Casper-Konzert in Frankfurt kennengelernt hast. Eine Sekunde nur. Kriegst du gar nicht mit. Du hast ja auch nix zu verber... tilt tilt. Murat ist gestern über Istanbul nach Pakistan ausgereist und du kommst mit ins Raster. Bissken Schwund is' immer. So ein Pech. Verschwörungstheorie? Überwachungshysterie? Leider nicht.

Sie versuchen die Sache mit der Totalüberwachung immer abstrakt zu halten, so dass die normalen RTL 2-Kleinhirne sofort abschalten. Und in den etablierten Medien findet es als Thema abseits von Sascha Lobos Kolumnen bei SpOn gleich gar nicht mehr statt. Interessiert keine Sau mehr. Wer war nochmal dieser Edward Snowden? Stattdessen Terrorgefahr, hasch mich ich bin der Islamist, Supergrundrecht olé. Sie schaffen sogar ihre Karnevalsumzüge vor lauter Hysterie ab (okay, einen guten Nebeneffekt muss wohl jede Scheiße haben).

Ich mag es nicht abstrakt, ich breche es lieber runter. Auf mich. Auf dich. Auf Tante Erna. Denn es sind auch meine Daten, die sie da mit Algorithmen im Trüben rastern. Und deine auch. Und zwar alle. Bei Bedarf speicher- und abrufbar. Immer. Denn der Yottabytespeicher vergisst nix, wenn du einmal in die Mühlen gerätst.

Hey Robin, das mit den Mühlen kann übrigens schnell passieren. Ich habe von Hertha einmal zwei Jahre Stadionverbot bekommen, weil drei Meter neben mir ein paar Kinderhools die Schalensitze mit Bengalos abgefackelt haben. War das ein Chaos. Sie haben einfach alle in einem 10-Meter-Radius mitgenommen, erfasst und in die Mühle geworfen. Bundesweites Stadionverbot. Unaufhebbar vor Ablauf der zwei Jahre. Trotz schnell eingestellter Ermittlungsverfahren. Scheißegal. Mitgefangen und weg. Als Beifang sozusagen. Geht schnell und dann bist du ein Kollateralschaden, für den sich nie jemand entschuldigt. Mühlen. Ganz schnell bist du da drin und nur ganz schwer kommst du da raus. Ich musste einen Anwalt bezahlen, um den Kategorie B-Stempel in der Datei "Gewalttäter Sport" loszuwerden, den du bei einem solchen Anlass kostenlos und ganz ohne Verurteilung bekommst. Willkommen in der Mühle. Geht schnell. Hast du Facebook? Wie fehlerhaft sind deine Empfehlungen, die der Algorithmus auswirft? Doll? Der von der NSA ist nicht besser, denn die NSA zahlt im Zweifel nicht so gut wie Facebook. Mühlen. Ganz schnell biste drin. Der Algorithmus rülpst und du fliegst nicht mehr. Wie schade auch.

Ich bin daher ganz unironisch froh, dass es welche gibt, die sich dagegen engagieren und die dürfen meinetwegen auch ihre immer viel zu eitlen Visagen in die Kameras von Phoenix, Arte und wenn es sein muss RussiaToday halten, mir egal, Hauptsache jemand macht etwas, das ich mangels Zeit, Ehrgeiz und technischem Verständnis nicht kann: Lobby für Bürgerrechte im digitalen Zeitalter. Wir brauchen das. Ehrlich. Ohne is' halt kacke...


Ada Blitzkrieg - Dackelkrieg: Rouladen und Rap

Auf Ada Blitzkrieg und ihren Blog bin ich über eine Zeile des Songs Generation Porno von Prinz Pi gekommen. Erst später habe ich gelernt, dass man jemanden wie sie wohl als Twitter-Promi bezeichnet. Dass Ada so selten bloggt, ist ein Jammer. Aber wenigstens schreibt sie Bücher. Ich bin sehr gespannt. Ada finden Sie (gelegentlich) hier.


FiL - Pullern im Stehen: Die Geschichte meiner Jugend

Eine Empfehlung bei FluxFM-Spreeblick. Jetzt weiß ich, warum das Blog Spreeblick so skandalös nachgelassen hat, denn offenbar fließt die ganze Energie in die durchaus hörenswerte Radiosendung. Das Interview hat mich geflasht, ich will das Buch lesen. Bei Interesse: Die Sendung gibt es hier als Podcast. Lohnt sich.


Alexander Fuchs - Netzkind: Das (#) Internet macht den Unterschied

Wenn einer der Blogger, die ich lese, ein Buch schreibt, dann werde ich das lesen. Immer. Denn ist das Blog gut, wird es das Buch sicher auch sein (gut, klappt nicht immer, aber oft). 

Warum schreibst du eigentlich nicht ein Buch, Robin? Warum nicht auf Basis deines großartigen Textes über (gegen) Beschneidung? Und des nicht minder großartigen Nachfolgers. Das was du da rausgehauen hast, war ein Debattenbeitrag, der sehr viel aus den Mainstreamportalen, der Alternativpresse zwischen taz und Freitag und den traurigen Blogs der weinerlichen Rechtsaußen-Maskulinisten sowie der bigotten Netzfeministinnen in den Schatten gestellt hat. Andere machen Bücher aus solchen Donnerschlägen.

Aber okay, wenn dir das Thema zu ernst ist (mir wär's auch zu krass, zugegeben): Ein Kneipenbuch? Kneipenbücher gehen immer. Wahrheiten von der Theke, denn die Wahrheit gibt es immer nur an Theken. Versprochen: Schreibst du ein Buch, werde ich es lesen. Und by the way: Du könntest auch wieder mehr bloggen. :)


Candy Bukowski - Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben

Eine meiner ganz großen Favoriten, auf deren Buch ich mich freue, denn ich weiß, dass es gut sein wird. Candy bloggt hier.


So. Es fehlen der Kiezschreiber und der Zwetschgenmann, die es noch nicht geschafft haben, ihre Bücher in einem zeitgemäßen Format ohne die Verarbeitung von Holz anzubieten (scnr... :). Und Glumm fehlt sowieso, der aus irgendwelchen mir völlig schleierhaften Gründen kein Buch schreiben will, was immer noch tragisch ist.

Okay, liebe Robin, ich denke, jetzt ist ziemlich klar, was ich so lese: Bücherschreibende Blogger, aber auch Bücher von Nichtbloggern, die von Bloggern empfohlen werden. Meistens sind das Underdogs. Fünf, sechs, sieben Underdogs. Jährlich. Zu mehr komme ich nicht mehr. Hast du ein Kind, kommst du vor lauter Spielplatz, Memory und Karls Erdbeerhof kaum zum Lesen. Und zu allem anderen auch kaum noch. Is so. Prioritäten eben. Müssen sein.

So.

Jetzt kommt der beliebte Move, bei dem ich das Stöckchen fünf anderen zuschmeißen darf, wobei die Hälfte hofft, dass es sie trifft und die andere Hälfte betet, dass bloß nicht. Eat this:

Die Auftragsmörderin
Stadtkind
Jochen
Amélie
Stefan

Die Mission: 5 Bücher, die Ihr dieses Jahr noch lesen wollt. Und dann weitergeben an 5 befreundete Blogger. Viel Spaß.


Mittwoch, 18. Februar 2015

Höllenritt



"Die Wahrheit ist hässlich, sie riecht nach Blut und nach Kot. Sie ist der aufgeschnittene Körper, der weggeschossene Kopf meines Vaters", sagte Eschburg. "Du machst mir Angst, Sebastian", sagte Sofia.
Ferdinand von Schirach - Tabu


Die Berliner S-Bahn ist ein Sammelbecken für die Irren der ganzen Stadt. Es soll Menschen geben, die sich mit einem Eimer Popcorn und einer 2-Liter-Flasche Coke Zero auf einen Campingstuhl in die S-Bahn setzen und den ganzen Tag um den Ring fahren, um danach ein Endzeitbuch zu schreiben. Oder einfach nur, um die nackte Sinnlosigkeit des Lebens zu fühlen.

The Ring. The S-Bahn-Ring. One Ring to bring them all and in the darkness bind them. Das Kaleidoskop meiner Stadt. Von Wedding bis Beusselstraße regieren die lustigen Gangsterkids, Basecap seitwärts gezogen, G-Star-Sneakers in allen Farben des Regenbogens und seit kurzem sind auch wieder kleine Oberlippenbärtchen in Mode. Sofern da was wächst.
Ein Stück weiter von Jungfernheide bis Westend dominiert das Bildungsprekariat in seiner hässlichsten Erscheinung: Rosa Jogginghose, fünf Kinder, durch die Bahn plärrend. "Taraaaaa!!! Dschaaaaaaastiiin! Schakelüüüünö!" Was die nicht hören, weil sie sich gerade gegenseitig mit Lidls Laborkakao bespritzen.
Ab Westend steigt das gehobene Bürgertum ein, klar, der Kurfürstendamm ist nicht weit, die Nase immer ein wenig höher als notwendig, immer pikiert und still leidend ob der Schlechtigkeit der Stadt, missmutiges Kopfschütteln sobald Dunkelhäutige die Bahn betreten. Die werden auch immer mehr. Und wir weniger. Die ficken uns zur Minorität (sie hören Westend-Privatschulvokabular: Minderheit sagt man erst wieder auf Höhe Schöneberg). Sie haben es immer gewusst. Sie wissen es immer. Sie wissen alles und ihre Allwissenheit reicht bis etwa...
Innsbrucker Platz, dann wird es sehr studentisch, gepaart mit den allgegenwärtigen Touristen, klar, das Südkreuz ist nicht weit, da kommen die Züge aus dem Süden der Republik an, Beppo Bierbichler verabschiedet Mama nach München, Janina Pommerenke wünscht Papa eine gute Reise zurück nach Senftenberg. Rein. Raus. Touristen ficken meine Stadt, was sich von hier durchziehen wird bis Schönhauser Allee, mit zwei kurzen Unterbrechungen, wenn zwischen Neukölln und Sonnenallee die Bierpulle und zwischen Ostkreuz und Frankfurter Allee das Club Mate regiert.

Das ist die Ringbahn in Berlin. Toll.

Ein Werktag mitten im Februar. Heute ist es besonders schlimm. Heute sind die Irren alle in einem Wagen. In meinem Wagen. Und alle steigen sie gemeinsam ein. Am Ostkreuz. Es besteht wieder einmal Weichen- oder Zugstörung - je nachdem was die Bullshitbingoanzeiger an den Bahnsteigen heute ausgeworfen haben - und deswegen fielen gleich mehrere S-Bahnen aus, also quillt der Wagen, in dem ich viehgleich über den Ring transportiert werden soll, über. Der Nahverkehr in Berlin bedeutet Nahkampf, seit die S-Bahn sich in Grund und Boden spart. Wir bitten um Verständnis.

Der erste Irre hat ein altes Nokia-Handy am Ohr und brüllt da rein: "WEESTE HAB ICK JESAGT DET JEEEEEHT NICH! MANN DET JEHT NICHT HAB ICK JESAAAGT JESAAAAAAAGT HAB ICK DET SO JEHT DIT NICH HAB ICK JESAAAAGT MAN WEESTE WEESTE DET JEHT NICH MAAAAANN HAB ICK JESAAAAAAGT!" wie eine Schallplatte mit Sprung. Ich stelle meinen Player lauter als eine Schwade Kotzreizwürdiges rüberkommt. Der fette Wichser rechts von mir mit dem Sternburg in der Hand hat gerülpst und die Schwade modert auf direktem Weg zu mir ins Nasenloch. Mettbrötchen. Zwiebeln. Minderwertiges Bier. Liebesgrüße aus der Säuferkehle. Ich möchte kotzen, kann mich aber nicht nach vorne beugen, weil die Bahn zu voll ist. Vor mir frisst ein alter Hurenbock eine Currywurst und einen Instant-Muffin dazu. Der kranke Penner frisst das abwechselnd und es stinkt nach Curryketchup und Double-Choc-Fabrikteig gleichzeitig. So lasst mich doch kotzen.

Landsberger Allee möchte einer aussteigen, aber er kann nicht, weil es zu voll zum Aussteigen ist. Freund "AAAAAALTAAA HAB ICK JESAGT JA HAB ICK JESAGT" macht einfach keinen Platz sondern labert und labert und labert und ich möchte ihm sein altes vergammeltes Nokia in den Arsch stecken, mit einem Polenböller im Darm verkeilen und die Zündschnur mit einem Flammenwerfer anstecken. Boom. Arschlochbrüller weg. In einer Umlaufbahn um den Kometen Hyakutake. Wer vermisst den schon. Bissken Schwund is immer. Ich habe den Player auf voller Lautstärke, was nur den Effekt hat, dass die Kopfhörer überfordert sind und den Bass nicht mehr mitmachen, was wiederum bedeutet, dass der Nokiaficker meine Musik übertönt. JESAAAAAGT! ALTAAAAA! Derweil hat irgendwer gefurzt und es stinkt nach frischem Suffschiss.

Lalü. Die Tür geht zu und der Aussteiger kann nicht mehr aussteigen, worauf er pöbelt und der fette Sternburg-Wichser vor Aufregung noch einen Bier-Magensaft-Zwiebelmett-Mix in den Wagen koddert. Dem alten Hurenbock fällt derweil ein Stück Currywurst runter, weil er zu dämlich zum Aufspießen ist. Es landet auf meinen weißen Chucks. Ich möchte dich langsam aufschlitzen und ausbluten lassen, du hässlicher Bastard. "HAB ICK JESAAAAAAGT" kann nicht mehr telefonieren, denn sein Akku ist leer, aber weil er nicht einfach die Fresse halten kann, fängt er an zu pöbeln "JIPS DOCH JANICH! DET KANN NICH WAH SEIN! WIESO JEHTN DIT NICH MEHR? JEHT JA JAAAH NICH!".

Ich bin da. Prenzlauer Allee, endlich, ich boxe mich raus, Ellenbogen olé, anders geht das hier nicht, die fette Sternburg-Fresse kriegt einen mit, dem alten Hurenbock hau' ich seine stinkende Fleischabfallwurst aus der Hand und dem Nokiabrüller tret' ich mit voller Absicht auf den Fuß. Mokkassins. Der Drecksack trägt tatsächlich Mokkassins. Mit Bommeln!

Aggro. Berlin. Der S-Bahn-Wagen aus der Hölle. Säufer, Fresser, Brüller. Der ganze Wahnsinn einer sozial degenerierten Stadt. Komprimiert. Alle da. Und ich bin jetzt raus. Jetzt können sie wegen mir das Ding abkoppeln und hochjagen in der Spree versenken. Die Salafisten. Die Hammermörder. Die Usbekische Heilsfront. Boko Haram. Joseph Kony. Kim Jong Dingens. Charles Manson. Die roten Khmer. Klingonen. Bin Ladens reinkarniertes Kamel. Oder wer sonst noch will. Je suis Metronaut complètement détruit.

Als ich die Treppen zur Freiheit hochsteige, höre ich wieder den hässlichen Lautsprecher aus dem Folterkeller der Bandansagen. Er bittet um Verständnis.


Dienstag, 17. Februar 2015

Lass mal netzwerken - Links vom 17. Februar 2015



Porno. Read this:

Berlin du bist wunderbarAltes Kraftwerk - Rummelsburg
Ruinenporn.

Vilmoskörtes BlogABC der Technik: D
Maschinenporn.

Brain. Fuck. Yourself.Herr B. echauffiert sich
Schnöselporn.

Hirnfick 2.0Rudelbums für Anfänger: “Cosmopolitan”, ein Magazin für Unentschlossene
Frauenzeitschriftporn.

FeynsinnJetzt im Kino: 15 Shades of Ozzy
Vorwerkporn.

KiezschreiberBerlin meets Schweppenhausen
Provinzporn.

AnnikaMännerbekanntschaften 2
Kneipenporn.

auguststraßeFür ein Verbot von gezielter Werbung für die Bundeswehr bei Minderjährigen
Killerporn.

Netz 10Unangenehme Wahrheiten über Hauskatzen
Catporn.

Die KüchenschabeWegen Mangel an Lämmer
Lämmerporn.

Lunch for oneWinterromantik in Finnland – Porvoo
And finally: Schneeporn meets Foodporn.


Samstag, 14. Februar 2015

Da rebelliert mein Zimtstern



Da sitze ich in einem vegetarischen Restaurant und bin unwillig. Ich will das hier nicht gut finden müssen.

Ja. Vegetarisch. Ja. Vegan sogar auch. Ja. Rettet die Welt. Ja. 10% von Irgendwas gehen an Irgendwen. Dritte Welt. Waisenkinder. Hundebabies. Hundekinderbabywaisen. Oder an die antifaschistische antikapitalistische antisexistische fünfzehnte Sektion der XVII. Kreuzberger Internationalen. Oder einen Ashram, ich weiß es doch auch nicht.

Das alles ist schön. Ja. Der Name ist auch schön. Aber ich mag's hier nicht. Weil hier stimmt so wenig.



Ich sah draußen eine Tafel. Es gibt zu essen. Und drinnen warte ich. Sitzend. Dann stehend an der Theke. Hinten wuseln irgendwelche hin und her, es muss was erledigt werden, operative Hektik. Einer hetzt an mir vorbei. Und wieder zurück. Was ist passiert? Ich schaue mich um, was der Grund für die Emsigkeit sein mag, doch ich bin ganz alleine im großen Raum. Niemand nimmt Notiz.

Vor Langeweile mache ich Fotos. Das geht gut. Endlich was zu tun. Doch nach 14 Fotos höre ich auf. Keine unfotografierten Motive mehr.



Irgendwann bestelle ich dann doch bei jemandem, der hart an der Grenze zur Unhöflichkeit einsilbig ist und den ich sichtlich störe.

Ich nehme A.

A ist noch nicht fertig.

Dann B.

B ist auch noch nicht fertig.

Ich nehme das einzige, das fertig ist: Irgendeinen Nudelauflauf.

Und der dauert.

Ich bin der Einzige hier. Außen einigen Touristen, die reinkommen ...

... und wieder gehen als sie an der Theke versauernd nicht beachtet werden. Déjà-vu cherie.

Leeres Lokal. Auf dem Touristenstrich Schlesische Straße eine Kunst, das hinzubekommen. Hier wo alle anderen zu Mittag brummen und vor Mäulern überquellen.



Irgendwann kommt der Auflauf. Eine Serviette bekomme ich nicht. Dafür immerhin Besteck. Der Auflauf ist nicht wirklich gut. Ein paar harte Nudeln schauen oben aus dem geschmacklich immerhin sehr guten Käse heraus, es gibt ein paar Champignons darunter und irgendetwas anderes schwarzes. Oliven? Keine Ahnung. Und Balsamicoessigflavour. Zu dominant um gut zu sein. Der kommt von dem zugleich auf den Teller geschaufelten sehr frischen, aber leider nicht abgetropften Salat, dessen viel zu reichliches Dressing meinen Auflauf von der Seite her durchweicht und komplett balsamifiziert.

Fast froh, dass die Portion Auflauf nebst Salat viel zu klein ist, um satt zu machen, bestelle ich - nach der obligatorischen Wartezeit an der Theke - ein Stück veganen Kuchen und wieder herrscht zu deutlich der Eindruck, jemanden bei irgendwas zu stören, obwohl ich immer noch der Einzige hier bin, der irgendetwas von den Betreibern will.

Gut, außer der Gruppe Touristen, die fünf Minuten saß und dann ging ohne beachtet zu werden.



Das Stück Kuchen ist geschmacklich sehr gut, aber erkennbar von vorgestern und auch wieder verhältnismäßig klein. Schade. Veganer haben offenbar tatsächlich die kleineren Mägen und mögen ihre Mahlzeit gerne gut abgehangen.

Aber wenigstens hält der Espresso, der mir natürlich ohne Keks und Wasser wortlos auf den Tisch geknallt wird, die Fahne dieses Ladens hoch, den bekommt man nur schwer irgendwo besser, wirklich gut. Immerhin.

Es gibt jedoch zunächst keinen Zucker dazu, ich muss umständlich danach fragen, was nervt, weil mir das nicht zum ersten Mal begegnet: Ich werde in szenigen Cafés immer öfter zum Puristen erzogen, der seinen Kaffee gefälligst schwarz trinken soll, wahrscheinlich weil die Bohnen handfermentiert durch die Därme grüner Meerkatzen aus Tlocopatapetl in meinen Kaffee gesungen wurden und man das Meisterwerk nicht mit Zucker versauen darf, weil sonst das Karma leidet und ich das nur mit von Sri Chinmoys Tempelfrettchen besamten paschtunischen Heilsteinen aus der nächstgelegenen Kreuzberger Esoterikklitsche wieder kitten kann. Madre mia.

Ich gehe zuletzt lieber freiwillig nach vorne an die Theke zum Zahlen anstatt wieder zu warten. 20 Euro. Mit Trinkgeld, weil ich heute trotz dieses Ladens und seiner muffeligen Aura unkaputtbare gute Laune habe. Doch es gibt wieder kein Lächeln zurück. Kein Tschüss. Wortlosigkeit beherrscht den Raum. Verrückt. Was braucht es nur, um die Stimmung in diesen Räumen aufzuhellen? Ein Steak vielleicht. Oder Gummibärchen mit Knochenmehl.

Ja. Nein. Doch. Ich bin unwillig. Seltsamer Laden. Ich fühle mich hier nicht wohl. Ich gehöre hier nicht her. Gegenüber ist ein türkischer Kiosk, dessen antiveganes Snickers mich dann doch noch satt macht. Ein paar freundliche Worte nebst Lächeln bekomme ich dort auch noch dazu. Zu meinem Snickers für 80 Cent. Schön.

Und gut.

Einen hab ich noch: Wie erkennt man einen Veganer auf einer Party?

Er wird es erzählen. Jedem.

Haha.

Ha.

H.

Grumpf...

Gehirn.


Freitag, 13. Februar 2015

Schlumpfschuhe



"Ey du has voll die Schlumpfschuhe."

"Was Schlumpfschuhe, bissu krank in dein Arschkopf oda was?"

"Hahaha Schlumpfschuhe!"

"Isch hau disch, Schlampe."

"Du Schlumpf! Du hässlicher Schlumpfmongo! Hahahaha!"

"Kuck disch selber an, du hässlicher Spast mit dein Babyrucksack!"

Lalü. Die Tür der S-Bahn geht zu. Mein Lachen hält noch Minuten an. Ich gehe nicht mehr ins Kabarett, ich fahre S-Bahn. Dingdong. My brain is dead olé.


Donnerstag, 12. Februar 2015

Lass mal netzwerken - Links vom 12. Februar 2015



Vor ein paar Tagen habe ich festgestellt, dass ich mich durch mehrere renommierte Blogs in meinem Feedreader, die oft mehrere Posts an einem Tag raushauen, nur noch durchwische ohne sie je zu lesen. Das betraf diejenigen Blogs, die fast nur noch lustige GIFs, Videos und Bildchen, die jeder sowieso schon über die Gruppenchats vom Messenger bekommen hat, raushauen und kaum noch Selbstgeschriebenes, zwei, drei Linkschleudern, die seit Jahren immer nur auf ihre vier, fünf, wenn es gut läuft sechs Ressourcen verlinken, die sowieso schon jeder kennt, das Blog Netzpolitik, das ich zwar immer noch irgendwie wichtig finde, aber das mich nun seit sehr langer Zeit so gar nicht mehr flasht, und tatsächlich das Bildblog, da mich der Scheiß, den die Bildzeitung so alles verzapft, und die vielen akribischen Nachweise der legendären journalistischen Inkomptenz der alten Holzpresse nach all den Jahren beginnen stark zu langweilen.

Alle diese Alphablogs hatte ich seit vielen Jahren im Reader und jetzt nicht mehr. Wahrscheinlich ist so ein Sättigungseffekt normal und vergleichbar mit der Situation als ich mal aus Geldnot über ein halbes Jahr fast nur Eröffnungsangebote-Döner (in Ausnahmefällen auch Eröffnungsangebote-Pizza) quer durch die Stadt gefressen habe. Ich konnte danach für Jahre keinen Döner mehr sehen. Satt.

Umso mehr freue ich mich über Texte von Bloggern, die nur ein-, zwei- oder drei Mal in der Woche etwas und dann auch noch eigenes veröffentlichen. Die mit ein- maximal zweistelligen Abonnentenzahlen bei Feedly, bei denen Sie manchmal Goldschätze heben können. Kleine Blogs. Junge. Wilde. Neulinge. Weil die Großen inzwischen so erstarrt wie routiniert rüberkommen.

In diesem Sinne, read this:

tautokoWarum ich gegen die olympischen Spiele in Berlin bin
Die Olympiabewerbung ist eine logische Folge des Weges, den die Stadt in den letzten zwei Jahrzehnten genommen hat. Wenn sie es jedoch in München nicht durchboxen können, werden sie es erst recht nicht in Berlin schaffen. Oder doch?

Dazu:

MetronautZensur: Doppelt abgemahnt wegen Satire-Olympia-Motiven (Update)
Auch wenn das Ding inzwischen einmal um die Welt genudelt wurde, muss ich es bringen. Je suis am Arsch die Räuber. Berlin mahnt ab und katapultiert ein bis dato unbekanntes Blog in die internationale Presse.

Hier ein Pressespiegel dazu und hier die Kampagne gegen den Hirnschiss Olympia.

Und sowieso:

Genuss ist NotwehrDer Berliner Mob – diesmal im Business-Anzug
Der Zustand meiner Stadt. Moralisch verkommen.

Das HerrenzimmerBlasphemie
Wir haben einen Straftatbestand, der Blasphemie heißt? Warum?

Leo/GutschR.I.P, Leberwurst!
So muss die Hölle aussehen.

WeltenschummlerWarum ich jetzt (wieder) Satanist bin
Die Idee hat großen Charme. Fundamentalisten mit noch krasserem Fundamentalismus abschrecken. Dumm nur, wenn der Gegenüber sehen will.

Mein Schweinehund und ichDann laufe ich mich halt zu Tode. Ein Wutblog.
Ein Unsympath. Sicherlich. Läufer neigen eben zur Arroganz. Doch Arroganz liest sich oft gut. Ich mag die weichgespülten Texte aus den diversen Bubbles, die ganz bemüht niemandem wehtun mögen, nicht mehr lesen.

Passend dazu:

TrotzendorffDu willst mit dem Laufen anfangen? 10 ganz persönliche Tipps für Einsteiger
Natürlich habe ich es ganz anders gemacht: Völlig planlos, mich völlig überfordert bis ich an einen Baum gekotzt habe und mit Musik, viel Musik, laute Musik, Hassmusik. Na klar..

Elisabeth RankIt kind of just looks like standing
Oh ja, die Security in einer Drogerie machen zu müssen, ist schlimm. Schlimmer noch: Douglas, weil es da stinkt, und Lidl, weil ... Lidl.

Mein Leben als AuftragsmörderinDer Tag, an dem die Welt mich an die Kriminalität verlor
Annika empiehlt, ich empfehle mit. Ein wenig Starthilfe für frischgebackene Blogger schadet nie.

Misanthropin Wider WillenPixie is back
Ich glaube, jede Kita hat ihre Pixie. Bei uns heißt sie Ursula.

Martin CompartAmerican Sniper von Clint Eastwood
So geht Filmkritik.

StadtkindFotos vom Mainufer in Frankfurt
Ich empfand Frankfurt immer als noch hässlicher als Berlin. Nach diesen Fotos bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das stimmt.

sammelnsammelnöffentlichen Ärgernisses
Hihihi Penis.

NutriCulinariTokio (1): Der Tag, an dem ich aufhörte, außerhalb Japans Sushi zu bestellen
Ich will jetzt nach Tokio. (via too much information)

Hungrig?

Reine TopfsacheCremige Zucchininudeln mit Avocado-Cashew-Soße



Dienstag, 10. Februar 2015

Call him Mr. Vain: Auf der Sause



Wenn sogar die 90er im Vergleich zu heute eine interessante Zeit sind, dann sagt das alles über die heutige Zeit aus.

Ich mag ja Trash. Sehr sogar. Und im Velodrom feiern sie eine 90er-Party, Verzeihung, Sause, 90er-Sause, Mega Sause sogar. Ich muss zum ersten Mal lachen. Wer Wörter wie Sause in den Mund nimmt und sie mit einem Superlativ wie Mega kombiniert, sagt bestimmt auch Dinge wie "Hallöchen Popöchen" oder "Knorke", "Dufte", "Okeydokey" und keckert dann hysterisch. Ja? Hallo? Die 70er-Jahre haben angerufen und fordern, dass sie dummen Spätgeborenen nicht mehr als 90er verkauft werden.

Überhaupt junge Leute, viel zu junge Leute hier, lauter junge Leute, die in den 90ern kaum auf der Welt gewesen sein können. Frischgespritztes Testosteron wabert im Raum umher. Hey hast du meine Frau angekuckt? Verpiss dich du Spast. Wir woll'n die Möpse sehn'n! Fickööööön. Kleinwüchsige Solariumseumel mit gezupften Augenbrauen und viel zu breiten Schultern werden von großen überschminkten Weibchen, deren Jacken sie tragen müssen, in den Kampf geschickt, viel überflüssige Aggression, unnötige Revierkämpfe, aufgeblasenes Zeigen des Gefieders, das in der Regel mit 30 überwunden wäre, wenn der Großteil des Publikums nicht weit unter 20 wäre.

Right Said Fred sind angekündigt. Diese Hochgenüsse von Luxuskörper. Was freu' ich mich. Pfeif' auf die Musik, wenn sie nur ihre Shirts ausziehen, was sie jedoch nicht tun, weil sie gar nicht erst kommen, sondern abgesagt haben, wonach stattdessen Captain Jack auf die Rampe geschickt wird, alt, fett, die Fantasieuniform spannt über der Bierschürze, später werde ich aus dem Smartphone die Erkenntnis gewinnen, dass das gar nicht der originale Captain Jack der 90er war, sondern ein anderer Plautzenkönig, weil der Captain Jack der 90er schon längst tot ist, aber man die alte Melkkuh von Marke nicht sterben lassen kann, die den alten One-Hit immer wieder auf Baumarkteröffnungen und Geburtstagen der Söhne von Vorstandsvorsitzenden so lukrativ performt, weil sowieso keiner merkt, welche Strohpuppe da oben auf der Rampe die Sau macht.

Später tritt Culture Beat auf. Eine dicke alte Matrone gibt den Mr. Vain. Ob sie und ihr ebenso dicker rappender Sidekick die Originalbesetzung sind oder auch nur eine Pappkameradin nebst austauschbarer Schießbudenfigur vom Grabbeltisch spielt da schon keine Rolle mehr, genau wie die Binse, die mir bei ihrem Anblick durchs Gehirn spukt: Egal wie reich, egal wie erfolgreich, am Ende werden wir alle fett, alt und hässlich. Und tot. Wie Captain Jack.

Ich muss mir das alles schönsaufen. Durchgeknallte Minderjährige grölen die Hits, die wir alle damals zum Kotzen fanden. Be my lover. No no limit. Maybe you're gonna be the one that saves me. Zwischendrin das unvermeidliche "Zu spät" von den Ärzten in der fürchterlich peinlichen Maxi-Cowboy-Version, das ja eigentlich aus den 80ern ist, was die Minderjährigen aber sowieso nicht registrieren, genau wie die Unfähigkeit des DJs, der Offspring nach Take That nach Faithless nach DJ Bobo spielt. Eine Musikmische aus der Gruft. Jeder drittklassige Ronny aus Eberswalde, der auf bäuerlichen Hochzeiten dilettiert, kann die Genres besser bündeln. Nüchtern wäre es zum Wegrennen.

Doch weil ich manchmal sehr klug bin, habe ich ordentlich vorgetankt und mir zuhause eine halbe Flasche Bowmore Darkest in den Kopf gestellt, was sich als Glückstreffer erweist, denn die hier feilgebotenen Drinks sind eine Kriegserklärung. Es ist Pepsi Cola gepanscht mit billigstem Rumverschnitt, der selbst in dieser Mischung mit viel zu viel Eis und Cola noch unerträglich nachfuselt und für den sie im 0,3-Becher 6,50 haben wollen. Sie müssen verrückt sein. Genau wie ich. Was mache ich hier wieder? Das hier ist Trash, kompletter Trash, die ganze Veranstaltung ist ein Argument dafür, den eigenen Hals oben auf ein Bahngleis zu legen, damit es vorbei ist.

Irgendwann ist es vier Uhr. Die unterschwellige Aggression, mit der die Luft von Anfang an schwanger geht, tritt jetzt immer mal wieder eruptiv zu Tage wie Geysire in vulkanischen Landschaften. Irgendwer schubst irgendwen, weil irgendeine irgendjemanden auf irgendeinen anderen gehetzt hat, der ihr den Becher Fuselsprit aus der Hand getanzt hat, wonach der nach dem Schubser auf dem glitschigen Wodka-Red Bull-getränkten Boden ausrutscht und sich langlegt und der eine, der rächen will, auf den anderen, der gefallen ist, springt, um die verlorene Ehre wieder herzustellen, auf dass die Sache aus der Welt geschafft wird wie Männer das immer noch an den Orten machen, an denen akademisch austheoretisierte Rollenbilder aus den Elfenbeintürmen der maroden Bildungsstätten dieser Republik keine Rolle spielen.

Oh flashback my flashback. Zu den Dingen, die ich hinter mir gelassen zu haben glaubte, gehören Revierkämpfe jugendlicher Rüden, gefördert und beklatscht von Weibchen, die kämpfende Rüden gerne sehen. There we go again. Es gibt die Dinge immer noch, auch wenn man sich von ihnen entfernt. Die Dinge ändern sich auch nicht, nur weil man sich selber ändert. Da raufen sie nun. Alle gaffen. Einer filmt. Ich könnte dazwischen gehen wie ich mein ganzes Leben immer wieder dazwischen gehe, doch ich lasse es. Sollen sie. Ich mache die Welt nicht besser. Heute nicht und hier sowieso nicht. Jemand schüttet mir vor Aufregung Wodka-Red Bull über die Hose und ich nehme es hin.

Gnädig ist später nur die Nacht, die schon zum Morgen wird, als ich durch den Bratwurst- und Nackensteakdampf an ausgesoffenen Rotkäppchenflaschen der vollgepissten Unterführung vorbei zur S-Bahn laufe, die heute trotz Minustemperatur fährt. Und ich habe ein Liedchen auf den Lippen: Call him Mr. Raider, call him Mr. Wrong, call him Mr. Vain. Call him Mr. Raider, call him Mr. Wrong, call him insane. Dumm dumm dumm.