Mittwoch, 31. Oktober 2012

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (1)


E-Plus


Bimmel.

"Guten Tag, Sie haben bei E-Plus gekündigt, ich würde gerne wissen warum."

"Ja, hallo, gerne, ihr Datennetz ist eine Katastrophe, für mich völlig unbrauchbar, Surfen wie im Paläozän."

"Kann ich Ihnen etwas anbieten, damit Sie bei E-Plus bleiben?"

"Eine Woche frei fressen im KaDeWe?"

"Nein, das geht leider nicht."

"Na gut. Tschüss."

"Auf Wiedersehen."

(...)

Piep-Piep.

"Oh, eine SMS."

Hier ist Ihre E-Plus-Kundenbetreuung. Wir würden Sie ungern als Kunden verlieren. Deswegen werden wir uns demnächst mit Ihnen in Verbindung setzen, um Sie als Kunden zu behalten.

"Grmpf."

(...)

Bimmel.

"Guten Tag, Sie haben bei E-Plus gekündigt. Ich möchte gerne fragen, warum Sie das getan haben."

"Sie haben doch gestern schon einmal angerufen."

"Eh, nein."

"Oh, doch."

"Eh, nein, das würde hier in unserem Kundenrückgewinnungssystem ja stehen. Steht aber nicht."

"Dann bin ich wohl altersdement. Ja, ihr Datennetz ist unbrauchbar für mich. Sie haben mir jetzt meine Geschwindigkeit gedrosselt weil ich mein Volumen verballert habe und ich merke kaum einen Unterschied. Ist das nicht fantastisch?"

"Ja, das kann nicht sein, wir haben gerade in Berlin viele neue Masten aufgebaut."

"Na gut, dann phantasier ich wohl schon im Delirium, aber die Kündigung bleibt trotzdem bestehen."

"Na gut, da kann man nichts machen."

"Nein, kann man nicht."

"Auf Wiedersehen."

"Gute Nacht."

(...)

Piep-Piep.

"Aha, eine SMS."

Hier ist Ihre E-Plus-Kundenbetreuung. Wir würden Sie ungern als Kunden verlieren. Deswegen werden wir uns demnächst mit Ihnen in Verbindung setzen, um Sie als Kunden zu behalten.


"Grmblfx."

(...)

Bimmel.

"Guten Tag hier ist E-Plus. Herr Stevenson, Sie haben gekündigt!"

"Ja, welch eine Überraschung! Es ist E-Plus!"

"Ja, E-Plus, ich möchte Ihnen einen neuen Tarif anbieten, damit Sie bei uns bleiben."

"Sie sind schon nun der dritte, dem ich das erkläre: Ich brauch keinen neuen Tarif, der alte war gut, ich brauch ein schnelles Datennetz."

"Aber wir haben viele neue Masten aufgestellt und werden auch in Zukunft - gerade in Berlin -  viele neue Masten aufstellen."

"Das ist toll, nur wenn ich in der Kneipe sitze, haben alle anderen mit der Telekom eine normale Wikipediaseite in zwei Sekunden geöffnet, um sofort mit nutzlosem Wissen prahlen zu können, nur ich mit E-Plus sitze nach zwei Minuten noch da, bin dumm wie immer und muss mich auslachen lassen."

"Das kann gar nicht sein."

"Ja, ich weiß, ich bin senil und es stimmt alles wieder nicht. Wissen Sie was, Sie haben Recht, ich phantasiere, geben Sie bitte fünffaches Datenvolumen und Monsterflatrate in alle Mobilfunknetze, Afghanistan, Chisibubikaio und zum Kometen Hyakutake."

"Ja? Ehrlich?"

"Nein. Danke. Auf Wiedersehen. Und löschen Sie mich endlich aus Ihrem Patientenrückgewinnungsautomaten."

"Ja, mach ich. Auf Wiedersehen"

"Auf Wiedersehen."

(...)

Piep-Piep.

"Verdammt, eine SMS."

Hier ist Ihre E-Plus-Kundenbetreuung. Wir würden Sie ungern als Kunden verlieren. Deswegen werden wir uns demnächst mit Ihnen in Verbindung setzen, um Sie als Kunden zu behalten.

"Blep. Blep. Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk..."


Dienstag, 30. Oktober 2012

Der Terrorkleber von Prenzlauer Berg

Der klebt alles zu

Mein Haustüre wird von Touristen vollgepinkelt, von allen Paketdiensten dieser Welt mit erdbebenfesten Klebestreifen vollgeklebt, von Kinderdeppen mit Edding vollgetaggt und von Kettritz mit Aufklebern dekoriert.

Kettritz? Who the fuck is Kettritz?

Kettritz ist der Schlüsseldienst, der es übertreibt. Ich habe inzwischen ein "Kettritz-Schlüsselnotdienst 24h"-Schild über der Türklinke, unter dem Türschloß, über und unter den Klingelschildern und seit neuestem:

Auf meinem Briefkasten.

Auf meinem Briefkasten!!!

Alter, es reicht. Ich weiß jetzt, dass es dich gibt und ich weiß auch, dass du Schlösser aufmachen kannst. 24 Stunden am Tag. Krasse Scheiße! Deine Telefonnummer kenne ich auch schon auswendig, weil du nicht nur meine Haustüre, sondern mittlerweile auch mein Treppenhaus mit deinen Aufklebern volltackerst. Ich mach die ja immer wieder weg, aber die kommen immer wieder neu. Wie ein Bumerang. Oder der Müllzettelnazi mit seinen Mülltrennungsanweisungen an den Mülltonnen, der schreibt auch immer wieder neue Zettel.
Meine Güte, da muss ein Festangestellter 24 Stunden durch Berlin laufen und nichts anderes zu tun haben als die Welt mit deinen Aufklebern zu beglücken, damit jeder Idiot, der sich mal ausgeschlossen hat, auch an jeder letzten Ecke jedes letzten Hauses dieses allerletzten Kiezes lesen kann, dass es dich gibt und du Schlösser aufmachen kannst. 24 Stunden am Tag. Krasse Scheiße.

Die Halbwertszeit eines von mir eigenhändig weggeschabten Aufklebers, der auch noch so fest klebt, dass es mich schon zwei Fingernägel gekostet hat, beträgt eine Woche - dann hängt ein neuer dran, den ich auch wieder wegmache. An meinem Briefkasten. Was soll das? Läuft ein infantiler Kettritz-Fanclub durch den Kiez und zwangsbeglückt die Welt flächendeckend mit diesen gottverdammten Schlüsseldienststickern? Das ist schon keine Werbung mit der Brechstange mehr, das ist Werbung mit der gottverdammten Neutronenbombe.

Kettritz, hör mal zu, ich bin hartnäckiger als du, wir können das die nächsten 80 Jahre machen, selbst wenn ich halbtot meinen krebszerfressenen Körper an Schläuchen, mit Katheder im Puller und Venentropf im Rückenmark vom Sterbebett in mein Treppenhaus zu meinem beklebten Briefkasten schleppen muss, ich pul die ab. Alle. So lange ich lebe. Oder bis du tot bist. Oder endlich pleite. Ischwör.

Einer von deinen Leuten war übrigens auch mal bei mir und sollte mich beraten, wie man meine traditionell unsichere Haustüre sicherer machen kann. Ihm fiel nichts ein, dann ging er wieder. Wahrscheinlich, um noch ein bisschen Werbung zu machen.

Die Konkurrenz hat das hinbekommen. Aber ist wahrscheinlich auch nicht so sehr damit beschäftigt, Briefkästen und Türen zu bekleben.

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Kettritz
Wichertstraße 67
10439 Berlin

Montag, 29. Oktober 2012

Der Kopfgeldjäger, der den Schuss nicht hört

Stargarder Straße

Der Kopfgeldjäger - sich früher Headhunter nennend, bis das Englische durch die grotesk-inflationäre Verwendung bei der Deutschen Bahn offenbar wieder zu uncool wurde - ist Prototyp und abschreckendes Beispiel eines "Szene-Friseurs" wie sie in den 90ern massenhaft aus dem Prenzlboden schossen, nur um nach dem Millennium reihenweise wieder abzusterben. Nur in der Stargarder Straße hat man den Schuss nicht gehört und gibt sich weiter so desinteressiert pseudocool-abgespaced als hätte sich die Welt nie weitergedreht.

Das Personal erkennt man an dem bemüht gelangweilten Blick, angestrengt Verachtung für die Kundschaft vortäuschend, die sowas wiederum immer noch für cool und angesagt hält.

Hier stellt der zugezogene Dachgeschoßschnösel stolz sein Hauptstadtrocker-Shirt zur Schau und ergötzt sich daran, von arroganten Friseurinnen und Friseuren aus dem zu offensichtlich Brandenburgischen öffentlich mit Desinteresse und belanglosen Haarschnitten gedemütigt zu werden.

Dieses und den von Hartz IV-Center und Bürgeramt abgekupferten Nummernautomaten kann er dann der zu Besuch weilenden Verwandtschaft aus der westdeutschen Provinz als hauptstädtisch hip verkaufen bevor es dann weitergeht in die Touristenfallen um die Kastanienallee, wo er der schwerst beeindruckten Verwandtschaft aufzählt, welcher D-Promi wann hier schon gegessen, eingekauft oder einen anderen D-Promi auf dem Klo geknattert hat.

Hier wie auch in der Kastanienallee glaubt man immer noch fest an das Mantra "Beim Wichtigsein sehen und gesehen werden", wobei sich mittlerweile nicht mal mehr die Penner vom Helmholtzplatz dafür interessieren, wer sich hier so alles die Haare schneiden lässt.

Aber die Aura schwindet unaufhaltsam, die letzten Veteranen sterben bzw. ziehen weg, denn die Stargarder Straße lebt schon viel zu lange vom längst verwehten Nachwende-Glanz, als die ersten Unterground-DJs ihre illegalen Raves im Keller veranstalteten, die Punks aus vergammelten Hauseingängen dem an versifften Biertischen sitzenden Publikum Bier ausschenkten und Til Lindemann auf der Straße besoffen seine ersten musikalischen Gehversuche rülpste.

Keine Ahnung, ob der Kopfgeldjäger diese Zeiten überhaupt je miterlebt hat, aber er wirkt unabhängig davon wie ein völlig deplatziertes, aus der Zeit gefallenes Überbleibsel in dieser geschichtsträchtigen Straße, deren traurige Höhepunkte sich mittlerweile in der Eröffnung von immer neuen Boutiquen erschöpfen.

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Kopfgeldjäger
Stargarder Straße 76 
10437 Berlin

Sonntag, 28. Oktober 2012

Der bizarre Baumarkt

Ostseestraße

Dieser orangene Baumarkt an der Ostseestraße ist ein bizarrer Ort. Ich habe dort außerhalb der Kassen noch nie einen Mitarbeiter zu fassen bekommen. Manchmal, wenn ich dort einkaufe, ist es mir, als sähe ich im Augenwinkel eine orangefarbene Gestalt, aber wenn ich hinschaue - zack! - ist sie fort. Verschwunden zwischen den Regalen.
Renne ich zu dieser Stelle, an der ich die Gestalt zuletzt sah, erscheint an ganz anderer Stelle im Augenwinkel wieder eine orangefarbene Gestalt - zumindest bilde ich mir das ein - aber wenn ich hinschaue - zack! - ist auch sie wieder verschwunden. Mehrmals hat sich eine dieser Gestalten in meinen Gang verirrt und kam mir ungewollt entgegen. Ich rief "Halt! Stopp! Frage!" aber die Gestalt rannte und rannte und murmelte dabei immer wieder "keine Zeit, keine Zeit..." und ich schaffte es nie, die Gestalt einzuholen, immer rannte sie fort und verschwand zwischen den Regalen.

Eines Tages traf ich die Grinsekatze, die mir zurief: „Wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt. Du bist verrückt.“
„Woher willst du wissen, dass ich verrückt bin?“, entgegnete ich.
„Wenn du es nicht wärest“, stellte die Grinsekatze fest, „dann wärest du nicht hier.“
Was soll ich sagen? Das ist der Obi in der Ostseestraße. Ein bizarrer Ort.
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OBI
Ostseestraße 107
10409 Berlin

Es werde Licht

Ja, dann schauen wir mal, was aus dem Blog noch so wird.

Prenzlauer Berg. Ich war zuerst hier. Dann kamt ihr mit eurer Mülltrennung, euren Fahrrädern und eurer Bioscheiße. Aber ich bleibe trotzdem. Aus Prinzip. Und blogge zurück.

Viel Spaß.