Samstag, 6. Juli 2013

Markthallenneid, latenter


"Ich will so etwas auch" denke ich jedes Mal, wenn ich durch die Marheinekehalle in Kreuzberg latsche und mir die unendlichen Auslagen an Schinken, Feinkost, Frischfisch, Antipasti, diese vielen kleinen feinen Dinge anschaue, die einen normalen Tapasteller zu einem guten Tapasteller machen.

In Prenzlauer Berg latsche und fahre ich dafür einen halben Tag umher. Für Fisch nach Heinersdorf Richtung Autobahn, für vernünftigen Käse zur Galeria am Alexanderplatz oder gleich zur Galeries Lafayette, für Schinken, der was taugt, nach Weißensee Richtung Antonplatz oder gleich zum KaDeWe und für vernünftige Oliven und anderen eingelegten Kram rüber nach Wedding zum Türken.

Der Kreuzberger hat alles an einem Ort. In der Marheinekehalle. Die Sau. Beneidenswert. Ich bin schon ganz grün im Gesicht, mache Purzelbäume, raufe mir die Haare und schimpfe auf die Gentrifizierung, die es mir unmöglich macht, in die Bergmannstraße zu ziehen.

Beneidenswert ist auch die Marge der Händler. Die Preise sind teilweise irrwitzig hoch und müssen sich vor denen des KaDeWe nicht verstecken. Ich habe hier schon mal, als ich es noch nicht besser wusste, für ein 500g-Stück Gelbwurst 14 Euro bezahlt. Gelbwurst ist was Süddeutsches und neben Laugenbrötchen  und Maultaschen endlich mal etwas Gutes, das die Dachgeschossaufkäufer mit ihrem fürchterlichen Dialekt aus ihrer Heimat mitgebracht haben.

Gelbwurst. Die krieg ich bei Kaisers inzwischen für weniger als die Hälfte. Wenn sie weg muss, dann für noch weniger. Das muss man wissen. Manche Dinge sind haarsträubend überteuert hier in der Marheinekehalle, aber das macht ja nichts, weil in der Gegend um die Halle kaum noch Geringverdiener wohnen, die das Zeug boykottieren könnten und Lidl-Kunden wie ich kommen nur alle Jubeljahre mal von weit her und kaufen hier ein, wenn sie einmal im halben Jahr mal so tun wollen, als gehörten sie dazu oder mal wieder Gäste mit Anspruch bewirtet werden müssen.

Nein, teuer hin oder her, die Idee ist gut und es ist gut, dass es die Halle gibt und wahrscheinlich noch besser, dass es sie dort gibt, wo sie ist, denn wäre sie bei mir um die Ecke, wäre ich wahrscheinlich regelmäßig um die Monatsmitte herum pleite bis über beide Ohren, weil ich gar nicht anders könnte als kaufen, kaufen, kaufen.

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Marheineke Markthalle
Marheinekeplatz 15
Kreuzberg


Kommentare:

ThorgeFaehrlich hat gesagt…

...und wenn du einen Kontrast zu all dem guten Zeug willst, dann gibt es relativ gegenüber des (Haupt?)Einganges zur Markthalle einen Döner-Dealer, der mir das grausigste Machwerk von Döner angedreht hat, das ich je gegessen habe. Sag ich als Hamburger, ich kenn also schlechten Döner zur Genüge. Der da in Kreuzberg hat sie alle getoppt. Er verfolgt mich manchmal noch in meinen Träumen...

Mal wieder Scheiße fressen wie zu den guten(?) alten Zeiten auf diesem seltsamen Bewertungsportal, wär das nicht was? ;)

Schönes Wochenende!

waswegmuss hat gesagt…

14 Neumark für eine hirnlose, aufgepeppte weiße Fleischwurst. Respekt!
Aber müssten diese Androiden nicht eher eine Rote essen wenn Kasspatze und Herrgottsbescheißerle aus sind?

Anonym hat gesagt…

Müsste es heutzutage nicht 'die Kreuzbergerin' heissen? (3te Absatz)

µnÐ3rÐ09 hat gesagt…

Eine Suggestivfrage, nehme ich an. Ich antworte trotzdem: Ich bin ein Mann, ich schreibe im generischen Maskulinum. Ich kann Frauen verstehen, die im generischen Femininum schreiben, aber da ich keine Frau bin, würde das hier nicht passen.

tikerscherk hat gesagt…

Die Kreuzbergerin bin doch ich.
Ja, ja und ja zu deinem Text und zur Markthalle.