Montag, 8. Juli 2013

Mecklenburgische Seenplatte: Karls Erdbeer Horror


Rövershagen: Out of Area-Einsatz im Seenplattenurlaub: Karls Erdbeerhof. Oh nein! Erdbeerterror! Was es hier nicht alles gibt: Erdebeerlikör, Erdbeerkissen, Erdbeertee, Erdbeereis, Erdbeergelee, Erdbeerschnaps, Erdbeersenf, Erdbeerpüppchen, Erdbeerteddys, Erdbeerschlappen, Erdbeerkostüme, man reiche mir eine Erdbeerpistole, um mich zu erschießen, das ist ja Wahnsinn.

Die Frage, wer das alles braucht, erübrigt sich durch den Blick auf die Preise: Ich nicht. Das 200 ml-Fläschchen Erdbeersahnelikör, das man vielleicht dem lieben Schwiegermuttchen mitbringen oder der seligen Oma aufs Grab stellen könnte, kostet einen schlappen Zehner, der Erdbeergeist in der gleichen mickrigen Größe, den man vielleicht kurz vor Morgengrauen, wenn eh keiner mehr was merkt, an seine versoffenen Kumpels ausschenken kann, um sie endlich zum Liebesspiel mit der Kloschüssel und danach aus dem Haus zu animieren, kostet genau den schlappen Zwanni, den ich viel lieber für eine gute Flasche polnischen Wodka versenken würde.

Und an dem Tag, an dem ich mein Kind in einem Erdbeerkostüm nebst Erdbeerschuhen und Erdbeermütze herumlaufen und sich mit Erdbeerseife waschen sehe, wird der Tag sein, an dem ich zum Zigarettenholen gehen und nie wiederkommen werde.

Darf es vielleicht Karls Spargelschäler mit dem drolligen Aufdruck "I love Karls" für 1,99 sein? Oder Sanddorn-Gesichtscreme für 2,49? Oder Erdbeernudeln die 200g zu 3,50? Nein? Oder doch Erdbeerglaskugeln vielleicht? Nur 4 Euro für 4 Stück. Nein? Erdbeerglaskugeln... ich werd' verrückt.

Wer braucht das? Ich nicht. Nicht mal als Urlaubsmitbringel zum Beweis, dass mir auch ja jeder glaubt, dass ich es zum Urlaub fast bis an die Ostsee geschafft habe. Wäre ja sonst unglaubwürdig, nimmt einem ja kein Mensch ab, wenn man nicht abends in der Kneipe am Tresen einen Erdbeerteelichthalter aus Porzellan aus der Jackentasche zaubern kann, der unzweifelhaft belegt, dass man mit vielen anderen Hirntoten zu Karls Erdbeerhof gefahren ist und für sinnlosen Erdbeertand sein sauer verdientes Geld versenkt hat.


Oh du tonnenweiser unendlicher Erdbeerkrempel, der jahrzehntelang im Keller verschimmeln wird, bevor sich die Erben meiner Erben irgendwann lange nach meinem Hufehochlegen ein Herz fassen und den Scheiß endlich wegschmeißen werden, vorausgesetzt, dass ich ihn nicht schon längst beim fürchterlichen Schrottwichteln bei der fürchterlichen Weihnachtsfeier im fürchterlichen Betrieb an einen noch fürchterlicheren Kollegen losgeworden bin.

Ein winziges Glas Erdbeergelee für Dreifuffzig, sie müssen einfach verrückt sein, die Käufer, die potenziellen. Kauft das echt wer? Erdbeerseife, Erdbeershampoo, Erdbeerlaternen, meine Güte, Erdbeerbandnudeln, wer das kauft, frisst auch kleine Kinder nebst Lolli. Lolli? Erdbeerlolli? Wo sind die denn eigentlich? Ah hier.

Das alles hier ist ebenso unendlich debil wie die erdbeerrotgesichtigen Esser in der rustikalen Essecke, die Essen essen, das aussieht, als stamme es von unserer fürchterlichen Betriebskantine, dafür aber viermal so teuer ist. Lass stecken. Dann doch lieber McDonalds an der Autobahn, da habe ich von vornherein nicht mal die Illusion, dass es gut sein wird.

By the way: Erdbeersenf anyone? Vielleicht zum schönen Mont-d'Or, damit er auf keinen Fall mehr schmeckt? Nein? Oder vielleicht auf die Bockwurst, damit sie eine total tolle Erdbeerbockwurst wird? Auch nicht? Vielleicht kann ich mir den Scheiß auch in die Haare schmieren und zum Kölner Karneval als Pumuckl gehen, wenn mir eine Prenzlmutter ihre grüne Filzhose und ein Mallorcadepp aus der nächsten Dorfdisko sein pissgelbes T-Shirt leiht. Traumhafte Aussichten.

Falls ich mal Lust darauf verspüre, Erdbeeren bis zu meinem seligen Dahinscheiden zu hassen, ist Karls Erdbeerhof mein erster Ansprechpartner. Dann fahre ich noch einmal da hin und saufe eine Flasche Erdbeersahnelikör auf ex. Und eine Flasche Nagellackentferner mit Erdbeergeschmack hinterher.

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Karls Erlebnis Hof
Purkshof 2
18182 Rövershagen

Kommentare:

Amélie hat gesagt…

Nächstes Jahr soll auch in Berlin ein Karls-Erdbeer-Laden eröffnen. Ich habe mich schon gefragt, was die dann außerhalb der Erdbeer-Saison verkaufen werden...nun ahne ich es.

Anonym hat gesagt…

hättest du es bis an die ostsee geschafft, wärst du eventuell auch auf einen karls erdbeerhof gestoßen, auf rügen dann. aber rövershagen ist doch gar nicht auf der seenplatte?!

µnÐ3rÐ09 hat gesagt…

Das ist vollkommen richtig. War ein Tagesausflug. Vielleicht sollte ich das dazu schreiben..

Noga hat gesagt…

Seit einiger Zeit lese ich still mit und freue mich über die Einträge und die gute Schreibe. Die Überschrift des Blog-Eintrags hat mich an einen taz-Artikel vor einem Jahr erinnert, in dem beschrieben wurde, wie katastrophal ausbeuterisch die Arbeitsbedingungen für die dort Arbeitenden sind.

Anonym hat gesagt…

Das mit den dort Arbeitenden kann ich bestätigen. Hauptsache billig! Ahnung? Verantwortung? Erfahrung? Sprachkenntnisse? Nein, billig müssen sie sein. Na gut da wird ein Kind mal vom Pferd getreten. Selber Schuld der 5-jährige Balg. Weiß es denn nicht, wie man sich in der Gegenwart von Pferden verhält? Die Pferdeführerin wusste es jedenfalls nicht bzw. konnte es nicht auf einer verständlichen Sprache erklären. Noch vor Jahren fand ich die Einrichtung gut und den Nepp habe ich links liegen lassen. Aber langsam scheint man bei Karls dem "Hoeness-Supermansyndrom" zu erliegen...

µnÐ3rÐ09 hat gesagt…

Tarifgebiet-Ost und Öffnung des Arbeitsmarkts nach Osteuropa ohne Mindestlohn. Das hat die erwünschten positiven Auswirkungen - nur nicht für Arbeitnehmer.