Montag, 1. Juli 2013

With Full Force


Das Full Force Festival auf irgendeinem Flugplatz irgendwo in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Sachsen-Unstrut bedeutet drei Tage lang Dreck, Metal und Suff. Die Dixi-Klos sind in der Regel am Ende eines Tages ohne ABC-Anzug unbenutzbar, mal funktioniert das Wasser zum Zähneputzen, mal nicht, und für den Versuch, ob die Tatsache, dass man seit drei Tagen ungeduscht in den eigenen stinkenden Klamotten vor sich hin verwest, Auswirkungen auf die Anziehungskraft gegenüber Insekten hat, findet man hier ideale Bedingungen vor. Mein persönliches Ergebnis ist: Nach drei Tagen ohne Waschen wollen Stechmücken nichts mehr von mir wissen, das ist selbst denen zu eklig.


Hier auf dem Full Force haben sich alle lieb, besonders mochte mich der Besoffene, der kurz vor Morgengrauen in meinem Zelt auf mich fiel und nicht mehr aufstehen wollte, bis ich ihn schließlich an den Beinen nach draußen zog. Auch der sich verabschiedende Junggeselle in Strapsen und BH, der Wodka in Kondomen für einen Euro feilbot, wollte mir nicht mehr von der Seite weichen, bis ich drei Wodka aus den Kondomen getrunken habe, von denen ich immer noch hoffe, dass sie unbenutzt waren.


Es gibt selten Stress hier, dafür viel Müll, ohne den ein Festival kein Festival ist. Manchmal ist es etwas schwer, den Müll von den darunter liegenden Alkoholleichen zu unterscheiden, aber irgendwann wird das auch egal und man legt sich einfach dazu. Das Festival ist ein Beweis dafür, dass aggressive Musik eher nicht zu Aggressionen führt. In jeder Hippiekolonie gibt es mehr Stunk. Und in Prenzlauer Berg sowieso.


Die Verpflegung ist naturgegeben einseitig: Drei Tage lang Hot Dogs. Morgens Hot Dogs, mittags Hot Dogs, abends Hot Dogs und nachts vor dem Schlafengehen auch nochmal einen Hotdog. Einmal war ein Döner dabei - quasi als Ausrutscher. Der war ganz übel, ein fieses Stück Stinkedreieck, das ich mir zugunsten eines weiteren Hot Dogs hätte sparen sollen.


Schön ist die kleine Bühne, auf der die Bands spielen, die auf die große Bühne wollen, aber noch nicht dürfen, weil sie noch zu scheiße sind. Lustig ist auch die Security, von denen ich einigen nicht abnehme, dass sie im Ernstfall für Sicherheit sorgen können, aber sie wurden auch selten gebraucht.


Einer kam mir entgegen, den seine Freunde - solche, wegen denen man keine Feinde mehr braucht - in einen Einkaufswagen gesetzt und mit Folie verschürt haben. Er hat gelacht, weil er in der Gegend herumgeschoben und - oft aus einem Schlauch - mit Getränken versorgt wurde. Starker Auftritt.


Professionell ist das hier und doch nicht völlig durchkommerzialisiert. Und auch nicht ganz so überlaufen wie Wacken.


Ich möchte noch einmal herkommen und hier auf diesem verkackten Flugplatz irgendwo fast in Polen, Tschechien oder Chisibubikaio hemmungslos und leidenschaftlich versumpfen. Jedes Jahr wieder.

KLICK

BOMM-BOMM-BOMM!!!

"MACH DIE HOTTENTOTTEN-MUSIK LEISER!!"

"Jaja."

KLICK  II

BOMM-BOMM-BOMM!!!

"LEISER! ODER DU KOMMST INS HEIM!"

"Jaja."

KLICK III 

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http://www.withfullforce.de/

Kommentare:

ThorgeFaehrlich hat gesagt…

Mein lieber Scholli, der circle pit im letzten Video flößt mir ordentlich Respekt ein. Bin bei "Heaven Shall Burn" mal in nem 1/4 so großen gelandet und danach war ich echt gut bedient...

Aber krasses Line Up war's für 2013 schon wieder...lauter tolle Bands. So viel schöner "Krach"!...

g*star86 hat gesagt…

Einfach mal wieder sehr schön geschrieben...

"Einer kam mir entgegen, den seine Freunde - solche, wegen denen man keine Feinde mehr braucht -"

:-)

kalypso hat gesagt…

geile mucke, fettes festival, kann ich sehr gut nachempfinden!!!!

die links waren klasse!

nur für mich, gehe schon mal richtig straight auf die "fuzzich" zu, keine musik zum dauerhaften hören. kann mich doch gut reinfinden. höre auch gerne und oft andere stilrichtungen.

und mit dem alkohohl und den "leichen" und den auswirkungen auf den nächsten tag.....tja - als jahrelange "alleinerziehende" kann ich nur sagen: rausch hin oder her.....der kurze hat es einfach nicht verdient, wenn ich am nächsten tag einfach nicht in charge bin.

das ist auch so ein thema: vorbild sein.

nun, nicht mehr rauchen und saufen - wird schwierig.

schön finde ich hierzu den film: "thank you for smoking".

interessant auch diese these: schlägt das pendel nicht oftmals in die andere richtung?!
kinder von bankern werden punks, und .....ach was wissen wir denn schon als eltern?!
für mich gilt: erkenne dich selbst - und erkennne dein kind in seiner innerern essenz. es wird vielleicht alles ganz anders werden als wie wir - die eltern - uns das vorstellen. und das ist gut so. alles andere ist manipulation!

wichtig ist für mich folgende dinge auszusprechen und weiterzugeben:

alles was du fühlst ist o.k.
ich werde dich nicht wegstoßen.
du bist liebenswert, so wie du bist.
ich höre dir zu.
ich sorge mich um dich.
du bist ein wertvoller mensch.
ich weiß, dass du etwas anzubieten hast.
ich werde dich schätzen.
ich habe ZEIT für dich.

jeder ist so, wie er ist. und nicht so, wie wir ihn gerne hätten.

der groove und die mutigkeit anders zu sein, spricht in den links von dem festival für sich.

wir werden uns nicht unterkriegen lassen.

auch deine verlinkung bezüglich der anderen blogs ist beispielhaft. veränderung kommt von unten!!!

herzlichst
kalypso

µnÐ3rÐ09 hat gesagt…

"schlägt das pendel nicht oftmals in die andere richtung?"

Wäre das die Regel, müsste ich mich um mein Kind nicht sorgen. :)=