Sonntag, 31. März 2013

Lausitz: Ein Abgesang



Lausitz. Letzter Urlaubstag. Ich bin bisher an ihnen vorbeigekommen, konnte sie vermeiden, keine Ahnung wie, doch hier sind sie endlich. An einem Abend mit viel Bier und Schlachteplatte. Und genau dort haben sie mich nun gefunden, irgendwie wusste ich immer, dass sie noch kommen werden:

"Berlin?"

"Ja, aus Berlin."

"Wo da?"

"Prenzlauer Berg."

"Neukölln is schlimm, nich?"

"Nö. Ich hab da mal gewohnt."

"Die ganzen Türken..."

"Och nö, ich hab da mal gewohnt und gerne sogar."

"Die ganzen Türken, schlimm..."

"Wirklich nicht. Mein Friseur war türkisch, mein Supermarkt, ..."

"Schlimm..."

"... mein Fleischer, mein Bäcker, alles türkisch, kein Problem."

"Die nehmen sich unsere Frauen, schlimm..."

"Nö, die haben ihre eigenen."

"Schlimm ist das. Hätt' der Adolf bloß nicht die Russen angegriffen, dann hätten wir das Problem heute nicht."

Usw. Usf. Müßig.

Was ich mitnehme zurück nach Berlin: Man hat hier ganz klar ein Türkenproblem. Also ein Problem mit Türken. Ich habe zwar keinen einzigen gesehen, aber wahrscheinlich leben die im Wald. Zusammen mit den Wölfen. Schlimm...

Lausitz: Der Rechtsanwalt ihres Vertrauens


Und ich dachte immer, Ronnys stehen in Brandenburg in Gruppen mit Mofas an Tankstellen herum, lassen Frei.Wild aus dem Ghettoblaster laufen und sehen dabei aus wie diese bizarre Figur auf dem Wappen. Nur mit Alkopop anstatt einer Waage in der Hand. Man lernt nie aus.

Samstag, 30. März 2013

Lausitz: Greisenbadewasser



Urlaub. Lausitz. Immer noch. Zweistellige Minusgrade. Immer noch. Was noch tun? Hofläden leergekauft. Versucht, nach Polen zu fahren und nicht geschafft, weil es hier offenbar nicht mal Grenzübergänge gibt. Schnee-Crosslauf wegen Flatterschiß vor Wölfen abgesagt. Es ist kalt.

Da bleibt nur die Therme in Burg. Und genau die Idee hatten offenbar alle überalterten Dörfer der Umgebung mit mir. Das ist schön. Muss man nicht so viel schwimmen, weil das aus Platzgründen nicht geht, nur easy rumgammeln und sich treiben lassen im Rentnerurin.

Ich habe mein Kind dabei. Ein Mann mit Kind ruft immer die Omas auf den Plan und davon gibt es eine Menge hier. Und da offenbar alle Frauen im gebärfähigen Alter aus diesem Bermudadreieck zwischen Heckspoiler, Tankstelle und vollgelaufenen Braunkohlegrubenseen geflüchtet und Kleinkinder daher Mangelware sind, stürzen die sich auf meinen Zwerg: Winke Winke. Ei Ei. Kuckuck. Hui. Hihihi. Pfröööööt. Mein Kind geht voll ab. Wie immer. Glucks glucks. Papa wollte eigentlich Schwimmen üben, ist aber natürlich sofort abgemeldet. Die Omas schlagen Kapriolen wie beim Vortanzen für den Führerempfang. Huhu. Gagagack. Keine Chance.

Und so kommt was kommen muss: Mein Kind will zur Oma auf den Arm. Mit Nachdruck. Ich kenne das gut. Occupy my baby. Oft haben die Omas in einer solchen Situation auch noch einen alten Keks aus dem Jutebeutel dabei, als Geheimwaffe, wenn Faxen nichts helfen und das Kind immer noch bei Papa bleiben will. Ich vermute, mit Müttern machen die so etwas nicht. Trauen sie sich nicht. Bei Vätern geht das, da geht alles. Muss man nicht mal fragen für.

Ich habe nun wie immer zwei Möglichkeiten: Ich spiele den Rabenvater, bringe mein Kind aus der Gefahrenzone und ernte sofort einen Brüllwürfel, der sich auf dem Boden wälzt und vor Schreien fast auf die Fliesen kotzt. Oder ich knicke ein, gebe mein Kind ab, stehe eine Viertelstunde dumm in der Gegend herum und pule in meinem Ohr - während sich jemand, den ich gar nicht kenne, mit meinem Kind vergnügt. Den unvermeidlichen Brüllwürfel werde ich dann später, wenn ich die Schnauze voll habe und das Scheißspiel von feindlicher Übernahme beende, unter den Augen der feixenden Oma ernten.

Sofortiger oder verspäteter Brüllwürfel, was darf es sein?

Ich wähle den sofortigen Brüllwürfel. Weil ich inzwischen immer den sofortigen Brüllwürfel wähle. Nein, sie werden sich den Zwerg heute nicht an die hängende Brust drücken. Game over. Kein Fußbreit. Ich mag Omas nicht, seit ich ein Kind habe. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Sie mögen mich ja auch nicht. "Machen Sie den Schal fester! Es ist kalt!" wies mich gerade gestern eine von denen im Vorbeigehen am Ausgang eines der unzähligen Lidls hier an. Danke für den Hinweis. Der Schal war fest genug. Aber es handelt es sich nur um einen Mann mit Kind. Der kann nix. Ist bekannt. Deshalb muss man auf jeden Fall was sagen, wenn man so einen sieht. Immer. Und wenn es nur ins Blaue hinein ist.

Egal. Ich bin sowieso nicht begeistert von der Therme hier. Einfach zu viel Fleisch auf zu wenig Raum. Ausnahme: Das Kinderbecken mit Rutsche und Springbrunnen, das ist relativ verwaist. Aus naheliegenden Gründen.

Aber Comedy gibt es hier, denn man muss sich seine Nummer für den Spind merken, den man mit seinem Chip verschließt, also irren viele verwirrte Omas und Opas kreuz und quer durch die Gänge und suchen ihren Spind, weil sie ihre Nummer vergessen haben. Und wenn sie zum drittenmal meinem Kind begegnen, machen sie zum drittenmal Kuckuck, Eieiei und Gagagack während sie so tun als hätten sie etwas auf dem Boden verloren - Kontaktlinse oder einen dritten Zahn. Die Begeisterung kennt keine Grenzen.

Natürlich gibt es hier auch nichts zu essen. Wär ja noch schöner. Man darf nicht nur nichts Essbares mit rein nehmen, sondern man ist hier auch der Meinung, dass acht Tische in der Kochnische für geschätzte 300 Besucher völlig ausreichen. Haha. Also stehen die Menschen an den Tischen Schlange, um sie irgendwann, wenn die Vorgänger fertig sind, mit Handtüchern zu markieren und dann Essen zu holen. Irrsinn. Vor Verzweiflung essen einige mit Tablett auf dem Boden, auf den Liegen oder im Stehen. No way. Mein Kind hat Glück und kann wenigstens einen geistesgegenwärtig illegal geschmuggelten Apfel essen.

Willkommen in Brandenburg. Ausnahmezustand für 23 Euro. Pro Person. Kinder ab einem Jahr die Hälfte. Occupy-Omas inklusive. Herzlichen Glückwunsch.

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Spreewald-Therme
Ringchaussee 152
03096 Burg


Lausitz: Reimkunst



Es ist zum Blasswerden vor Neid. Wieso kann ich sowas nicht?

Freitag, 29. März 2013

Lausitz: Schalke 04



Der Pott lebt. In der Lausitz. Keine Energie. Kein Dynämö. Sondern Blau und Weiß. Beziehungsweise Weiss. Mit SS. Au weia. Wie kommt der nur hierher? Und was hofft er hier zu finden? Renovierte Fassaden? Wenn ja, das hat er geschafft. So pastell ist Gelsenkirchen nicht.

Lausitz: Preußen lebt



Pickelhaube anyone?

Donnerstag, 28. März 2013

Lausitz: Wölfe



Märzurlaub. Lausitz. Brandenburg. Radio Fritz tönt: "...und in der Lausitz bis Minus 16 Grad." Danke. Und das mir. Brandenburg und Sibirien in einem Urlaub.

Was tun damit? Laufen. Laufschuhe an und los. Crosslauf. Durch den Schnee. Endlich mal wieder den faulen Drecksack von Körper ans Limit treiben. Drei Jahre nach dem Trauma von Caputh.

"Wölfe", unkt der Vermieter. "Wir haben Wölfe im Wald."

Ja klar, Wölfe, und Hyänen auch. Nicht zu vergessen die Alligatoren, die Klapperschlangen und den Grizzly.

"Ehrlich, wir haben Wölfe. Die haben die hier ausgewildert und die reißen jetzt ein Schaf nach dem anderen. Den Nachbarn hat es schon zweimal erwischt. Schießen darf man die auch nicht wegen Artenschutz, deshalb vermehren die sich wie die Hasen."

Jetzt denke ich an Rainald Grebe. In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben, sang der schon 2005. Na wenn der Grebe das singt, dann wird das wohl...

Wölfe. In Brandenburg. Irgendein Irrer ist auf die Idee gekommen, die hier auszuwildern. Weil die zu Zeiten Albrecht des Bären mal hier waren. Deshalb hielt man das für eine tolle Idee, die Raubtiere mal eben hier auszuwildern. Und die machen jetzt, was Raubtiere so machen: Die Schafe der Bauern fressen und Joggern Angst einjagen.

Da hilft nur James Hetfield. "Devil's dance". Volle Lautstärke. Ich? Angst? Wo denn?

Ich mache Metallica jedoch nach zwei Minuten aus, weil ich mir einbilde, so die Wölfe besser hören zu können, wenn sie kommen. Weil die heulen ja, wenn sie jagen. Im Rudel. Jagen. Im Rudel.

Jagen.

Im Rudel.

Nach einer Viertelstunde Schneejoggen sehe ich des Wolfs Spur.


Pah. Ist nur einer. Und wahrscheinlich ist das eh kein Wolf, sondern nur die Stinketöle vom Bauernhof da hinten. Du kommst aus der Stadt und kannst eine Katzenspur nicht von der eines Meerschweinchens unterscheiden. Wolf - Stinketöle - was weißt denn du schon?
Nur komisch, hier sind weit und breit keine Menschenspuren mit bei. Nur Tatzen. Pfoten. Oder wie das heißt. Sicher, dass das kein... ? Sicher ...? Bist du ...?


Dann werden es plötzlich mehr Spuren. Oder der eine Wolf hat getanzt. Einen Tango vielleicht. Mit Kevin Costner. Haha. Ich krieg die Flatter. Paranoia-Joe back in town. Der Wolf. Der Wolf. Hu-Huuuu! Lesen Sie morgen in der Bild:

Deppentourist aus Berlin in Brandenburg totgebissen!
Es waren Wölfe! Man hat ihn gewarnt!

Ich hab die Hosen voll und keinen Bock mehr. Ich will so nicht enden. Nicht in Brandenburg. Davon erzählen die Bauern noch hundert Jahre - von dem Idiotenjogger aus Berlin, der unbewaffnet in den Wald zu den Wölfen gegangen ist und von dem sie dann nur noch das abgenagte Brustbein gefunden haben.

Hosen voll. Hause. Kaffee. Brandenburg ist gefährlich. Nein, ich will so nicht enden. Ich will meinetwegen in Berlin von einem Fahrradnazi auf dem Bürgersteig totgefahren, von einer Oma mit dem Regenschirm erdolcht, von den Kaffeetanten aus unserem Büro totgequatscht werden oder einfach nur während ich meinen Namen tanze an einer verdammten Biopastinake aus einem veganen Yogaladen Prenzlauer Bergs ersticken, alles, nur bitte nicht in Brandenburg.

Lass mal netzwerken - Ausgesuchte Links vom 28.03.2013


Read this:

22.03.13 Hallo Greenpeace - ich esse weiter Zander!
Unbeirrbar, dort bei Duckhome. Wo soll das nur hinführen?

23.03.13 Es sind Damen anwesend!
Unwillig, diese Kitty Koma. Wo soll das nur...

23.03.13 Kommt, wir reden heute über Schwänze
Unzüchtig, die Happy Whore. Wo soll...

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Ich wollte noch den großen Harald Martenstein bei der Zeit verlinken, der sich dort über politisch korrektes Neusprech auslässt, aber seit dem Leistungsschutzgesetz bin ich unsicher, ob bereits Überschriften ein Snippet im Sinne des Gesetzes darstellen und damit abmahnfähig sind. Manche sagen ja, manche nein, manche sowohl als auch. Insofern werde ich so lange, bis das klar ist, zur Sicherheit nur noch auf Blogs verlinken. Ist eh vernünftiger.

Mittwoch, 27. März 2013

Die mieseste Pizza der Hauptstadt


Nachdem die Frage nach dem miesesten Döner der Hauptstadt beantwortet ist, bleibt als letztes ungelöstes Rätsel in Fragen kulinarischer Bootcamps nur noch das der miesesten Pizza der Hauptstadt.

Und das ist einfach: Amigo.

Dass sich die Pizza des Restaurants Amigo auf der Halbinsel Stralau Pizza nennen darf, ist eine Blasphemie.

Als das Werk damit begann, mit seiner Anwesenheit meinen Tisch zu entweihen, musste ich kurz lachen. Anderswo, zum Beispiel beim Bäcker um die Ecke, firmiert so ein Ding unter Pizzaschnitte, dieser kleine schrumplige Fladen, der seinen sowieso schon viel zu kleinen Teller nur knapp zur Hälfte ausfüllen kann.

Fünf Euro soll sie kosten, die Schnitte - Respekt, das ist vor dem Hintergrund der kümmerlichen Optik ambitioniert.

Und sie ist keinen Euro davon wert.

Auf der Oberfläche des bedauernswerten Mutanten haben sich einige Käsenester gebildet, dick, schwer, gummiartig und in ihrer maximalen Ausdehnung etwa fünfmal so dick wie der Teig, zähe schwer verdauliche Käseklumpen, die sich mit dem stumpfen Messer nur unzureichend schneiden lassen. Man muss sie auseinanderschaben wie Spätzleteig, diese Nester, wobei man den von viel zu säuerlichen Pepperonis aus dem Glas durchgeweichten Pizzaboden gleich mit auseinanderrupft, was ein Schlachtfeld auf dem Teller hinterlässt. Nur ohne Leichen - wenn man von der Salami absieht.

Der Teig bildet aufgrund des Durchweichens mit Pepperoniwasser eine zähe Legierung mit den fürchterlichen Käsenestern, so dass ich das Gesamtgebilde am liebsten zusammengeknüllt und als Gummiball gegen die Wand geworfen hätte, wo es als Mahnmal für alle, die so verrückt sind, hier essen zu wollen, für alle Ewigkeit kleben geblieben wäre.

Geschmacklich sticht kaum etwas aus dieser kulinarischen Kriegserklärung heraus, außer der völlig deplatzierten und unangenehm säuerlich daherkommenden Pfeffer(!)salami, die so wenig auf eine Pizza passt wie eine Prenzlmutter in einen Dessouskatalog und nur einen weiteren traurigen Tiefpunkt unter das sowieso schon geschmacklich unterkellerte Machwerk setzt.

Der Käse sollte sich darüber hinaus nicht Käse nennen dürfen, denn er ist nur zäh, dafür ohne jeglichen Eigengeschmack, man möchte was damit modellieren, wie mit Knetgummi im Kindergarten, eine Skulptur oder einen Wegweiser zur nächsten Kochschule, der Gummikäse, er ist auch verantwortlich für das brackige Aufstoßen noch Stunden später.

Börks.

Ich habe zwei Marsriegel hinterhergeworfen, um das pelzige Gefühl im Rachen loszuwerden. Es hat nichts geholfen.

Börks.

Salmiakpastillen auch nicht.

Börks.

Ich wollte es mit Chlorreiniger versuchen, aber ich habe den kindersicheren Verschluss nicht aufbekommen.

Börks.

Bei allen Göttern des Himmels, das ist wirklich ein übles Stück Scheißdreck, dieses kleine, hässliche, fiese Ding und ich stelle mit dem Brustton der Überzeugung fest, dass es die schlechteste Pizza der Hauptstadt tatsächlich auf der ansonsten sehr schönen Halbinsel Stralau gibt. Meine vorzüglichste Verachtung dafür. Egal wo, in Moldawien, Usbekistan oder Nordkorea, eine Pizza kann nicht mehr schlechter schmecken und übler aussehen als hier, nicht einmal in Brandenburg an der Autobahnraststätte.

Börks.

Erst jetzt wird mir klar, warum nie jemand hier drin sitzt und ich mich seit Jahren frage, wie sich ein Lokal ohne Gäste angesichts der stadtbekannten hohen Mieten auf Stralau hält.

Börks.

Haben wir denn keinen Lichtblick an diesem trostlosen Ort?

Ja, doch, meinetwegen, ich habe tatsächlich frische Champignons auf der Pizza gesehen, die Armen, es muss ein Versehen gewesen sein oder es ist vielleicht tatsächlich der gutgemeinte Auftakt einer Qualitätsoffensive, die hier an diesem Ort so dringend geboten ist wie nirgendwo sonst. Am Ergebnis jedoch ändert aber auch das …

… nichts.

Börks.

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Amigo
Alt Stralau 61
10245 Berlin

Dienstag, 26. März 2013

Dialoge, die die Welt nicht braucht


"Das ist aber schön, dass Sie sich als Mann auch um das Kind kümmern."

"Bitte?"

"Dass Sie sich kümmern, das machen Sie gut."

"Warum? Weil ich einen Kinderwagen schiebe?"

"Ja, das ist schön, dass Sie das machen, als Mann meine ich, das machen Sie gut. Machen Sie weiter so."

"Wollen Sie mich verarschen? Sie loben mich jetzt ernsthaft wie einen Hund, der ein Stöckchen gebracht hat, weil ich einen Kinderwagen schiebe? Ist das Ihr Ernst? Was ist das? Feministische Erziehung 2.0? Jetzt wird nicht mehr fertig gemacht, jetzt wird gelobt?"

"Sie sind unsachlich, ich wollte Ihnen nur ein Kompliment machen."

"Ja toll. Da freu ich mich aber, dass ausgerechnet Sie mir ein Kompliment machen. Haben Sie auch ein Stück Frolic vielleicht? Können Sie mir zuwerfen, weil ich so toll den Kinderwagen schiebe. Als Mann. Weil wir ja eigentlich nix können und man uns loben muss, wenn wir überhaupt mal was machen außer uns an den Eiern zu kratzen und gegenseitig zu entlausen. Und dann gleich bitte noch einen zweiten Frolic hinterher, weil ich auch ganz toll Windeln wechseln, den Kinderwagen tragen, stemmen, auseinander- und wieder zusammenklappen, das Kind an-, aus- und umziehen, Kotze, Pisse, Kacke von allen möglichen Oberflächen und Textilien wegmachen kann und überhaupt ein ziemlich guter Vorleser, Tober und Schaukelanschubser bin. Toll, nicht? Und das als Mann. Kaum zu glauben. Des Wahnsinns fette Beute. Krieg ich jetzt mein Frolic?"

"Sie sind unsachlich."

"Nein, das ist nicht unsachlich, das ist polemisch. Wollen Sie wissen, was unsachlich ist? Hier: Fall tot um, du Eule, geh Sellerie fressen oder von mir aus deinen bedauernswerten Mann weiter domestizieren, aber nerv mich nicht, wenn ich gerade mein Kind schiebe."

(...)

Der Terrorist bei Counterstrike, den ich eben umgemäht und danach sicherheitshalber in die Luft gesprengt habe, sah tatsächlich aus wie eine Eule. Zufälle gibt's ...

---
Ergänzend dazu: Väter können ja nix.

Lass mal netzwerken - Ausgesuchte Links vom 26.03.13


Read this:

17.03.13 Mein Block
Ein Abgesang auf das alte Kreuzberg

17.03.13 Die Zukunft des Internets: Geschlossene Ökosysteme
Ein pessimistischer Ausblick auf das gute alte Internet

19.03.13 Google ist wie ein gekränkter Schimpanse
Eine erstklassige Metapher für eine alternde Suchmaschine

Montag, 25. März 2013

Twitter ist toll


Die Welt erstickt an Belanglosigkeiten und furchtbarem Gewäsch. Wer einmal in Berlin Taxi gefahren ist, der weiß das:

"Wat? Wo jeht's hin? Prenzlberg? Dit is ja och nich mehr dit wattet ma wah, ne? Ick war ja damals och uffa Piste, inner Eckkneipe bei der geilen Gerda, kennta ditte? Die rattige olle Gerda, da tanztn die Mäuse uffn Tüsch sachickoich, aber heute jeht dit ja nich mehr, bin ja verheiratet, also noch verheiratet, bald abba jeschieden, haha, so is ditte, auf de Weiba kannste dir nich verlassen, dann biste verlassen, kennste eine, kennste ... "

Oder die Kaffeerunden der Kaffeetanten morgens im Büro:

"Moin Herr Stevenson, wollense ochn Kaffee? Ick braucht dit jetz, ick hab ma jestern mit meen Menne ausjesprochen, der jeht jar nicht, der Typ, kommta einfach nach Hause und wees jar nicht, dat jestern der Tach is, an dem wa uns vor fünfunzwanzich Jahrn zum erstenma jeküsst ham. Im Kino "Vorwärts Brigade" in Finstawalde. Abba keene Blumen, nüscht. Hatta einfach verjessen, der Sausack, aber det is eh so'n Ding mit die Männers, nich wahr, Herr Stevenson, so sinse eben, kennste einen, kennste ... "

Fahrstühle:

"Na dit is ja'n Wetter heute, wa? Vorhin flog'n Schäfchenwölkchen vorbei. Im Fernsehn hamse jesagt, et soll wieda wärma..."

Fleischtheke:

"N'Kilo Mett? Wat jibt's denn? Mettigel? Mit Schwiebeln, wa? Also meen Sohn macht die schicksten Mettigel allah Zeiten, der issn richtija Mettigel-Diseiner, sehnsemal, der war soja schon in Eberswalde uffm Mettigel-Festival und hat den dritten Platz je..."

Scheißhaus:

"Och ne Hose mit Knöppen? Ja scheiße sowat, wa? Ick bin jetzt dazu überjegangen, mir Reißverschlüsse rannähen zu lassen, dit dauat nua immer so lange, abba meene Frau sagt, jut Ding will Weile ha..."

Die elektronische Form der Belanglosigkeit ist Twitter:

"Habe mir eben eine Bratwurst gegrillt. Teflonpfanne rockz!"

"Heute Oma's Geburtstagsfeier. Opa trinkt wieder Jägermeister. Ich bleib beim Tee. Mama trinkt Schorle."

"Gruyère oder Appenzeller? Die Qual der Wahl beim Käsefondue, ich glaub ich nehm beides."

"Sommer Sonne Pinot Grigio. Leggaaaaaaaaa. rofl rofl lol lol."

"Heute einen Laubbläser gesehen, ja ist denn schon Herbst? Mir wird ganz blumelig."

Und der aus dem Fahrstuhl twittert: "Sehe ein Schäfchenwölkchen am Himmel, vielleicht kommt ja bald noch eines."

Das ist schon keine Comedy mehr, keine Ironie, kein Augenzwinkern, kein gar nichts, Twitter ist einfach unkomisch belanglos, das Paradies all jener Plaudertaschen, die ihre Mitmenschen sonst in der realen Welt mit nutzloser Information piesacken, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, am Leben gehalten von denen, die sich und ihre durchschnittlichen Leben immer schon für den Nabel der Welt gehalten haben und ihr unstillbares Mitteilungsbedürfnis früher an Orten ausleben mussten, von denen ihre Opfer möglichst nicht flüchten können. Fahrstühle. Taxen. Scheißhäuser.

Heute bei Twitter hören sich die Leute die Nichtigkeiten freiwillig an. Ich nicht. Ich hab's versucht und bin fast am Rauschen ersoffen.

Dann lieber Blogs, da wird nicht weniger kommuniziert, aber besser. Relevanter. Geistreicher. Normalerweise. Oft. Meistens. Mal so mal so. Manchmal. Ab und an. Vielleicht. Hoffentlich...

Stellen wir also fest: Die Fleischtheke hat sich zusammen mit den Kaffeetanten, Taxifahrern und Kloschwätzern ins Internet verlagert und ich finde das gut. Meine Theorie ist, dass je mehr seichte Kommunikation die Leute via Twitter ins Netz kippen, desto weniger werde ich dadurch an der frischen (oder im Falle des Scheißhauses unfrischen) Luft gequält, weil es nur eine fixe endliche Menge x an kommunikativem Dünnpfiff gibt, die, wenn sie zu einem großen Teil elektronisch verballert wird, mit mir fortan nichts mehr zu tun hat.

Ehrlich, Twitter ist toll.

Sonntag, 24. März 2013

Senatsbetonköpfe

Liebesgrüße aus Berlin-Tempelhof:


Lasst die Finger von unserer schönen Betonwand. Nicht dass es hier zu bunt wird. Grau muss es sein, depressiv muss es sein, lebenstötend, suizidal. Sichtbeton, Arschbeton. Tanzen verboten, Lachen verboten, Plakate kleben verboten. Könnt ja schöner werden hier, bunter, lebensfreundlicher - boar, aber zum Glück wird es das nicht, zum Glück ist da dieser Hinweis auf den puren Beton gesprüht, der in jedem Endzeitfilm unglaubwürdig wäre.

Es muss ein Fake sein. Sprühen, so etwas macht der Senat nicht. Sprühen, pah! Der Senat hätte für viel Geld ein Schild herstellen lassen - Emaille oder so - und darauf verkündet, was hier alles so verboten ist.

Und das Schlimme daran ist, dass sich jeder daran hält, keiner plakatiert was, und sei es nur aus Protest, aus Bock, aus Lust. Nix. Es grüßt der blanke Beton, das ultimative Grau. Und jeder lässt das so, weil da steht, dass man es lassen soll. Rasen betreten verboten. Vor der Revolution bitte Bahnsteigkarte lösen. Schland.

Ich muss irgendwann bei Gelegenheit mal dagegen pinkeln, dann wird es wenigstens gelb.

Plakate kleben verboten. Ja. Wehe. Lasst unsere abstoßende Sichtbetonfratze bloß so schön widerlich wie sie ist. Sie ist nämlich ein Mahnmal - für Architektur zum Abgewöhnen.

Lass mal netzwerken - Ausgesuchte Links vom 24.03.13


Read this:

16.03.13: Blogging Guide // Blogger Netiquette
^^

17.03.13: Bitte nicht stören
Siebeck rantet gegen das Verbot, Kindern selbstgebackenen Kuchen in die Schule mitzugeben, der Eier wegen. Wir dürfen seit Neuestem für die Kita keine Leberwurst mehr mitgeben. Die Prenzlauer Berg-Hysterikereltern wollen es nicht. Biopastinaken gehen aber. Praise Jesus.

17.03.13: Die Bahn bremst auf Schweinen
Immer noch einen drauf auf die Veganer.

Samstag, 23. März 2013

Gepflegt Rumschnöseln im Gewerbegebiet


Frischeparadies. Das ist schon was ganz besonderes hier mitten in diesem Pseudo-Gewerbegebiet am allerletzten Ende der traurigen Eldenaer Straße, in der es sogar Lidl schafft, die Straße aufzuwerten.

Feinkost. Feine Sachen. Fischfrisch. Frischfisch. Fischer Fritze fickt fische Frische. Fischers Ficke fritzt frische Fische. Fische Frische fickt Frischers Fick. Aaaaaaah!

Jetzt ist aber gut.

Ja. Wenn man es mal richtig krachen lassen will, mal richtig teures feines Zeug auftischen will, so richtig fischen Frisch fi ...

Is gut!

... braucht oder einfach mal wieder so richtig schön sinnlos sein Konto rasieren will, damit die Familie den Rest des Monats altes Brot mit Lidl-Mortadella fressen muss, dann ist man hier richtig, goldrichtig.

Viele denken, das Ding steht in Prenzlauer Berg, des Schnöselfaktors wegen, ist aber nicht so. Ist Friedrichshain. Ganz knapp, Bionadeland, ganz knapp, wie schade. Ich weine Tränen. Krokodil anyone? Stimmt gar nicht.

Nein, schön, toll, schnöselig, gehoben, teuer, zentimeterdick geschminkte glänzende Matronen, die ich Zehlendorf erwartet habe, aber nun plötzlich hier sehe, mit Cayenne auf dem Parkplatz. Den würde ich hier nachts nicht stehen lassen, es ist immer noch Friedrichshain hier. Auch gelogen. :)

Und doch vermisse ich was. Ich wollte mal ein paar Scheiben Angus-Rind. Das gibt es jedoch nur in sinnlos dicken kiloschweren metroesken Paketen, die einem niemand zurechtschneidet, die man auch nur in diesen sinnlosen schweren Paketen kaufen kann, genau wie all das andere Fleisch, das gut ist, aber nicht besonders verbraucherfreundlich portioniert. Wieso geht das beim Fleisch nicht so wie bei dem Frisch Fischers Fritze Fisch Fick ...

Aufhören!

... bei dem Frisch Fritze Fi ...

Ja doch! Is gut! Stop it! Silence! I kill you!

... nebenan, da wird der Fisch ja auch portioniert wie man es braucht.
Das fehlt. Ich will ne Fleischtheke, hinter der einer steht, dem ich sage "Vier unverschämt dicke Scheiben Angushüfte bitte und dazu zwei Scheiben extra massiertes und mit Bier beträufeltes Filet vom Sylter Salzwiesenlamm oder - rind oder -huhn - oder -kackapfelpferdkopfrebhuhn."

Und der schneidet mir das dann zurecht. Wenn schon Schnösel, dann richtig.

Frischeparadies! Du bist doch teuer genug. Du verdienst doch ordentlich, wenn ich mir das aus Yoga-City rübergeschwappte Publikum und deren randvolle Einkaufswagen so anschaue. Dann stell doch einen Fleischfachfischersfritze ein, der Fleisch schneidet. Dann wär's perfekt. Nur dann.

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FrischeParadies Lindenberg
Hermann-Blankenstein-Straße 48
10249 Berlin


Happy Frühlingsanfang



Scheiß drauf.

Freitag, 22. März 2013

Neulich in Wutausbruchshausen


Neulich in Wutausbruchhausen:

"Sammeln Sie Treueherzen?"

Treueherzen. Treueherzen. Treueherzen. Mir rieselt der Kalk aus dem Ohr. Drei-, vier-, fünfmal die gleiche Frage in der Woche, sinn- und hirnlose Konversation, von oben angeordnetes Interesse an einer Sammelleidenschaft, die mir schon immer dort vorbeigeht, wo noch nie die Sonne schien.

"Sammeln Sie Treueherzen?"

Treueherzen? Geht's noch? Ich bin der untreueste Kunde der Welt, in der glitzernden Konsumwelt so treu wie eine alte Hafennutte. Wer billiger und/oder besser ist, den nehm ich. Haha. Das kann jeder sein, Edeka, Lidl, der Schmuggelkippenvietnamese. Nix is. Ich untreu. Keine Herzen halten mich bei euch, ihr könnt mir nichts schenken, was ich haben will.

"Sammeln Sie Treueherzen?"

Nein! Zur Hölle damit. Ich sammel keine Treueherzen! Mein Hirn ist schon längst totgefragt, matschig gequasselt, also sammel ich ausschließlich schlechte Laune wegen Menschen, die überflüssige Konversation an einem Ort betreiben, an dem ...

"Sammeln Sie Treueherzen?"

... Konversation prinzipiell nervt - Taxi, Kasse, Scheißhaus, Brötchentheke, quatschen, immer nur quatschen, sie quatschen mit einer Vehemenz, als hinge ihr Leben davon ab.

"Sammeln Sie Treueherzen?"

Manchmal möchte ich von allen, die mich den ganzen Tag über blöde Dinge fragen, Voodoo-Puppen basteln. Die spieße ich dann zuhause auf dicke fette Fleischgabeln, penetriere sie mit Bunsenbrenner und Kneifzange und beklebe sie am Schluss mit Panini-Sammelbildchen von der letzten WM. Und danach reibe ich mich mit Nutella ein und führe im Bastrock mit Aluminiumhut auf dem Kopf zusammen mit meinem einzigen Freund, dem von mir eigenhändig aus hochwertigem Kaisers-Hackfleisch geformten Mettigel, einen Regentanz auf, bevor die netten Jungs von der Bonhoeffer-Nervenklinik wieder mit dieser lustigen Jacke vorbeikommen.

"Sammeln Sie Treueherzen?"

Uff.

"Sammeln Sie Treueherzen?"

Seufz.

"Sammeln Sie Treueherzen?"

So weit bin ich also schon gekommen, waidwundgeschossen von der täglichen Fragerei, ob ich denn Treueherzen sammle. Sammle ich denn? Na klar, seit gerade eben, ich hab es mir anders überlegt, ihr habt gewonnen, logo, was sonst, ich klebe die ganze Klokabine meiner Gummizelle damit voll, weil ich mit dem billigen Plunder, den ich für diese blöden Treueherzen bekomme, überhaupt nichts ...

"Sammeln Sie Treueherzen?"

... anfangen kann. Mein ganzer Keller steht schon voll mit Scheißdreck, ich kann gar nicht mehr so schnell wegschmeißen wie ich kaufen muss. Kaufen Kaufen Haben Haben, ach, hört mir doch auf, geht mir doch aus der Sonne mit diesem veralteten 50er-Jahre-Rabattmief, den keiner mehr sehen will. Ehrlich, keiner, ich habe noch nie jemanden erlebt, der sich ...

"Sammeln Sie Treueherzen?"

... an der Kaisers-Kasse freut und sagt "Ja bitte, unbedingt Treueherzen, die sind so toll, ich freu mich voll", nix, niemand, nicht mal die Oma, die vor mir an der Kasse immer ihr Portemonnaie auf den Kassenscanner entleert, nicht mal die will die blöden Herzen haben, hat sich auch schon abgewöhnt, "Nein danke" zu sagen, sondern grummelt nur noch in Fraktur vor sich hin.

"Sammeln Sie Treueherzen?"

Aufhören, Kaisers, aufhören. Wenn ihr tatsächlich ein paar Patienten habt, die ernsthaft zuhause ein Rabattmarkenheft in der Küchenschublade haben, in das sie die vielen Treueherzen einkleben, bis es voll ist und sie ihr Topfset abholen können, weil sie sonst in ihrem kümmerlichen Leben kein Erfolgserlebnis haben, dann nervt doch wenigstens nicht die Mehrheit der Kunden damit, die einfach nur in Ruhe einkau ...

"Sie sind unsachlich."

Bitte was?

"Hören Sie auf. Sie sind unsachlich."

Wer sind Sie denn?

"Der Sachliche."

Ach so. Sachlich? Sie wollen es sachlich? Kann ich nicht, gehen Sie zum Bezirksamt, da gibt's aktenordnerweise Sachlichkeit, aber gut, ich versuch's mal anders:

Hallo Kinder, ich bin der Herr Stevenson und neulich hab ich mir bei Kaisers Hackfleisch für meinen Mettigel gekauft, mit dem ich immer meinen Regentanz aufführe. Der Mettigel ist nämlich mein bester Freund. Leider war die Alufolie für meinen tollen Hut alle und jetzt können die Außerirdischen meine Gedanken kontrollieren.

Aber das macht nix, kauf ich einfach neue, weil die sind da alle total nett bei Kaisers, jaja, und Nutella ist ganz viel total toll lecker. Vor allem im Gesicht. Und auf meinem Bauch. Und in meinen Ohren. Mjam mjam. Nur ich weiß gar nicht, was ich mit den vielen Treueherzen machen soll, nach denen man mich jeden Tag fragt. Ich kleb die jetzt immer hinten bei mir auf den Kofferraum von meinem Volvo, der steht hinten in meinem Kleiderschrank neben der Gulaschkanone für den ZDF-Fernsehgarten, bei dem ich demnächst meinen großen Durchbruch haben werde. Aber meine Freunde aus dem Schachclub lachen mich aus und nennen mich einen Dummian, weil die sagen, dass ich gar keinen Volvo in meinem Kleiderschrank haben kann, weil der Aufzug momentan kaputt ist und der Volvo ohne Schneeketten die Treppe nicht hochkommt. Die Arschis.

"Guten Morgen. Jochen. Ich bin ihr Pfleger. Sammeln Sie Tranquilizer?"

Gesunde Frauen von 18 bis 35


Es war wieder der Praktikant, der das Symbolbild aussuchen durfte:





Donnerstag, 21. März 2013

Lass mal Versprechen einlösen: Zuckerstück


looker sagt, ich soll da Kuchen essen gehen. Es sei der geilste New York Cheesecake der Welt. Und wenn looker sagt, dass es da gut ist, dann ist es da gut. Immer. Auf looker kann ich mich verlassen. Ich würde auch auf den Fernsehturm raufgehen und dort essen, wenn looker sagen würde, dass es da gut ist, obwohl es gar nicht gut da ist. Oder irgendein spießiges Hipstercafe in Friedrichshain mit lauter vor Macbooks sitzenden flanellbehemdeten Hornbrillenträgern besuchen, nur weil der looker sagt, dass sich der Kuchen da lohnt. looker sagt ja oft, dass was gut ist, und es stimmt ja immer auch, weil looker Ahnung hat.
looker hat eh viel Ahnung, zum Beispiel von Schnitzeln. Oder von Eis. Oder von Brauhäusern. Und ganz viel von Hotels. Und Flughäfen. Weil der looker viel unterwegs ist. New York. Barcelona. Neuseeland. Irland. Köln-Deutz. looker kennt die ganze Welt und er kennt sich aus. Vor allem mit New York Cheesecake. Deswegen hat der looker auch Recht, wenn er sagt, dass es im Zuckerstück das beste Stück New York Cheescake gibt, das er je gegessen hat. Und der looker hat bestimmt schon viele New York Cheesecake-Stücke gegessen. Bestimmt auch in New York. looker sagt aber auch noch, dass alles andere in dem Laden gut ist, der Kaffee, die kleinen perversen Törtchen und so weiter und so fort. Sagt der looker. Hat er Recht. Danke, looker, dafür hier der versprochene Post. Besser spät als nie. :)

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Zuckerstück
Schivelbeiner Straße 7
10439 Berlin


P.S.: Vielleicht kann ihm das ja jemand ausrichten, dann freut er sich. Der looker. :)

P.P.S.: Bülder


Mittwoch, 20. März 2013

Domian weint


Jürgen Domian weint auf Facebook:


Ich kann kein Mitleid haben. Wer bei Facebook veröffentlicht, dem muss klar sein, dass Facebook dort nicht nur das Hausrecht hat, sondern es auch nutzt und das nicht zu knapp. Wer da ganz vorne mitspielt und sich produziert, der muss sich eben den dort geltenden Regeln beugen und die bedeuten, dass Dinge verschwinden können. Einfach so. Klick und weg.

Auch wenn das Domian jetzt offenbar überrascht: Die Inhalte auf seinem Facebookprofil gehören ihm gar nicht, nicht mal sein Profilbild mit der abgekupferten Denkerpose, dessen Rechte er mit dem Hochladen abgetreten hat. Ihm gehört nichts. Facebook gehört alles. So ist das Spiel. Take it or leave it.

Or whine.

Natürlich löscht Facebook. Völlig intransparent. Wie es will. Absolut willkürlich. Meistens sogar automatisiert. Oft reicht eine bestimmte Menge an Petzermeldungen von denjenigen, die mit einem Inhalt nicht übereinstimmen, und der Content ist im Datenorkus. Und weg. Oh wie schade.

Kommt schon, so naiv kann doch keiner sein. Facebook ist ein Konzern und Zuckerberg eine Charaktermaske ohne Moralkompass - jeder weiß das und doch sind alle überrascht, wenn es dann plötzlich passiert und man vorgeführt wird. Wie jetzt Jürgen Domian. Posting weg. Skandal! Zensur! Bitte teilt meinen Text! Ich klage an!

Nein, ich will irgendwie kein Mitleid haben mit ihm. Sorry. Wenn Blogger abgemahnt werden und Spenden sammeln, ist das etwas völlig anderes, dann gerne, bitte sehr, hier ist mein Monatsrest vom Konto, aber ein trauriger Facebooker, der sich beschwert, dass er als die Contentlegehenne behandelt wird, die er ist? Nope. Ist mir egal. Stört mich nicht. Selbst schuld.

Und wie bigott das ist: Erst jahrelang munter und kritiklos das Spielchen mitspielen, dieses bekanntermaßen fragwürdige Medium zum eigenen Vorteil nutzen, mitnehmen was geht, eitel Klicks sammeln und dann, wenn der automatisierte Löschapparat mal bei einem selber zuschlägt, weinen und "Zensur!" brüllen. Und dazu noch mit dem Brustton der Empörung hervorheben, dass man ja immer brav war und die Richtlinien eingehalten hat bevor man zuletzt gleich wieder das Ende der Demokratie beschwört. Du meine Güte.

Warum nicht einfach den Facebook-Account löschen und einen eigenen Blog aufmachen? Klar, weil dann plötzlich nicht mehr 30.000 Follower das eigene Geblubber am laufenden Band routineliken, sondern vielleicht nur noch 30 anonyme Versprengte in der täglichen Besucherstatistik auftauchen, davon 13 Suchmaschinen- und 5 Spambots. Für ein Mediengewächs mit Reichweitenanspruch und einem offenbar nicht unerheblichen Sendungsbedürfnis wäre so ein Aufmerksamkeitsabsturz schwer zu verkraften.

Nein, das geht nicht. Dann lieber öffentlichkeitswirksam weinen, noch ein paar Likes sammeln und doch keine Konsequenzen ziehen.

Traurige Nummer. Trauriger Hype.

Der unendliche Urin


Wenn der Tiergarten die Lunge Berlins, die Humboldt-Universität das Gehirn und das Brandenburger Tor das Dekolleté dieser Stadt ist, dann ist die Oberbaumbrücke der Schließmuskel.

Hier ist die dunkle Seite der Stadt, hier zeigt sie ihr hässlichstes Gesicht. Es riecht nach Urin, durchgehend, flächendeckend, umfassend, immerzu Bahnhofsklo, ganze Gruppen von Fahrradnazis holzen die Fußgänger um, den Scherben ausweichend, die vom letzten Pub Crawl zeugen, das alte ehrwürdige Mauerwerk ist beschmiert, bekotet, bepinkelt, beklebt, ein Bärtiger liegt im Müll, das dreckbraune Hemd vollgekotzt, überhaupt der Müll, abgerissene Plakate, Kaffeebecher, Dönerfolien, Flyer, eine Unterhose, Kippen, Kippen und noch mehr Kippen. Und über allem wabert der unendliche Urin.

Jede andere Stadt würde dieses wunderschöne Bauwerk und Zeugnis längst vergessener goldener Architekturzeiten herausputzen, polieren, beleuchten, anstrahlen, vorzeigen, beschützen. Berlin ist aber auch hier ganz bei sich und überlässt diesen historischen Ort lieber sich selbst.

Touristen fotografieren hier trotzdem gerne, sie fotografieren den schlafenden Bärtigen und seine Kotze auf dem Hemd, sie fotografieren den Müll, das verlebte speckige Mauerwerk und den wunderschönen Blick auf graue Plattenbauten und die neue Hochglanzarena. Wahrscheinlich würden sie auch den ganz speziellen Duft einfangen, so sie denn könnten, und dann zuhause in Toronto, Wien oder Tokio noch mal die Büchse aufmachen und tief einatmen, diese leckere Berliner Luft Luft Luft.


Lass mal netzwerken - Ausgesuchte Links vom 20.03.13


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Dienstag, 19. März 2013

Eine Fischerhütte, die keinen Fisch kann


Die Fischerhütte am Schlachtensee macht es mir schwer. Sie ist nämlich scheiße und gut.

Lutter & Wegner als Betreiber ist eigentlich eine Bank. Es gibt auch hier den berühmten L&W-Sauerbraten, der besser nicht geht und das Schnitzel, das kaum besser geht, außer vielleicht in Wien.

Es gibt in Butter geschwenkte Ziegenkäse-Gnocci, die unverschämt gut sind und eine geräucherte Entenbrust, die so großartig ist, dass mir kein Superlativ dazu einfällt. Und es gibt immer wieder Events wie ein Weihnachtsgansessen, das mir mehr als angenehm in Erinnerung ist. Ergo: Eigentlich eine Bank, hier am Schlachtensee.

Kürzlich habe ich einen Fehler gemacht: Ich habe beschlossen, in der Fischerhütte Fisch zu essen.

Zur Vorspeise die Fischsuppe für 12,80. Wow, ambitioniert von Preis und dann doch enttäuschend banal. Ein bisschen Grünzeug, ein bisschen Gemüse und der übliche verdächtige Kabeljau nebst einem anderen Fisch, der kaum in Erscheinung trat in dieser viel zu markanten Brühe, bei der dem Koch der Sherry ausgerutscht sein muss, so stark alkoholisch kam sie daher. Schade. Für 12,80 nicht wirklich gut.

Hauptgang: Zander für irgendwas über 21 Euro, bestehend aus einem erbärmlich kleinen Stück Fisch, den man zu lange lieblos angebraten hat, nachdem er zuvor mit viel zu viel Mehl eingestäubt wurde, was eine unangenehme Panade beim Anbraten zur Folge hatte.
Dazu banalste Salzkartoffeln und langweiligen Spinat mit ein paar traurigen Nordseekrabben, die das Ruder nicht herumreißen konnten.
Nach dem Essen befand sich zum allem Überfluss noch eine unansehnliche Pfütze aus geschmacklosem Spinatwasser auf dem Teller, die man nicht haben will, wenn man diesen Preis für diese eher gewöhnliche Hauptspeise zahlt. Spinat nicht richtig abgetropft ergibt Wassersee. Weiß eigentlich jeder Koch. Geht nicht. Nicht für 21 Euro. Für etwas, was mir nicht einmal Nordsee für den halben Preis zu servieren trauen würde. Schade. Schwach. Ganz schwach.

Stelle also fest: Die Fischerhütte kann alles, nur keinen Fisch. Der geht gar nicht. Muss man wissen.

Da gibt es noch etwas, was gar nicht geht in der Fischerhütte. Es ist dieses Oktoberfest.

Dort beim Oktoberfest trifft sich Zehlendorfs verschnöselte Villenjugend, Siegelring am Finger, Budapester am Fuß, Manschettenknöpfe, eine Ansammlung dünner bleicher Schleimer, einige mit mit Krawatte, andere gegeelt, Versicherungsvertreterfressen, angehende Bankerfratzen, Junge-Union-Abziehbilder und ihre wasserstoffblondierten Schnepfen, aber auch jede Menge Pumper, solariumsgebräunt mit Luftkissenbizeps - ein unerträgliches Dauergepose im Raum, Hilfiger-Polos, Golfschuhe, Breitling-Uhr, Brilli am Ohr, falsche Titten, man zeigt was man hat, nur hat man nicht viel. Außer Geld.

Ich musste nach ganzen zwei Stunden massenhaft sich selbst entleibender Gehirnzellen, die aus meinem Ohr in mein Bier tropften, dringend weg von hier an den SLKs und Cayennes vorbei zur U-Bahn Krumme Lanke Richtung normale Menschen - Flucht vor dem Klischee einer anachronistischen Frontstadt-Schickeria, die hier am Schlachtensee sich selbst und ihre unendliche Blasiertheit feiert.

Wie ich da reingeraten bin weiß ich auch nicht mehr, aber das ist auch egal. Erfahrung gemacht. Hab ich das auch mal gesehen. Nur bitte nicht noch einmal. Sonst färbt das noch ab.

Fischerhütte. Selten tat ich mich so schwer wie hier. Ein guter Ort zum Essen, wenn man keinen Fisch mag, und ein fürchterlicher Versammlungsort fürchterlicher Menschen, die fürchterliche Feste feiern.

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Fischerhütte am Schlachtensee
Fischerhüttenstraße 136
14163 Berlin

Montag, 18. März 2013

Samstagshoppen-Nachtrag: Der Tranquilizer-Milchshake


Bratwurst. Leggins. Böhse Onkelz. RTL 2. Stern-Center. Samstags. Ein Ort, um Menschen hassen zu lernen. Leiber. Hackentreter. Seitenrempler. Längs, schräg, schiebend, rempelnd, raumfüllend füllig, schwitzend, schnaufend. Druck. Hochdruck. Bluthochdruck. Freizeitstress.

Hinter mir hat ein prekärer Papa ein Schiebeauto von Spielemax erobert und schiebt mir seinen kreissägenkreischenden ADHS-Zwerg in die Fersen, Oma und Opa Kowalke stehen gedankenversunken in einem engen Durchgang zwischen den viel zu lauten und viel zu raumgreifenden Aktionsbuden herum als wären sie gerade im Stehen gestorben, Autisten grätschen von der Seite, andere Autisten bleiben in ganzen Blockadereihen im Gang stehen, gerne mit Einkaufstütenpuffern an der Seite, dass auch ja niemand mehr durchkommt, irgendwas plärrt aus einem Lautsprecher, die Sirene eines Kinderkarussells heult, ein anderer Lautsprecher spielt Fahrstuhlmusik, aus dem nächsten flöten Panflötenindianer, irgendwo schnarrt das Mikrofon eines Entertainers, der die stoische Meute entertaint, Handyklingeln, Babys schreien, Frauen zetern, Männer brüllen und ich weiß immer noch nicht, was ich hier eigentlich tue in diesem Höllenkonglomerat an menschlichen Leibern, die rempeln und drängen und schieben und vor allem schimpfen.

Da hilft nur ein Sedativum. Oder ein Milchshake.

Auszeit.

Fantasia del Gelato. Die Eiskette gibt es wohl überall und auch hier. Mit Eis, das so verdammt verboten gut aussieht, dekoriert mit Sperenzchen, Raspeln, schlangenartigen Gemälden, Rosetten, ein Augenfick von Eis, das aber leider nicht so ganz gut schmeckt, immer viel zu süß, viel zu klebrig, dabei bei Weitem zu wenig raffiniert, immer mehr Blendwert auf Optik denn auf Geschmack gelegt. Blend. Werk. Was soll es denn ... Schokomilchshake. Vanillemilchshake. Pralinenbrowniemilchshake. Auch egal jetzt.

Es passiert, was passieren muss: Zwei Kugeln Eis. Etwas H-Milch. Ein Mixer. 2,40. Und Enttäuschung. Man wird ja anspruchsvoll mit den Jahren. Ich hatte schon Milchshakes, denen man ein wenig frisch geriebene Vanilleschote zutat oder ein paar fein geriebene schweizer Schokoladeraspel, das war dann nicht nur gut, das war dann großartig. Aber nein, nicht doch hier im Stern-Center. Hier ist H-Milch. Bockwurst. Im Heizspiralendunst. Ditsch-Käse. Nordsee-Sushi. Frei.Wild-T-Shirt. Mettigel. Molle. Mein RTL.

Lass mal netzwerken - Ausgesuchte Links vom 18.03.13


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Sonntag, 17. März 2013

Mal bescheuert sein: Samstagshoppen


Stern-Center Potsdam am Samstag. Auftritt der Autisten. Sie sind überall. Stehend. Schlurfend. Wippend. Mitten im Gang, gerne zu zweit, dritt, viert, der ganze prekäre Familienverbund auf Ausgang gammelt herum und staunt, im Pulk, glotzt, steht im Weg, will man vorankommen, muss man Slalom laufen und stößt dann doch wieder mitten im Weg auf eine hoffnungslos vernachlässigte speckige Rotgesichtige mit fettigen Haaren und Jogginghose, die nächste Woche wieder ihren bildungsferne Persönlichkeit bei "Mitten im Leben" prostituieren wird, während man rechts und links immer wieder unzähligen pummeligen Böhse-Onkelz-Gesichtern ohne Haare und ihren immergleichen "Ich imitier' mal den Türsteher vom tschetschenischen Hausfrauenpuff"-Blicken begegnet.

Autisten auch bei Real, Einkäufer mit Wagen verkeilen diesen quer in den Gängen, die Angestellten kopieren den Irrsinn und machen gleiches mit den Hubwagen voller Paletten - quer zum Gang, so dass immer nur ein Wagen durchkommt, manchmal auch gar keiner, weil doch zu eng.
Und dann bilden sich Schlangen wie bei der verdammten Post, doch es müssen unbedingt noch Minuten über Minuten Informationen über die bei Bild, Explosiv oder Taff konsumierten Nichtigkeiten ausgetauscht werden, bevor der Hubwagen einige Zentimeter bewegt werden kann. Autisten. Überall. Mit oder ohne Real-Weißkittel.

Was für ein Riesenteil, dieses Monstercenter, dachte ich schon, als ich das völlig überdimensionierte Endzeitfilm-Parkdeck befuhr, auf dem es doch wieder kaum freie Parkplätze gibt, so dass einige arme Irre in Feuerwehrausfahrten, Ladezonen oder mitten in den Durchfahrten parken.

Drinnen ist noch mehr los, klar, es im Samstag und Anfang des Monats, die Kohle muss raus, die Lohntüte, die Stütze, das Taschengeld, alles muss raus heute, bis 21 Uhr, so lange herrscht Ausnahmezustand, so lange latschen sie von der Seite in den Weg, grätschen von schräg vorne vorbei, rempeln hier, schubsen dort, Einkaufshölle, Shoppingwahn, ich auf Killing Spree, weiche irgendwann nicht mehr aus, da wird man ja wahnsinnig, Brust raus, Schultern breit, ich bin heute Bogdan der Türsteher aus Wedding, Alter, und keiner zwingt mich mehr zum Slalom, nach ein paar Remplern das unvermeidliche Geschimpfe, ein Jogginghosenmann mit Deichmannturnschuhen will Dresche verteilen, seine unfassbar hässlich geschminkte Begleiteule mit roter Strähne im blauschwarzen Haar und Plastikschaufeln an den Fingernägeln keift wie bei RTL 2 zur Prime Time, aber ich bin schon weg, untergetaucht im Gewusel, Gewimsel, Gedränge, Geknülle, Geficke, es ist furchtbar, warum bin ich heute hier, was soll das alles, haben die kein Zuhause, habe ich keines? Bin ich bescheuert? Ja!

Post. Warteschlange. Worte, die sich bedingen. Worte, die zusammen gehören. Symbiose. Hier verknotet sich die Schlange im Slalom durch die mit überteuerten Post-Kack-Schreibwaren zugestellten Gänge, mäandert nach draußen in den Hauptgang und kopuliert mit der Schlange vom Geldautomaten. Post. Es ist Post wie Post heute nun mal ist. Ein durchgeknallter Monopolist auf Amok und Krawall, dem inzwischen alles egal ist.

Gegenüber hat sich der Starbucks wie eine fette Spinne mit seinem irrwitzig teuren zugesirupten Kinderkaffee mitten in die beste Laufkundschaftsecke gepflanzt, rappelvoll bis auf den letzten Platz.
So lange Starbucks noch voll ist, geht es diesem Land noch gut. Zu gut. Eindeutig. Da ist noch viel Luft nach unten.

Einer kommt mir entgegen und trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift

Blackwater 
USA 

Ich war mir nie so sicher wie jetzt, dass er nicht weiß, was er da trägt. Und wenn er es weiß, dann ist es noch schlimmer, weil er sieht gar nicht aus wie ein Söldner/Killer, sondern wie ein zu kurz geratener bleicher Alkoholiker mit kreisrundem Haarausfall, der in Potsdam-Drewitz wohnt und sich zu wenig wäscht. Wahrscheinlich gab es das Shirt bei McGeiz zum Topfschwamm-Set dazu, zusammen mit der "I am sexy and I know it"-Unterhose.

So. Scheiß gekauft. Konsumpflicht erfüllt. Reicht. Fertig. Raus. Ich atme stinkende Abgase auf dem Parkdeck. Besser als der Mundgulli des Opas vorher vor mir auf dem endlos langen Rollband nach oben, der stinkt als wär er schon seit Monaten tot und der wie so viele hier nicht weiß, dass man in zivilisierteren Ländern als Berlin und Brandenburg auf der linken Seite von Rollbändern und -treppen die Leute durchlässt, die gehen und nicht stehen wollen. 
Deprimierender ist da nur noch die Achselnässe der prekären Jogginghosenträgerin hinter mir, diese optische Mandy/Kathleen/Eileen mit ihrem Macker, dem optischen Rokko/Enrico/Ronny mit verwaschenem rosa "Hilfiger"-Shirt mit schiefer Naht und peinlichem D&G-Gürtel vom Polenmarkt in Frankfurt/Oder. 

Und die Jeans immer zu kurz. 

Immer.

Ich muss hier weg aus diesem Monstervieh von Center mit dem üblichen Scheißdreck von H&M über New Yorker bis Pimkie. Ja, wie unglaublich originell, endlich mal ein H&M, endlich mal Pimkie, und endlich mal New Yorker, gibt es ja sonst nirgendwo. Raus hier, weg aus dieser Shoppinghölle für entflohene Irre, die Samstags eine in Beton gegossene drakonische Strafe ist.

Nur raus hier. 

Raus.

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Stern Center
Nuthestraße 2
14480 Potsdam

Samstag, 16. März 2013

Der Mottenpostverticker gibt nicht auf



Jeden Tag, wenn ich von Arbeit komme, steht er da: Der Morgenpost-Verticker und will ein Abo loswerden.

Er hat alle Kriegslisten schon durch:

Frontalangriff: "Hey du! Morgenpost gefällig? Hier, hey, bleib doch mal stehen. Nimm doch die Morgenpost, nimm! Hey, warte doch mal!" "Nein, argh, geh mir aus dem Weg, nur über meine Leiche. Geh weg."

Schmeichelei: "Hey, du siehst so intelligent aus, du musst doch Zeitung lesen." "Nein, Zeitung ist out und die Springer-Presse erst recht. Geh weg."

Drohung: "Die Qualitätsmedien werden zugrunde gehen, wenn du kein Abo kaufst, dann gibt es irgendwann nur noch Twitter." "Gut so, die Holzmedien treten ab und ich finde das prima. Die wirklich wichtigen Meinungen und Hintergründe stehen sowieso in Blogs. Also geh weg."

Bestechung: "Hallo, hey, du, zum Abo kriegst du diese tolle braune Aktentasche dazu." "Alter, schau mich an: Lederjacke, Chucks, was soll ich mit einer braunen Aktentasche? Geh weg." "Vielleicht einen Latte-Macchiato-Milchaufschäumer?" "Alter, wir sind hier in Prenzlauer Berg, wir kriegen den Latte intravenös. Geh einfach weg."

Zuletzt die mieseste aller Waffen, schlechtes Gewissen: "Ich brauch die Provision, Mann, wenn ich kein Abo verkaufe, müssen meine fünf Kinder, meine Oma und mein Hund zuhause hungern und die Tapetenreste von der Wand pulen."
Jetzt hat er mich, mein wunder Punkt. Ich stehe betröppelt da und mir fällt keine respektlose Antwort ein, mit der ich ihn heute verscheuchen kann. Ich stelle ihn mir als Ein-Euro-Jobbersklaven vor, der von der Arbeitsagentur gezwungen wird, Abos eines Mediums zu verkaufen, das seit Jahren langsam abstirbt und sich mit Unmut, Verzweiflung und nutzlosen Gesetzen gegen den unvermeidlichen Untergang stemmt.

Ich unterschreibe trotzdem kein Abo, denn:

Zeitung, das ist dieses furchtbar unhandliche Produkt im Großformat auf Papier (!), das seine großen Zeiten seit mindestens einer Dekade hinter sich hat. Doch anstatt den Wandel zu begleiten und kreativ neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Einflussnahme nebst Verdienstmöglichkeiten zu finden, bleibt man stehen, beharrt man, steckt den Kopf in den Sand, lobbyiert sich ein sinnloses Gesetz zusammen und hetzt lieber jeden Tag viele prekär Beschäftigte vor die Einkaufscenter, die mit einer vorher nur von Staubsaugervertretern und Versicherungsfritzen gekannten Aggressivität dieses mit immer mehr Nichtigkeiten aus dem dpa-Ticker bedruckte Papier verkaufen müssen.

Und weil sich das so schlecht verkauft, muss man in der Panik immer noch aggressiver werden oder noch mehr Geschenke anbieten oder besser beides. Vielleicht noch eine ADAC-Gratismitgliedschaft für ein Jahr? Topfset? Nähgarn? Schnitzelklopfer? Nein? Menno. Die müssen unser sauer Bier doch endlich mal kaufen, diese verdammten Konsumknechte! Das gibt's doch nicht! Das gab's doch noch nie! Wo gibt's denn so was? Das hamwa immer ... da könnt ja jeder ...

So, komm, gib mal her, was haben wir denn heute in der Morgenpost? Ah, das Altbekannte aus der Gruft: Hofberichterstattung, Speichelleckerei, Nichtigkeiten aus dem dpa-Ticker, aus dem Internet kopierter Promi-Klatsch von gestern und Pressemitteilungen der Polizei, der BVG und des FDP-Ortsverbands Dahlem, sinnloses Geschwafel irgendwelcher CDU-Hinterbänkler aus dem Protokoll des Abgeordnetenhauses und zuletzt schon wieder der unvermeidliche kalte Krieger Georg Gafron und die anderen Springer-Meinungsmumien, diese ganzen humorlosen Frontkämpfer der Mauerstadt, die mit Geifer und angetrocknetem Schaum in den Mundwinkeln ihre persönliche Vendetta gegen Wowereit und andere Linksradikale fahren und dann doch jedes mal aufs Neue zusehen müssen, wie wieder kein Hardliner sondern schon wieder nur der Partyschmock auf Berlins Bürgermeistersessel Platz nimmt.

Erfährt man bei der Morgenpost, wie die Banken es schaffen, ihre abartigen Zinsgewinne mittlerweile direkt zu Lasten der Steuerzahler einzufahren und die gleichen Steuerzahler zur gleichen Zeit für ihre Spekulationsverluste haftbar zu machen? Nein, erfährt man nicht, dafür erfährt man, wie faul der Grieche im Allgemeinen so ist.

Und überhaupt: Zu viele Kinder bekommen keinen Kitaplatz, die verkrüppelte S-Bahn besteht an allen Ecken und Enden aus Schienenersatzverkehr mit Bussen, die Schulen verrotten und Stunden fallen reihenweise aus, Gehwege und Straßen sind vor lauter Schlaglöchern unbenutzbar, das Ordnungsamt konzentriert sich maximal noch auf die Falschparker, weil das unkompliziert viel Geld einbringt, seit über zehn Jahren frisst die Inflation die Reallöhne auf, die Gebühren auf den Ämtern für jeden kleinen Handgriff sind auf dem Niveau von Luxusgütern und im Winter werden die Bürgersteige vor den heruntergekommenen Schulen nicht mal mehr versuchsweise geräumt während die Banker quer durch Europa die Staatshaushalte kahlfressen und totspekulieren. Wer erklärt mir die Zusammenhänge von alldem? Die Morgenpost?

Warum soll ich für so etwas Geld ausgeben? Die wichtigeren Informationen und die besseren Analysen, gesellschaftlich wie politisch, stehen heute woanders im Netz, beim Spiegelfechter zum Beispiel. Für den höhnischen Blick hinter die Kulissen gibt es den guten alten fefe und seinen goldwerten Podcast oder, wenn es etwas konservativer, aber nicht weniger kritisch sein darf, Michael Spreng mit seinem Sprengsatz, neben vielen anderen in meinem Feedreader.

Das sind alles Blogs, die sich mittlerweile zu wichtigen Informationsquellen entwickelt und von denen die meisten inzwischen ein recht großes Publikum haben.
Es sind Blogs, für die der Leser oft sogar freiwillig spendet, weil die Texte so gut sind, die Analysen so brillant und der Mehrwert endlich mal wieder vorhanden ist.
Es sind Blogs, die sich trauen, Unbequemes niederzuschreiben, mal gegen den Strich zu bürsten und die sich nicht damit begnügen, Praktikanten Agenturmeldungen und Pressemitteilungen irgendwelcher Autohersteller abtippen zu lassen. Hier liest man das, was nur noch selten seinen Weg in die Mainstreampresse findet.

Schade genug, dass es den guten alten kritischen Journalismus kaum noch gibt in den großen Verlagshäusern - aber irgendwie auch nicht schlimm, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Aber auch bei der Lokalberichterstattung, dem ureigensten Terrain, wird die Holzpresse vom Internet abgehängt. Alleine für Prenzlauer Berg gibt es zwei kleine Netzzeitungen, die Prenzlauer Berg Nachrichten und die Prenzlberger Stimme, die nah am Kiez und nah an dem sind, was die Bürger interessiert, mit Informationen, die sonst niemand mehr bringt, weil der Prenzlauer Berg-Lokalkäse im dpa-Ticker nicht stattfindet.

Bei der Morgenpost im Netz kommt inzwischen nur noch eine Bezahlschranke, wenn mich tatsächlich mal ein Artikel interessiert, den ich über Google News gefunden habe - eine echte anachronistische Bezahlschranke mit Anmeldung, Kontonummer eingeben, Datenstriptease machen und so weiter. 5,95 € wollen die für einen Artikel haben und mir gleichzeitig ein Monatsabo an die Hacken tackern. Geht's noch?

Ach, Mottenpost, schlaf mal schön weiter deinen Schlaf der Ahnungslosen, tippe weiter den dpa-Ticker ab und schicke weiter deine Drücker vor die Einkaufscenter, die mit einer Verzweiflung ihre Ladenhüter in die Passantenmeute penetrieren, die abseits von Callcentern, Handyvertretern und Versicherungsfritzen ihresgleichen sucht.

Und dann stirb bitte irgendwann ganz leise.

Für alle anderen gilt: Lest mehr Blogs. Vernetzt euch. Schaut über den Tellerrand. Es lohnt sich.

Springpfuhl


Springpfuhl im Eiswind ...


... und weit und breit keine Knarre zum Erschießen.

Freitag, 15. März 2013

Treptower Park


Winter. Geh endlich weg. Deine Zeit ist um. Du nervst nur noch.

Bis er endlich geht, der Schmock, bleiben nur schlechte Handybilder vom letzten Jahr aus dem schönsten Park der Stadt:














Donnerstag, 14. März 2013

Brunnen des Grauens


Wozu Menschen fähig sein können, wenn man sie lässt, sieht man hier: Mitten auf dem Alexanderplatz ragt der Brunnen des Grauens wie ein rostiges Geschwür aus den Eingeweiden dieses geschundenen Ortes. Er ist in seiner himmelschreienden Widerwärtigkeit so hässlich, dass man Eintritt dafür verlangen könnte, würde er in einem Monstrositätenkabinett auftreten.

Dieses rostige Ding, diese groteske Karikatur eines Bauwerks, ist die eitrige Krone auf dem Furunkel, das sich Alexanderplatz nennt und der nur noch dem Namen nach etwas mit dem Platz gemein hat, der einst mit dem ebenso misshandelten Potsdamer Platz einer der schöneren der Hauptstadt war und vor dem man heute nur noch weglaufen möchte, wenn man nicht gerade zufällig zu Saturn muss.

Tagsüber sitzen dort jene, die sich kurz setzen wollen und auf dem ganzen freien Gelände keine Alternativen hierfür finden, weil es hier keine Sitzgelegenheiten gibt, auf denen man nicht zwangsweise irgendetwas konsumieren muss. Es ist Deutschland hier. Draußen nur Kännchen.

Nachts gehört der Ort den Trinkern, jenen der aggressiven Sorte, alle Arschgeigen dieser Stadt treffen sich hier zum Arschlochsein mit jenen, die man vom U-Bahnhof vertrieben hat (aus Gründen) und die nun oberirdisch ihr Elend in die Welt brüllen und mit leeren Flaschen und Unrat um sich schmeißend eine ideale menschliche Begleitung zum architektonischen Elend abgeben.

Letztes Jahr hat man hier einen totgetreten. Niemand kann überrascht gewesen sein.

Und der Brunnen, dieser Quasimodo aller scheußlichen Bauwerke, dient denen, die da nachts vegetieren, als überdimensionale Mülltonne, es schwimmen Flaschen, Taschentücher, Büchsen, Damenbinden, Essensreste, Kotstückchen im uringelben Wasser und manchmal kotzt einer der Trinker ein surreales Brockenmuster auf den ganzen Jammer.

Manchmal, wenn der Stadt mal wieder das Geld fehlt, hat er nicht einmal mehr Wasser, dieser Brunnen genannte Blechhaufen. Dann steht er überflüssig herum wie ein Eunuch im Puff und der ganze Unrat hat nicht einmal etwas, auf dem er schwimmen kann.

Ab und zu mal fasst sich mal einer ein Herz und schüttet Waschpulver in den Brunnen. Dann wird der Schandfleck zu meiner großen Freude gnädig eingeschäumt und man sieht nur noch seine widerwärtigen rostigen Klauen arthritisartig oben aus dem Schaum senkrecht dem Himmel drohend emporragen wie eine rostgewordene Blasphemie.

Dann sprechen die Zeitungen von Vandalismus, anstatt den tieferen Sinn - die reinigende Intention der Aktionskunst - zu honorieren, diese wunderbare Ästhetik, den Ghul einfach im Schaum verschwinden zu lassen. Man tut fast so, als ob man an diesem steingewordenen Vandalismus überhaupt noch Vandalismus betreiben könnte - als sei der Schrotthaufen nicht schon durch seine reine Existenz Vandalismus pur.
Kann man nicht. Vandalismus betreiben. Kann man nicht. Man kann Menschen ja auch nicht zweimal umbringen. Tot ist tot. Und hässlich ist hässlich.

Ich plädiere für Sprengen. Rückstandslos. Nachhaltig. Dynamit drunter und weg. Kaboom! Selbst für die Altmetallsammlung ist dieses optische Inferno, diese Ausgeburt an abstoßender Unansehnlichkeit, völlig unbrauchbar, weil niemand, der seine fünf Sinne noch beisammen hat, diese Missgestalt an sich nehmen würde. Könnte ja ansteckend sein.

Bitte, meinetwegen im Interesse der Kinder, deren Seelen beim Anblick des Ghuls Schaden nehmen können: Sprengen und die Reste meinetwegen danach in den Weltraum schießen, um potenzielle Aliens prophylaktisch in die Flucht zu schlagen. Niemand wird einen Planeten erobern wollen, der solch komprimierten Horror zu erschaffen in der Lage ist.

Ja. Sprengen. In die Luft jagen. Wegballern. Kawumm. Als Mahnung. Als Beitrag zur öffentlichen Hygiene. Auf dass sich irgendwann auch mal was zum Besseren wende auf diesem armen alten missbrauchten und dann mal wieder sich selber überlassenen Platz.

Lass mal netzwerken - Ausgesuchte Links von 14.03.13


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Mittwoch, 13. März 2013

Hornhaut, Mettigel, Brandenburg



"Hmmmmh ... du - hu ... Scha - hatz?"

"Ja?"

"Hast du Lust auf Schokolade?"

"Jetzt? Um die Zeit? Kurz vorm Schlafen?"

"Ja, hast du Lust? Du willst doch jetzt bestimmt Schokolade, es gibt da nämlich welche im Schrank."

"Lass mich raten: Du bist es, die gerade richtig derbe Lust darauf hat, kurz vor dem Schlafengehen Schokolade zu essen und schiebst mich vor, damit es so aussieht, als käme die Idee von mir und ich würde dich mit Waffengewalt dazu zwingen, um diese unheilige Zeit Schokolade zu essen, die ohne Umwege direkt auf deine Hüfte wandert, aber du beugst dich heroisch von Pfeilen durchbohrt und von Kugeln durchsiebt der rohen männlichen Gewalt und isst mit mir unter schärfstem Protest und mit vorwurfsvollem Blick die Schokolade, weil ich, der unmöglichste aller Männer, die um diese unmögliche Zeit so unbedingt will."

"Du bist doof. Ich habe Schokolade bestellt von Felicitas."

"Felicitas? Was ist das? Stellt der Puff in der Langhansstraße jetzt Schokolade her?"

"Nein, die kommt aus Brandenburg."

"Schokolade aus Brandenburg. Is klar. Ausgerechnet. Schokolade aus dem Heimatland der Mettigel. Grundgütiger. Wo kommt das Zeug denn genau her? Wenigstens aus Potsdam?"

"Aus Hornow-Wadelsdorf."

"Hornhaut-was? Das klingt ja wie eine ansteckende Krankheit. Creutzfeld-Wadelsdorf, Hornow-Sklerose ... au mann...."

"Depp. Ich geh sie holen."

"Ja, mach mal. Ich kann mir immer noch ein Mettbrötchen schmieren. Aus Brandenburg. Von glücklichen Säuen direkt aus dem glücklichen Fleischwolf gedreht."

(...)

"Is ja witzig, ein Chicoree aus Nougat. Und was ist das? Ein Dildo?"

"Ein Spargel!"

"Und das hier? Ein Fußball? Hat der wenigstens Mettfüllung?"

"Halt die Klappe und iss."

(...)

"Lecker. Scheiße, richtig gut sogar, wenn auch aus Brandenburg."

"Wie wär's wenn du endlich mal deine Vorurteile gegenüber Brandenburg überdenkst?"

"Niemals. Der Brandenburger ist der einzige neben dem Sachsen und dem Schwaben, auf dem man noch ungestraft rumhacken kann, bei letzteren beiden eigentlich nur, weil die kein Deutsch können und auf den Brandenburgern, weil die überhaupt nix können. Abgesehen von Mettigeln vielleicht."

"Und Schokolade, nicht?"

"Stimmt, Schokolade können sie offenbar auch. Warum auch immer. Aber wahrscheinlich gehört die Fabrik eingewanderten Polen oder Belgiern - gepampert mit Zonenrandsubventionen der EU, weil da sonst keiner hin will."

"Blödmann."

"Danke, gerne, ich dich auch, und jetzt gute Nacht."

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Confiserie Felicitas
Dorfstr. 15
03130 Hornow-Wadelsdorf

Dienstag, 12. März 2013

Nachwendegeräteschuppen



Star Burger an der Ostseestraße Ecke Prenzlauer Allee. Dass dieser Schuppen noch steht, überrascht mich jedes mal, wenn ich daran vorbeilaufe. Meistens trinken die Trinker dort ihre Morgen-, später dann ihre Mittags- und Abendmolle und manchmal isst sogar einer mal was hier.

Ich.

Ende des Monats und so.

Wenn mir der ewige Fleischrestedöner zu den Ohren rauskommt.

Dieses Ding sieht aus, als hätte man es 1990, als die Marktwirtschaft hier einzog, in der Eile errichtet und seitdem sich selber überlassen. Eine ständige Fotoausstellung im Innenbereich dokumentiert die Aufbauarbeiten und die "Entwicklung" im Laufe der Jahre. Es beginnt tatsächlich kurz nach der Wende mit ein paar Brettern und endet mit der Westwand, die man kürzlich gestrichen hat. Gelb.

Für die Front hat es seither nicht gereicht.

Und so hilft es nix, die alte verwitterte Baracke mit ihrem ganz eigenen erbärmlich selbstgezimmerten Charme strahlt eine Verzweiflung aus, die man sonst nur in der Storkower Straße auf einer Linie nordwestlich des S-Bahnhofs Landsberger Allee auf Höhe des Jobcenters in den windigen Schluchten der deprimierenden Plattenbauten vorfindet. Gentrifizierung? Hier nicht. No way. Saufbruder Kalles Geräteschuppen am nördlichen Ende des Kleingartenvereins Möllersfelde in Französisch-Buchholz strahlt mehr Optimismus aus. Und seine Sickergrube auch.

Ja, irgendwas lief hier schief seit der Wende, alle Moden und Gezeiten gingen vorbei ohne positiv zu wirken. Selbst die neue hippe Burgereuphorie - jeder abgebrochene Student finanziert sich einen Edelstahlgrill, ein paar Barhocker und macht ne schicke Burgerbutze mit Neuland-Fleisch auf - kam hier nie so richtig an. Es ist immer eine Trinkhalle ohne Stil geblieben. Eine Bretterdatsche mit Bierausschank. Mit dem verwegenen Häufchen Wendeverlierer, die hier immer noch ausharren, wenn der Penny Markt schon zu hat, und die ihre Nationalhymne rülpsen, wenn Deutschland in der WM-Qualifikation gegen die Färöer-Inseln gewinnt.

Was man hier so essen kann, ist uninspiriert gewöhnlich, die Burger sind sogar größtenteils ziemlich schlecht. Auch der angebotene "Big Boss", diese rohrkrepierende Kampfansage an den "Big King" und den "Big Mäc", startet als Tiger und endet als trauriges Stück Fleischklops mit einem durchgeweichten Häppchen Salat und einem Spontandepressionen verursachenden Zwiebelhalbmond mit Restschale in viel zu viel gelber Lidl-Burgersoße.

Der Gipfel der Obszönität ist jedoch der "Monster Burger XXL", der aus drei überdimensionalen Bratlingen besteht, um die aus Alibigründen ein wenig matschiges Brötchen gewickelt und in die ein welkes Salatblättchen eingefaßt ist. Gefühlte drei Kilo pures Fleisch à 8,40 € für echte Kerle. Okay, zugegeben, so ein Vieh sucht man bei McDonalds und Burger King (doch doch - das Ding ist noch krasser als ein Triple Whopper) vergebens, doch das hat seinen Grund. Das isst kaum einer, der bei Verstand ist. Selbst die Mettigelgesichter im Nationaltrikot nicht, die sich hier tagtäglich an ihrem Pils festhalten, um nicht vom Stuhl zu fallen.

Die Fritten zum Burger sind natürlich indiskutabel und knüllen sich auf der Stelle zu einem festen Klumpen in Magen und Darm zusammen, den man nur mit Rhizinosöl, Fleckentferner oder einer Klempnerspirale aufgelöst bekommt. "Chef, ich hab Magen-Darm, muss mich leider krank melden heute. Jaja, geht rum momentan. Tut mir ja so leid, dass das spannende Meeting heute ohne mich stattfinden muss. Ich bin untröstlich."

Ich habe aber die böse Ahnung, dass diese verdammte Bretterbude mich überleben wird, mir irgendwann bei meiner Beerdigung einen zerknautschten "Big Boss" als letzten Gruß ins Grab hinterherwerfen und sich dabei klammheimlich darüber amüsieren wird, dass es sie auch in weiteren hundert Jahren geben wird und mich nicht.

Trinkhalle. Datschenkolonie. Endstation. Ich seh da nur selten jemanden essen. Außer mir. Ende des Monats und so weiter.