Sonntag, 30. Juni 2013

Transit: Scheiß Name - Gutes Essen


Eine gute Idee. Ein gutes Konzept. Ein gutes Lokal. Nur ein scheiß Name. Transit. Klingt wie Autobahntankstelle. Zoll. LKW-Schlangen. Visumpflicht. Machense mal'n Kofferraum auf.

Es gibt dort irgendwas um die 25 asiatisch ausgerichtete Tapas für 3 Euro das Stück, fast alle, die ich bisher probieren konnte, für sich gesehen mal ein Gedicht, mal raffiniert, mal außergewöhnlich, manchmal scharf und selten fad. Das ist toll, das macht Laune, das finde ich gut.

Ja, es ist nicht wirklich authentisch, sondern in etwa so, wie sich ein Mitteleuropäer asiatische Tapas vorstellt, doch geschenkt, denn es ist gut, wirklich gut, manchmal ganz herausragend und bisher nur einmal wirklich schlecht: Das Schlechte sind die Schweinerippchen nahezu ohne Fleisch dafür mit zu viel Knorpel, so dass man im Endeffekt nur die Soße vom harten Stück runterlutschen kann. Nein, die sollte man lassen, die bringen niemanden weiter. Rausgeschmissenes Geld.

Doch auch die großen Portionen für 7 Euro das Stück lohnen sich, selbst das eher banale Nasi Goreng, das mit Beigaben in Form einer dezent scharfen Soße und einer frischen Limette verfeinert werden kann, was passt und dem U-Bahn-Chinabuden-Knaller eine neue, sehr frische Note gibt. Ein Highlight sind die selbstgemachten Reisbandbudeln, ausladend in der Breite und schlicht sensationell gut.

Das außergewöhnlich gelungene Pana Cotta, warmer Schokoladenkuchen oder was es sonst noch Nachtischartiges gibt, setzen einen gekonnten Schlusspunkt. Selten so gut bekommen. Und ich bin eigentlich keiner großer Freund von Desserts. Hut ab.

Das Ambiente ist stylish, gnädig düster gehalten und optisch ansprechend, schick könnte man sagen. Über den Tischen hängen über die volle Länge dieses eher schlauchartigen Raumes Unmengen an … was zum Henker sind das? Vogelkäfige? Warum ist das so? Und wo sind die Vögel dazu? Eigenwillig skurril, das Ganze, der Sinn erschließt sich mir wie so oft nicht so ganz. Wahrscheinlich Kunst.

Der Service hat in der weiblichen Ausprägung eine latent lakonische Ader und singt während der Getränkezubereitung gerne mal ein leises Duett mit der Köchin aus dem Off, während der männliche Part irritierend wortkarg, aber trotzdem fast sympathisch daherkommt. Alles irgendwie skurril, aber witzig und nie unfreundlich.

Kann man das öfter machen? Unbedingt.

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Transit 
Sonntagstraße 29
Friedrichshain

Ich weine


Fuck you, Schweini. Ich weine, wann ich will. Ich weine

  • am Schluss von Dead Poets Society
  • gemeinsam mit den Hobbits, wenn der Balrog Gandalf in den Abgrund reißt
  • mit Gänsehaut bis zum Arsch, wenn Aragorn, der König, verkündet: "Ihr, meine Freunde, verneigt euch vor niemandem!"
  • wenn ich Schimanski alt werden sehe und mich das mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert
  • wenn ich im Tatort mit einem leukämiekranken Kind konfrontiert werde und mir bewusst wird, wie oft es das in diesem Land gibt und wie schlimm das für die Betroffenen sein muss
  • wenn mein gesundes Kind mich drückt und die magischen Worte spricht: "Papa lieb"
  • ...
  • ...

Und wenn ich Bock drauf habe, weine ich vielleicht auch nur, wenn mir ein Fingernagel einreißt. Das geht dich einen Scheiß an. Verschwinde doch nach Riad mit diesem ganzen antiquierten Männerbild, das keiner mehr braucht und niemand von Verstand mehr will.

Stärke und Empathie sind ein gutes Duo. Unschlagbar. Geht aber nur mit Selbstvertrauen. Wer die Kombination nicht bringt, sitzt mit Pilsette vor dem S-Bahnhof herum, pöbelt Passanten an und rülpst sein Unglück in die Welt, nachdem die geprügelte Alte zusammen mit den verzogenen Blagen endlich die Koffer gepackt hat. Oder wird Banker und reißt ganze Gesellschaften in den Abgrund, wenn er nicht Ball spielt und gegen Geld blöde Sprüche von Plakatwänden klopft.

Und bitte, Champion? Memento mori, Schweini. In 50 Jahren kräht kein Kickermagazin mehr nach dem Champion von heute. Wenn es gut läuft, nagen die Würmer da gerade die letzten verfaulten Fleischreste von deinen Knochen während das, was von dir übrig ist, langsam zu Humus wird.

Demnächst gibt es übrigens ein neues Duschgel für Frauen und das wird beworben mit:

Echte Frauen stehen am Herd. Es sei denn, sie stehen in der Dusche.

Hahaha. Ich leg' mir ein Ei, so komisch ist das.

Oh captain my captain ... Thank you, boys. Thank you.

*schnüff

Samstag, 29. Juni 2013

Vietbowl


Fein, leicht, wohlriechend, wohlschmeckend, wohlverdaulich, einfallsreich, oft exotisch, überbracht von einer Sympathischen, der man gerne noch einen Euro mehr auf die Rechnung gibt, angenehm, Räucherstäbchen vor einem dicken Buddha, ein Baby schreit, die Sympathische lächelt das Baby an, es schreit nicht mehr, studentisches Publikum, viel davon, aber auch übellaunige Birkenstockträger, die zum Lachen wahrscheinlich ins Biosphärenreservat gehen oder dorthin wo die Kresse wächst, Service spricht meine Sprache (!), perfekt, akzentfrei und bringt deshalb auch immer das Richtige, nur kühl ist es etwas hier drin, vor allem im Herbst und im Winter, irgendwie zieht es immer, bibbernd essen ist auch irgendwie mau, so mau wie der Umfang der Portionen, die wohl für vietnamesische Mägen optimiert sind und meinen nie so ganz satt bekommen. Schade. Es braucht dann eben mehr von den teuren, aber guten Vorspeisen, die sich auch lohnen. Wie alles hier. Man kann nichts falsch machen.

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Vietbowl
Lenbachstraße 7
Friedrichshain


Lass mal netzwerken - Links vom 29.06.13


Herzdamengeschichten: Modemekka Minden
Langeweile in hochkonzentrierter Form.

Supermarktblog: Statistik-Schnäppchen (3): Mango mortale?
Eigentlich wissen wir alle, warum Mangos so billig sind.

Burks' Blog: Da steh ich nun, ich armer Tor
Burks weiß nicht, was er wählen soll. Versteh ich.

Freitag, 28. Juni 2013

Wer ist der Zweiblattmann?


Die Scheißer bei uns im Bürokomplex kann man in drei unangenehme Kategorien einteilen:

Der Zweiblattmann

Der Zweiblattmann wischt sich den Arsch sehr effektiv und aufwandvermeidend ab. Er lässt immer genau zwei Blätter an der Rolle hängen, so dass nicht er sie wechseln muss, sondern der, der nach ihm scheißt (meistens ich), weil man mit zwei Blättern bei einem durchschnittlichen mitteleuropäischen Schmierschiss, der die Rosette bis weit zu den Arschbacken hinaus einsaut, nicht weit kommt.

Der Bremsspurmann

Der Bremsspurmann weiß nicht, was die Bürste neben dem Klo soll. Dicke braune Streifen zieren die Rinne bis hoch zum Rand, einige künstlerisch verspielt, andere geradlinig nüchtern.
Manchmal übertrifft er sich selbst und schafft es sogar, Dünnes bis rauf auf die Unterseite der Brille zu spritzen. Das lässt er dann wie ein Kunstwerk stehen, als würde er erwarten, dass ihm irgendwann mal jemand einen Preis dafür verleiht.

Der Klowandskulpturist

Der ist oft da. Wenn ich sein Werk sehe, muss ich in die Schüssel kotzen. Er produziert dicke gelbe Popel - gerne in Streifen als Spur an die Klowand geschmiert, semifest und zu länglichen Knödeln gerollt. Luftgetrocknet quasi.
Der Putzer, der dazu verdammt ist, dieses unheilige Klo zu putzen, übersieht das Zeug, denn es ist immer da.
Und so bin ich der, der das nach Wochen wegmacht, weil er es nicht mehr erträgt - mit fünf Lagen Klopapier zwischen meinen Fingern und den Popeln. Und ich bin auch der, der danach noch einmal in die Schüssel reihert, weil noch etwas saurer Magensaft übrig ist.

Das ist es. Das Trio des Grauens. Die Terrorscheißer von meinem Büroflur. Viele tragen Anzug hier, tun fein, Canapee in der Hand, Kopf im Arsch des anderen. Fein. Gehoben. Wichtig. Und auf dem Klo nicht besser als Wirt Stulle mit dem Kopf in seiner vollgekotzten Kneipenschüssel, dem die Reste des halbverdauten Mettbrötchens am fussligen Bart hängen.

Dieser Gedanke versöhnt mich dann wieder. Sie sind keine besseren Menschen, die Krawattenpinguine, sie tun nur so.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Auf dem Kreuzberg


Berlin hat 'nen echten Berg, jaja, nicht einen dieser vielen Weltkriegsschuttberge, diese Mont Klamotts, aufgeschüttet mit Unrat, dann überwuchert und nun eine Erhebung, eine künstliche, nein, der Kreuzberg ist echt. Ein echter Berg.

Gut, in Süddeutschland geht so etwas hökschtens als Hügel durch, als Buckel denn als Berg, aber das ist ja egal, wir haben ja nicht viel hier, kein Geld, keine Jobs, keinen Stil, keine gute Erziehung, keinen Flughafen und eben auch nicht viel geologische Erhebung, da kann man diesen Erdhaufen schon mal Berg nennen, wenn man mag.

Ich mag ihn, den Kreuzberg, ich kletter da gerne hoch und fühle mich dann vor lauter fehlendem Bergtraining so, als hätte ich gerade die Eiger Nordwand bestiegen.

Und dann steh' ich oben und kann ganz weit sehen: Hier der Potsdamer Platz, dort die Tempelhofer Freiheit, schön, und ich muss noch nicht einmal was dafür bezahlen, den schönen Blick von hier hat man umsonst, es ist einer dieser schönen Orte dieser schönen Stadt, die sonst nichts auf die Reihe bekommt, aber so viele schöne Orte hat, die man völlig kostenlos erleben kann. Dafür mag ich meine Stadt wieder.

Man sagt, dort wird auch Wein angebaut. Der total scheiße schmeckt. Richtig scheiße. So eine Art Mischung aus Essigwasser und Hornhautgrindessenz. Vielleicht kann man wenigstens Glühwein draus machen für die besoffenen Weihnachtspansengesichter mit ihren Blinkezipfelmützen vom beschissenen Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz. Oder man kriegt den Kalkgrind in der Badewanne damit weg.

Der schöne Kreuzberg.

Mit dem Wasserfall, dem schönen Wasserfall ...

... dem ...

... ja dem manchmal das Wasser ausgeht, weil der Stadt das Geld ausgeht. Das ist dann peinlich, das ist dann arm, armselig, bescheuert, beknackt, arschig, panne.

Aber wenn das Wasser wieder läuft, weil die arme verlotterte Stadt wieder ein paar Kröten aufgetrieben hat, dann ist es wieder so schön hier wie immer. Kreuzbuckel. Kreuzhügel. Kreuzberg.

Die Apfelgräfin rät: Landlust ausleben!


Brandenburg. Landlust ausleben. Kühe. Schafe. Hühner. Alles da.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Pankow: Wenn Plakate Angst machen


Früher waren solche Plakate ein Sinnbild für Aufbruch:


Heute machen sie Angst. Angst vor neuen Glaskästen. Neuer Gleichförmigkeit. Neuer Langeweile. Steigenden Mieten. Und vielen neuen Schnöseln.

Huhu Pankow! Es ist soweit. Jetzt kommen sie zu euch. Bei uns waren sie schon. Keine Filets mehr da. Alles abgegrast. Jetzt schwappen sie rüber. Zu euch. Es geht los.

Sucht euch schon mal was in Hohenschönhausen.

Lass mal netzwerken - Links vom 26.06.13


berlinpankowblogger: Sprechprekariat im Freischwimmbad
Für die Wortkreation "Sprechprekariat" verleihe ich Ole die goldene Sprachkünstlermedaille am Band. Und dazu noch einen Tapferkeitsorden mit Eichenlaub, weil er sich für den Text einen Troll eingefangen hat und mit ihm redet.

Wirre Welt Berlin: Mein Feind, die Waage
Einen weiteren Tapferkeitsorden erhält Ménard, aber erst, wenn er sich traut. :)

Flusskiesel: Gesund
Scheißen ohne Schmerzen.

Dienstag, 25. Juni 2013

Eso-Overkill


Die Eso-Plakate werden auch immer größer hier in Prenzlauer Berg.


Mariananda lädt ein: Muster und Fixierung - die neuen Farben der Seele. Befreiung vom inneren Richter. Bindung und Freiheit - Der Diamant in deiner Tasche.

Was mag das Klientel wohl für Probleme haben?

"Buhäää, ich hab' den ganzen Kiez aufgekauft, renoviert und befriedet. Jetzt ist es total ruhig hier überall und alle hassen mich. Buhää Buhää."

Oder: "Rabäää, ich fress' den ganzen Tag nur Bioschonkost und habe trotzdem Bluthochdruck, während mein Nachbar, der den Müll nicht trennt und nur Junk frisst, bessere Laborwerte hat als ich. Rabää Rabää."

Vielleicht auch: "Wääää, ich habe so viel Zeit und Geld, deshalb sitze ich hier in meinem pastellfarbenen Altbau zwischen meinen handgebeizten Feng-Shui-Möbeln auf meinem biologisch abbaubaren Kirschkern-Jute-Sitzsack herum und weiß nichts mit mir anzufangen, seit die Kinder ganztags in der Schule sind. Mir fehlt Sinn. Wäää Wäää."

Ich habe den Eindruck, ich bin nur noch von Bekloppten umgeben. Von unzähligen Plakaten grinst Sri Chinmoy auf mich herab und salbadert seine Nichtigkeiten in die Welt, dicke indische Gurus mit fettigen Haaren bieten geistige Erbauung feil und an jeder Ecke kann man Lebenshilfe für Lebensuntüchtige kaufen. Heilsteine. Räucherstäbchen. Geweihtes Wasser. Teppiche aus Chiapas zum Anziehen. Mariananda möchte mich von meinem inneren Richter befreien.

Und jeder abgebrochene Student wird jetzt Guru, macht seine eigene Sekte auf und zieht den Bekloppten das Geld aus der Tasche.

Armes Volk. Da sitzen sie nun herum in ihren Eigenheimen mit Stuck in pastellgrün, haben sich aus Peru importierte Natursteine und Tücher mit nepalesischer Yakhufenkunst aus Fingerfarben an die Wand geklebt, trinken Yogitee-Kombucha-Mix aus von Montessorischülern selbstgetöpferter Keramik, versuchen, sich selbst zu finden und zahlen dafür Beträge, von denen drüben im Wedding eine vierköpfige Familie einen Monat lang überlebt.

Prenzlauer Berg. Ja, uns geht es gut hier. Nein, andere Probleme haben wir nicht mehr. Nur noch der innere Richter, von dem wir uns unbedingt befreien müssen. Und dabei hilft uns Mariananda. Prosit Prenzlauer Berg, auf die neuen Farben deiner Seele.

Montag, 24. Juni 2013

Sleepless in Prenzlauer Berg


Was macht man, wenn man nach Mitternacht hellwach in Prenzlauer Berg rumhängt und nicht weiß wohin, weil alles geschlossen hat als wäre das hier Sindelfingen, Gießen oder Unterhaching?

Eselsbrücke. Hier ist er, einer der wenigen seit den Neunzigern unveränderten Orte, vor Rauch stinkend, abgekämpft, runtergerockt, guter alter Whisky hinter der Bar, gnädig-dunkel, nur Kerzen bringen ein wenig Licht, damit man überhaupt weiß, wer da gegenüber eigentlich sitzt und im Zweifel genauso abkeimt wie man selber.


Es ist mein Wohnzimmer.

Mit Klo.


Und Sinnsprüchen zur Erlangung von Lebensweisheit.


Verdammt, Berlin, für den da hast du es nicht gemacht.

Früher standen an den Wänden der Kneipenklos revolutionäre Parolen, Sinnsprüche gegen den Mainstreamgeist, gegen Kapital, Führer, Volk und Vaterland. Und gegen Springer.

Oder Zitate von Gandhi, Lao-Tse oder wenigstens Willy Brandt.

Heute das da. Eine Liedzeile von Kelly Clarkson. Diese Jugend ist zahnlos. So furchtbar handzahm. Und man bemerkt es zuerst auf dem Klo.

Harmlosigkeit greift um sich. Gesellschaftsweit. Auch hier. Im Klo von meinem Wohnzimmer. Eines der letzten seiner Art - noch nicht rausgeklagt, noch nicht wegsaniert. Noch immer stinkend, noch immer düster.

Bleib.

Bitte.

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Eselsbrücke
Gethsemanestraße 11
Prenzlauer Berg

Sonntag, 23. Juni 2013

Lechts-Rinks-Schwäche


Ich weiß ja, dass Frauen alles besser können als Männer. Frauen sind teamfähiger, toleranter, mutiger, zäher, hartnäckiger, konsens­orientierter, fürsorglicher, flexibler, sozial kompetenter, ausgleichender, inspirationsaktiver, ruhiger, kreativer, weitblickender, empathieorientierter, realistischer, frustrationsfähiger, motivationsstärker, kommunikativer, diplomatischer und stressstabiler.

Hat man mir zumindest immer erzählt.

Seit der Grundschule.

Und ich glaub' das.

Kommt ja auch im Fernsehen.

Und steht in der Zeitung.

Studien gibt es auch dazu. Massenhaft.

Alle sagen das.

Frauen können alles besser.

Wahrscheinlich auch im Stehen pissen.

Und Bierflaschen mit dem Feuerzeug aufmachen.

Ganz sicher sogar.

Nur fehlt dazu noch eine EU-finanzierte Studie, dann wissen wir auch das verbindlich.

Aber ich hab' was rausgefunden.

Eines können sie nicht:

Sie können kein Rechts und Links auseinanderhalten. Ich sehe das immer wieder. Sie können es nicht.

Neulich in der Bäckerei:

"Ich hätte gerne das Brot da links neben dem Korb."

(Es heißt Vital-Fitnessbrot, aber ich möchte nicht Vital-Fitnessbrot sagen, weil Vital-Fitnessbrot total bescheuert klingt. Wenn man das ausspricht, klingt das so wie ein Prenzlauer Berg-Wellness-Ayurveda-Zieh-mir-das-Geld-aus-der-Tasche-Scheißdreck, mit dem ich mich nicht gemein machen will. Wer Vital-Fitnessbrot sagt, der baut auch seine eigene Kresse auf seinem Feng-Shui-Balkon an und flechtet seine veganen Bastschuhe selber. Aber das Brot ist lecker und ich will das haben, also beschreibe ich, wo es liegt.)

"Ich hätte gerne das Brot da links neben dem Korb. Links neben dem Korb. Links. Links! Andere Seite ist links! Andere Seite! Nein! Links! Andere! Seite! Meine Güte..."

Die Kundschaft lacht. Die Bäckereifachverkäuferin lacht auch. Und ich lache mit. Weil das komisch ist. Links. Rechts. Können Frauen nicht. Warum auch immer. Ich habe noch nie einen Mann erlebt, der das verwechselt, aber ganze Armeen von Frauen. Komisch. Sonst können sie alles. Besser sogar. Immer. Alles. Is so. Schwöre. Nur das nicht. Und das ist so unendlich komisch.

Freitag, 21. Juni 2013

Burgers Berlin


Boomtown Ostkreuz – wenn der neue Bahnhof erstmal fertig gestellt ist, wird die ganze Gegend einen Satz nach vorne machen, die Preise werden steigen, man wird Fritz Kola verkaufen, die Preise werden explodieren, Mieter werden gehen, Eigentümer werden kommen, es wird ruhiger werden, vor allem auf dem Lenbachplatz, der jetzt schon Partyplatz Nr. 1 in Friedrichshain ist. Bis der Morgen graut.


Gut, Fritz Kola verkauft man jetzt schon. Es geht also los. These: Fritz Kola ist ein Indikator für beginnende Aufwertung.

Profitieren wird von der ganzen Bahnhofsumbauerei ganz bestimmt der südwestliche Teil in Richtung Treptow, der im Moment noch in seinem, an ein brachliegendes Industriegebiet mit integrierter Laubenkolonie während der Weltwirtschaftskrise 1929 anmutenden Dornröschenschlaf schlummert.
Diese Filetstücke, auf denen im Moment noch Schrotthändler, Gebrauchtwagenverticker, ein verirrter Betriebswirt und natürlich Lidl herumkeimen und der letzte Rest sozialer Bodensatz Friedrichshains zwischen Kneipe, Netto und Videothek pendelt, werden clevere Investoren bald entdecken und es wird dort irgendwann so aussehen wie überall: Bioläden. Yoga. Fahrräder. Dachgeschosse. Sri-Chinmoy-Plakate. Mülltrennung. Stinklangweilige Menschen mit stinklangweiligen Leben.

Ich vermisse das alte vergammelte Rostkreuz mit seinem ganz eigenen Charme eines ausgebombten Flüchtlingslagers anno 1945 schon ein wenig. Das war noch Keim, das war noch Siff, das war noch Grind. Man konnte noch besoffen in dunkle Ecken pissen, wenn es nicht anders ging.

Bald wird das Pissen einen Euro kosten - in der Rail&Fresh-WC-Anlage, die man auch hier bauen wird.

Ja. Dinge gehen. So ist das eben. In Berlin besonders oft.

Hier an diesem deutlich prenzlauerbergisierenden Ort hat sich ein Laden namens Burgers Berlin in Stellung gebracht.


Und wenn das mal nicht ein paar verdammt leckere Burger sind, die da angeboten werden. Und die Paddies sind selbstgemacht. Und ja verdammt, innen leicht rosa, wie es sein muss, auch wenn es Hygienefanatikern den Magen umdreht. Ich mag das. Und Thorge auch.


Und es ist kein Bio. Kein Scheiß. Kein schleimiges Heranwanzen an biobeseelte Zottelfurien durch Neulandfleisch. Kein menschenwürdig geschlachtetes Vieh. Fleisch. Soßen. Salat. Gurke. Punkt. Geil.

Leider sind die Pommes völlig belanglos und scheinen wieder diese billigen Frosta-Dinger aus dem Großhandel zu sein, die mir irgendwann noch ins Grab folgen werden. Die angebotenen Wedges hingegen kann man gerade so essen, kommen aber an frisch geschnittene und dann frittierte Kartoffelecken anderer Burgerbutzen nicht ran. Abstriche. Okay. Egal.

Dennoch: Ein guter Laden.

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Burgers Berlin
Sonntagstr. 2
10245 Berlin

Donnerstag, 20. Juni 2013

Die Narrenfreiheit von Prenzlauer Berg


Was sagt der Biopapa, der mich gerade mit dem Fahrrad auf dem Gehweg an einer Häuserecke über den Haufen gefahren hat?

"Aber ich hab' doch ein Kind dabei!"

Ich stehe wieder auf, klopfe mir den Staub des heißen Asphalts von der Hose während das Balg auf dem Gepäckträgerkindersitz grient. Was war das gerade?

"Aber ich hab' doch ein Kind dabei!", sagte er wirklich.

Ach so, na dann ist das ja was ganz anderes, Sie haben Recht, mein Fehler, ich müsste eigentlich auf der Straße laufen, damit Sie sich hier mit Ihrem Fahrrad auf dem Gehweg entfalten können, bitte, fahren Sie mich nochmal über den Haufen, ich hab's verdient, weil nicht mitgedacht, sorry, warten Sie, ich stell mich nochmal in Ihre Idealspur.

Und überhaupt: Sich entschuldigen ist völlig zu Recht total überflüssig geworden. Heute wird stattdessen ganz einfach auf die eigene Reproduktion hingewiesen. Denn damit darf man alles: Auf dem Gehweg rasen, Hauseingänge blockieren, Treppenhäuser und Innenhöfe zustellen, alleine fünf Tische im Café belegen und wahrscheinlich auch bei Rossmann Windeln klauen, auf die nächste Parkbank kacken oder auf der Stadtautobahn auf allen drei Spuren ein Picknick machen. Mit Kindern geht alles. Alles erlaubt. Wer wird sich denn entschuldigen? Im Unrecht? Konventionen? Gesellschaftliche gar? Aber nein, ich doch nicht, ich habe doch ein Kind. Sehen Sie das nicht?

Ich mache das jetzt auch, ich binde mir mein Kind vor den Bauch und haue jedem aufs Maul, dessen Hackfresse mir nicht gefällt. Ich darf das ja. Ich habe ein Kind. Müssen die einsehen.

Was? Sie haben Vorfahrt? Ich bitte Sie, ich habe ein Kind vorne im Körbchen, was sagen Sie nun?

Oder ich laufe demnächst einfach an der obligatorischen Monsterschlange bei der Deutschen Post vorbei und stelle mich ganz vorne an. Ich darf das. Hab ja ein Kind gemacht. Schauen Sie mal, hier vor meinem Bauch hängt es. Lassen Sie mich durch, ich bin Vater!

Und vielleicht nehme ich in den Schönhauser Allee Arcaden einfach die ganzen überteuerten Klamotten von Hilfiger so mit ohne zu zahlen, wenn ich das will. Mein gutes Recht. Ich hab ja ein Kind vorm Bauch geschnallt. Ich darf das. Das müssen Sie doch einsehen. Ich reproduziere. Eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, mit der ich da betraut bin. Stören Sie nicht meine Kreise. Unterstützen Sie meine Mission!

Hurra, da ist er wieder. The ugly Prenzlauer Berg in Reinform. Egoterror im Harmoniebezirk. Vater bin ich zwar, aber dies offenbar nicht rücksichtslos genug. So geht es nicht weiter. Damit gerate ich hier auf lange Sicht komplett unter die (Fahr-) Räder. Ich muss besser werden. Muss auch Nabel der Welt sein. Muss mir mein Umfeld Untertan machen. Muss Ellenbogen ausfahren. Auf Kinnhöhe von Fahrradnazis zum Beispiel.

Memo an mich: Nachbessern. Du hast ein Kind. Sei der Mittelpunkt deines kleinen Universums. Du hast reproduziert. Dir gehört der Bezirk. Nimm ihn dir. Mobbe zurück. Mobbe zuerst. Denn das hier ist dein kleines Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lousy spammer of the day


Der heutige Spammer tat mir sehr leid, denn es hat nur für folgenden Text gereicht:

The allein des Werdens wird eine vertrauliche Ermittler ziemlich schwer, mit
einfachen Anregungen beantwortet werden. Es kann also vorkommen, dass Ihre Hausfinanzierung oder Ihr Kredit auf Grund
dieser Eintr. I decided on a dealer that advertised a 2007 Toyota Corolla CE, automatic
with an MSRP of $15.


Und das ausgerechnet bei meinem Lieblingsanwalt Ronny aus der Lausitz.

Ich habe ihn veröffentlicht, den Kommentar, natürlich ohne Link. Ich konnte ihn einfach nicht löschen, den Legastheniker, das ist wie auf eine Schnecke treten, weil sie so langsam ist oder den Klassenidioten mit dem Kopf zuerst ins Schulklo stecken, weil er zu dumm ist, seinen Namen zu schreiben. Das tut man einfach nicht. Er hat sich doch so bemüht.

Isch bin so weisch, Alder...

Mittwoch, 19. Juni 2013

Der traurigste Platz in Friedrichshain


Der traurigste und gleichzeitig sinnloseste Platz in Friedrichshain ist der Persiusplatz.



Dass der so heißt, weiß man nur, weil ein kleines Schild auf der Höhe eines Dackels davon kundet.



Natürlich ist der Platz EU-subventioniert. Sonst hätte er ja einen Sinn. Oder wäre gar schön.



Doch hier wollen nicht mal die fliegenden Ratten die dargebotenen Brotreste fressen.



Es ist einer der ödesten Flecken in Friedrichshain. Doch dafür gibt es Kunst.



Ganz tolle Kunst.



Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister! Schlägt Ungarn mit drei zu zwei Toren im Finale in Bern!

Oder so.

Nein. Das ist Kunst. Kein Fußball. Irgendwo über die Straße auf einer genauso schäbigen Wiese liegt ein dazugehöriges "Land". Verstehnse? Aus + Land = Ausland = Kunst. Was das soll, weiß keiner, aber Hauptsache, es kostet richtig Geld und wird subventioniert von einem Moloch, der nicht weiß, wohin damit.

Und wie immer in Berlin wird das Ergebnis sich selber überlassen und verkommt nach Auslaufen der Subvention völlig.

Verkommt. Versifft. Verkeimt.

Bepisst. Bekackt. Bekotzt.

Kies. Kippen. Kacke.

Gulli. Graffiti. Gestrüpp.

Lirum. Larum. Löffelstiel.

Wer nichts sagt, der weiß nicht viel.

Persius. Die arme Sau. Berlin muss ihn hassen.

Persiusplatz.

Hier will man nicht hin, hier will man weg.

Lass mal netzwerken - Links vom 19.06.13 (9er-Edition)


Viele gute Blogposts heute - muss am Wetter liegen.

Hadmut Danisch: Männer sind schuld. An allem.
Jetzt ganz neu: Auch an der Erderwärmung. Und an der Menopause.

New Kitch on the Blog: Italienischer Nudelsalat: Wer ist denn eigentlich Lisa?
Alle Nudelsalate sind scheiße. Bis auf den da.

Wirre Welt Berlin: Kleiner Mann, bau mir ein Schloss aus Flaschen
Schön, dass es so einen noch gibt in Prenzlauer Berg: Einen irren Punkrocker.

Heutigentags.de: Wir sind ahnungslos
Die uralte Frage nach der Wahrheit und wo sie liegt. Heute: Türkei

Sascha Lobo: Marusha, Merkel und das deutsche Problem
Der Irokese skalpiert Marusha. Großartig.

Michalis Pantelouris: Für diesen Text bin ich aus der SPD ausgetreten
Ja, ich schreib ihn bald, den Text, warum ich aus Überzeugung nicht wählen gehe. Einstweilen muss Michalis Pantelouris herhalten. Stark.

sunflower22a: Immer öfter an Amerikas Schulen: Nur keusche Mädchen erwünscht
So ist es. Ich zitiere mich mal selberDie Welt ist im Wandel, unbemerkt, zwischen den Zeilen, schleichend quasi, rollen neue religiöse Zeiten heran, die sich im Alltag einnisten - vom nahen Osten her die Islamisierung, vom fernen Westen die Re-Christianisierung. Dumm, wenn man mittendrin sitzt.

Erzaehlmirnix: Antikomplimente... eine kleine Sammlung
Kleine und große Bosheiten. Schön.

Das menschliche Urmeter: Rutschen
Und so rutscht man dann, bis man unten ankommt.

Dienstag, 18. Juni 2013

Bei den Wichtigtuern von Oberbaumcity


Mitten in Oberbaumcity gibt es einen ziemlich guten, günstigen Fastfood-Asiaten.

Dort ist es mittags voll, richtig voll mit richtig schlimmen Menschen aus den umliegenden furchtbar kreativen Büros. Begriffe aus dem Terrorhandbuch für Technokraten wabern um meine Ohren: Benchmarking. Evaluation. Cluster. Milestone. Zeitnah. Proaktiv. Braindead. Bullshit-Bingo hurra. Ich habe schon nach zwei Minuten drei Reihen voll.

Meine Not trifft ihr geistiges Elend. Hier posen alle die, die ich einfach nicht mehr sehen mag: Behighheelte Schnepfen mit affektierter Berlin-Mitte-Attitüde hinter riesigen Hornissen-Sonnenbrillen, die sich für des Allmächtigen Geschenk an die hier Hof haltende Geschäftsmännerwelt halten, Wichtigtuer, krawattierte Bürohengste, Großmäuler, bis zur Stufe ihrer Unfähigkeit beförderte Luftschaufler, laut, feist und gerne mit Hofstaat aus unter- oder besser gar nicht bezahlten Praktikanten, die an ihren Lippen hängen und andächtig schauen, wenn ihr Mittagessen zu 4,50 Euro großzügig von demjenigen übernommen wird, von dem sie sich eine Anschlussverwendung erhoffen. "Oh, last week wasn't very interesting. We've just been to New York, Tokyo and Singapur. Short trip to Cambodscha included. Visited the Killing Fields and Angkor Wat. Not very amazing." und gähnt dabei aus seinem schwammigen bleichen Bürogesicht, Huldigungen entgegennehmend.

Ich setze immer wieder sporadische Dankgebete an spontan erfundene Götter ab, dass ich nicht mehr mit so etwas zusammenarbeiten muss. Irgendwann werde ich wahrscheinlich während des Mittagessens vor lauter Dankbarkeit vor aller Augen anfangen zu tanzen, wenn das so weiter geht und ich noch öfter aufgeplusterte Charakterfehler auf zwei Beinen als Nebensitzer ertragen muss, die mir vor Augen führen, wie gut es mir eigentlich geht. 

Und niemand wird es verstehen hier, außer vielleicht den freundlichen Angestellten, denen keine dieser Gestalten nie auch nur einen Cent Trinkgeld für ihre unkaputtbare Freundlichkeit und ihr gutes Essen gibt.

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We Lunch - Asia Food Store
Lehmbruckstraße 7
10245 Berlin 

Lass mal netzwerken - Links vom 18.06.13


1ppm: Mädchen zwischen 14 und 24
Schön geschrieben. Und wie recht er hat. Natürlich können Teenagerinnen fast nie den Sabbel halten. Wenn eine von denen vor lauter Hysterie umkippt und stirbt, muss man das Maul separat totschlagen, sonst quasselt es bis in alle Ewigkeit weiter. In einer Tonlage, die Glas schneiden kann.
Schade an dem Text ist nur, dass er vor lauter Angst vor der eigenen Courage wieder einmal nicht ohne den obligatorischen Disclaimer am Schluss auskommt, mit dem immer vorauseilend relativiert werden muss, damit sich auch ja niemand angegriffen fühlt. Ich finde, diese ständige Angst vor dem Shitstorm belegt jeden guten Ansatz mit Mehltau.

Erzaehlmirnix: Übertrieben
Bei der Beurteilung von Genitalverstümmelung wird in der herrschenden Meinung ein Unterschied nach Geschlecht gemacht. Bei Mädchen böse. Bei Jungs in Ordnung. Warum eigentlich?

Sprengsatz: Merkels sanfte Autokratie
Ich möchte irgendwann noch einmal niederschreiben, warum ich aus Überzeugung nicht wählen gehe. Bis dahin muss Michael Spreng herhalten.

Montag, 17. Juni 2013

Aufgeblasen in der Corinthstraße


Repräsentanz schreibt er. Der Betriebswirt. Als wären wir hier am Pariser Platz. Auf dem Kurfürstendamm. In der Friedrichstraße. Oder wenigstens in der Schönhauser Allee, wenn es für mehr nicht reicht.

Repräsentanz 
Berlin-Pariser Platz

Ich bin unwürdig. Darf ich Ihre Stiefel mit meinem Armanihemd polieren?

Repräsentanz 
Berlin-Friedrichstraße

Ich bin sehr beeindruckt. Mein Name ist Ronny Krawuttke. Ich bin Master of Business Administration. Fernuni Finsterwalde. Hier ist meine goldene Visitenkarte. Schauen Sie, mein Name ist eingestanzt. Toll, nicht?

Repräsentanz 
Berlin-Kurfürstendamm

Sehen Sie den Mont Blanc Kuli? Ich habe ihn extra hier hingelegt, damit Sie ihn sehen. Ich schreibe nämlich mit Mont Blanc. Bewundern Sie mich bitte jetzt.

Repräsentanz 
Berlin-Schönhauser Allee

Naja. Nett. Hier, eine Visitenkarte aus Recyclingkarton. Der Aufdruck ist aus handgemörserten Biofarben auf Tofubasis. Natürlich vegan.

Repräsentanz 
Berlin-Corinthstraße

What the fuck? Corinthstraße? Hier an der Rosette von Friedrichshain, dem Hinter-dem-Ostkreuz-Slum, den nicht einmal die allgegenwärtige westdeutsche Erbengeneration gentrifizieren will? Hier zwischen dem Ghetto-Netto, den Hausfrauenpuffs und dem Schrotthandel. An dem Ort, an dem selbst die Suffkneipe "By Doreen" den Bach runterging, weil man hier nur zuhause säuft und zwar den Billigdreck von den vielen Spätis, rechte Hand auf der Computermaus, die linke zwischen den Beinen und auf dem Monitor YouPorn, weil für die HD-Pornos keine Kohle mehr da ist, seit die dämliche Alte beschlossen hat, dass das verdammte Balg auch mal was anderes als immer nur Tiefkühlpommes von Netto essen muss.

Repräsentanz Corinthstraße. Andere würden sich schämen. Was kommt als nächstes? Repräsentanz Louis-Lewin-Straße bei den Nazis in Marzahn-Hellersdorf? Repräsentanz Kurfürstenstraße direkt beim Osteuropastrich? Repräsentanz Koloniestraße? Der tollen Schießereien wegen. Oder weil Poco Domäne in der Nähe ist. Falls man mal einen neuen Preßspanschreibtisch braucht.

Ein Jammer. Wenn die Fachhochschulen nicht immer jedem, der will, ein BWL-Diplom hinterher schmeißen würden, dann müssten die sich jetzt nicht sinnlos im Ghetto aufblasen.

Lass mal netzwerken - Links vom 17.06.13


da]v[ax: Nervige Werbespammer trollen
Es ist nie zu spät für gute Ideen.

www.patsyjones.de: Ein ernsthafter Gute-Laune-Guide für den Umgang mit Sexismus im Alltag
Eine Prise gute Laune fehlte der völlig verfahrenen Debatte ideologisierter Kopfmenschen bisher völlig. Danke dafür.

Brain.Fuck.Yourself: Warum Hochbahn, warum?!?
Mein Freund Thorge beginnt, neurotisch zu werden. Prima.

Sonntag, 16. Juni 2013

Ausweitung der Duz-Zone


Ich war wieder im Bioladen. Meine Güte, man kann ihnen gar nicht mehr ausweichen. Nicht einmal in Treptow. Sie erobern jetzt schon feindliches Gelände. Treptow: Molle. Schnaps. Säuferleber. Formschnitzel. Erdnussflips zum Frühstück. Mit Nusspli. Trolli-Gummibärchen. Und dem ersten Bier. Zum Korn.

Jetzt gibt es auch einen Bioladen im Säuferghetto. Sogar mit den üblichen verhärmten Gesichtern drin. Wie frisch aus Prenzlauer Berg importiert: Die Münder verkniffen, die Furchen tief, die grauen Zotteln wirr, der Teppich um die Schultern fleckig. Und die nackten Hornhautfüße immer in Pantoffeln.

Ich will nur einen Apfel und einen Schokoriegel und das muss ich hier kaufen, weil der nächste Lidl mit lecker aus Neuseeland importierten Braeburn-Äpfeln und den fetten Chemiekeulen in Schokoladenoptik weit weg ist. Ich muss in den Bioladen. Was anderes gibt es hier nicht oder ich find' es ums Verrecken nicht.

Meine Güte, sehen die Äpfel klein und verschrumpelt aus. Denen fehlen definitiv ein paar Hormone. Oder Blutdoping. Trotzdem. Ich brauch' jetzt Vitamine. Und die sind da bestimmt drin. Einer wird mich nicht umbringen. Und in dem Schokoriegel ist tatsächlich Schokolade. Immerhin.

An der Kasse fragt mich ein Mondgesicht:

"Hast du eine Mitgliedskarte?"

"Sicher nicht."

"5,96 €"

"..." (Ist das ein Goldstaubriegel? Was ist da drin? Seltene Erden? Und warum kostet der winzige verhutzelte Scheißapfel aus Brandenburg fast so viel wie der Sechserpack Neuseelandäpfel bei Lidl? Kapier ich nicht. Bioläden. Ich verdiene einfach nicht genug dafür. Oder ich versaufe zuviel. Oder beides.)

"5,96 €"

"Ja, doch. Hier."

"Willst du den Bon?"

"..." (Du, Du, Du, was läuft hier schief? War ich mit dem Mondgesicht hinter der Kasse schon mal einen saufen? Lag ich rotzvoll in ihren speckigen Armen, habe ihr meine verkackte Lebensgeschichte erzählt und sie mir ihren Werdegang aus Leinfelden-Echterdingen nach Berlin-Treptow in den Bioladen? Nein? Warum duzt die mich dann? Hier ist kein Ikea und es gibt keine miesen Möbel, nur teure Nahrung. Ich will nicht geduzt werden. Deshalb versuche ich so zu schauen, als fräße ich morgens rohe Lämmer zum Frühstück. Und abends überfahrene Katzen. Aber erst, nachdem ich meinen Aluhut aufgesetzt und mich mit Erdnussbutter eingerieben habe. Der Psychopathenblick. Ich kann den gut. Mütter zerren dann ihre Kinder in Hauseingänge. Und Fahrradfahrer wechseln auf einen anderen Gehweg. Sie grinst gequält, aber lässt nicht ab.)

"Den Bon? Willst du den Bon?"

"..." (Terrorduzen. Inzwischen überall. In jedem Kack-Latte-Café. In jedem verfickten Kinderklamottenladen. Sushibar. Bäcker. Bei Kaisers an der Kasse. Im Sexshop beim Dildokauf. Denk du doch bitte dran, dass du den nicht auf die höchste Stufe stellst, wenn er bei dir bis zum Schaft drinsteckt, das könnte dir wehtun. Gesunde Distanz ist out. Wanzige Nähe muss her. Bei den Biohanseln sowieso. Die sind ja alle Brüder. Oder Schwestern. Oder unentschlossen, was es heute sein soll. Dämliches Kumpelgetue. Damit es nicht so weh tut, wenn wieder 20 Euro für eine Packung Knäckebrot und eine Schrumpelzucchini draufgehen.)

"Huhu? Geht es dir gut? Der Bon? Willst du..."

"Geben Sie her, wollen wir einen saufen gehen? Gleich da hinten in einer dieser letzten Ostkneipen, an deren Theke die Wendeverlierer seit 23 Jahren ihr Schicksal in den Treptower Himmel rülpsen und ihr Elend Abend für Abend in Korn ersäufen, bis endlich die Stütze verballert ist? Geh'n wir? Böcke? Jetzt? Irgendwann um Mitternacht, kurz nachdem ich auf dem Damenklo in das Waschbecken gekotzt habe, biete ich Ihnen vielleicht sogar das Du an, aber nur wenn ich Sie nach dem Kotzen knutschen darf. Mit Zunge. Böcke? Na?"

Als der Einsatzwagen vorfuhr, saß ich schon wieder in der Ringbahn.

Froh zu sein bedarf es wenig


Das ist so platt wie geil. Kopfkino: Vor meinem geistigen Auge wippt ein hessischer Bauer mit Mistgabel und Äppelwoischobbe schwitzend von einem Bein auf das andere: Hoschemol! Isch will mit dir penne! Großartig. Tolle Werbung. Ziel erreicht. Ich krieg das Bild nie mehr aus dem Kopf. Was für ein kranker Humor. Ich kann nicht mehr und lache mich noch eine halbe Stunde später ob dieses abartigen Unsinns die Boxhagener hoch. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Passanten wieder die freundlichen Jungs aus der Psychiatrie rufen. Froh zu sein bedarf es wenig. Kein Shit. Kein Alk. Kein Koks. Nur ein schlichtes Gemüt. Helau. Pfrööööt. Wo hab ich nur meine Schellenkappe?

Samstag, 15. Juni 2013

Absiffen: Weit muss ich fahren


Weit muss ich fahren aus Prenzlauer Berg, um mal wieder so richtig abzusiffen.


Kreuzberg. Schlawinchen. Deko aus der Dekohölle. Eurodance aus der Pophölle. Besoffene aus der Schnapshölle. Bier ein Euro. Longdrink zwei. Oder so. Weiß ich nicht mehr.


Vollgetaggte Pissrinne.


Vollgepisstes Kackloch.

Siff. Grind. Schorf. Alkohol. Rauch. Zerbrochene Träume. Kicker. Ficker. Wohlsein.

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Bei Schlawinchen
Schönleinstr. 34
10967 Berlin

Lass mal netzwerken - Links vom 15.06.13


StefBlog: Die Flut
Land unter.

anmut und demut: Für ein besseres Bloggen
Genau so! Und nie anders.

netzwertig.com: ... und plötzlich erscheint die Cloud wie eine dumme Idee
Die Cloud erscheint nicht nur wie, sondern ist eine dumme Idee. Zumindest für sensible Daten. Wer das tut, der pinnt auch Saufbilder auf Facebook.

Freitag, 14. Juni 2013

Mein Karma hasst mich


Ich mag meinen Volkspark Prenzlauer Berg. Das ist ein Park, den keiner kennt. Zumindest keiner, der nervt. Keine verkappten House-DJs, die an ihren Turntables dilettieren, keine Kampfgriller, die ihre in minderwertiger Marinade eingelegten Fleischabfälle vom Discounter schwarz rösten, keine Frisbeewerfer, die mir immer, wenn ich gerade eingeschlafen bin, ihren vom Köter vollgesabberten Plastikteller an die Murmel werfen, keine Junggesellenabschiede, die Wolfgang Petrys größte Hits rülpsen, keine Säufer, keine Kiffer, keine Irren. Wirklich: Niemand, der nervt.

Oder fast niemand.

Es ist einer der wenigen sonnigen Tage im Frühsommer. Und es ist leer hier. Irgendwo da hinten liegt ein Nackter im hohen Gras, dort vorne sitzt eine Oma auf der Bank und chillt. Ein paar Leute gehen spazieren. Das war's. Schöne Luft. Schöner Ort. Tralala.

Kaum liege ich eine halbe Stunde im Gras, freue mich über die Ruhe, freue mich, dass ich noch lebe, lasse mich von der Sonne streicheln, atme tief durch, chille, ruhe in mir, denke: "Jetzt kann es eigentlich nur noch schlechter werden", wird es auch schon schlechter. Und wie.

Der ganze Park ist frei, überall ist Raum in verschwenderischer Breite, jedoch ausgerechnet etwa zwei Meter neben mir - also ganz knapp vor der Grenze, an der das Sich-Niederlassen sozial unadäquat wird, setzen fünf Schülerinnen dazu an, sich ins Gras zu setzen.

"Die werden gleich nach dem Hinsetzen anfangen zu sabbeln" unke ich in Gedanken und habe Unrecht, denn sie fangen noch im Stehen, während sie ihre Handtücher auffächern, damit an, Wortblasen zu produzieren - in einer Geschwindigkeit, mit der mein Hirn nicht mitkommt und schmilzt.

Es geht um Beziehungen, blöde Freunde, gute Freunde, wer mit wem. Da hat Sascha letzte Woche mit einer anderen im Tramhaltestellenhäuschen geknutscht, man munkelt, dass Tanja aus der Parallelklasse, mit der er eigentlich offiziell zusammen ist, das noch nicht weiß. Pläne werden geschmiedet, wie man dem abhelfen kann. Anonym über Facebook ist doof. Das glaubt die nachher nicht. Dann lieber dem Bruder petzen, der wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Konsens herrscht. Das ist die Lösung.

Es folgt Thema-Hopping: Inga ist jetzt ausgerechnet mit Jörn zusammen, Pattie hat mit Janne Schluss gemacht, aber alle bis auf die Dicke glauben, dass die beiden wieder zusammenkommen. Svenja kann irgendwie keiner leiden, weil die sich an jeden ranwanzt, der aussieht, als hätten seine Eltern ein wenig Geld. Dann gibt es noch Tamara. Und Matze. Der wiederum war mal mit Lara zusammen, aber die will nichts mehr von ihm, weil er mal mit Svenja geredet hat, die keiner leiden kann.

Ich kann nicht schlafen. Ich muss mir wertlose Informationen reinziehen, sauge alles auf, analysiere mit, überlege, ob die Beziehung zwischen Pattie und Janne noch zu retten ist und versuche, das übrige Beziehungsgeflecht an der Schule zu entwirren. Pattie ist wohl ein Arsch, bekomme ich auf einem Ohr mit, weil er noch vor dem Schlussmachen mit Tamara rumgeknutscht hat, auf der Schulparty, auf der Svenja dem DJ so dreist ihre Handynummer zugesteckt hat, diejenige Svenja, registriert das andere Ohr, die eigentlich was von Matze wollte, aber abgeblitzt ist, weil Matze immer noch an Lara hängt, die ja bekanntermaßen wegen Svenja mit Matze Schluss gemacht hat. Uff.

Kein Zweifel. Mein Karma hasst mich. Und lässt mein Ohr bluten. Mein Hirn hat einen Knoten. Anderthalb Rundtörn mit zwei halben Schlägen. Ich fühle mich wie ein RTL2-Zuschauer und spüre meine Hirnzellen sterben wie die Fliegen. Für diese Prüfung komme ich ins Paradies, denn ich gehe durch die Hölle.

Irgendwann gehe ich weg, irgendwo an den Rand des kleinen Wäldchens, um dort zu sterben. Die Reste meines zerlaufenen Hirns ziehe ich wie einen Seesack hinter mir her, um es neben einem übervollen Mülleimer, den außer nestbauenden Vögeln nie einer leert, möglichst feierlich zu begraben. 

Dann bin ich wieder alleine und es herrscht Ruhe. Hier in meinem Volkspark Prenzlauer Berg, meinem Geheimtipp, den keiner kennt, jenseits der Plattenbauten, jenseits der Touristenhorden, Powergriller, DJs, Kindergartengruppen, Jongleuren, Artisten und fußballspielenden Sportskanonen. Denn hier ist es prinzipiell sehr schön und sehr ruhig, es sei denn, dass mich mein Karma gerade mal wieder hasst und mir eine zehnbrüstige Strafe schickt.

Lass mal netzwerken - Links vom 14.06.13


Duckhome: Die Flut und ihre Plagen
Die apokalyptischen Reiter auf der Flutwelle.

sunflower22a: Die Frau, das unbekannte Wesen
Dieser beeindruckene Blog einer beeindruckenden Frau überrascht mich nun innerhalb von drei Tagen zum zweiten mal. Auch wenn die Hintergrundbilder die Texte oft schwer lesbar machen, der Inhalt lohnt sich allemal.

Männer unter sich: Buchbesprechung "Die Affäre Mollath"
Eine tolle Besprechung eines sicherlich sehr guten Buches. Leider kostet es als eBook 17,99 € für 240 Seiten. Warum? Was soll das? Warum sind manche eBooks so irrwitzig teuer? Sorry, so kaufe ich es nicht, da kann der Inhalt noch so lesenswert sein.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Hello darkness, my old friend

 

Oh ihr Investoren und Bauherren, damit habt ihr euch selbst übertroffen.

Spreedreieck.

Friedrichstraße.

Ich hab gedacht, schlimmer als die Neubauriegel um den Alexanderplatz, die gesichtslosen Betonklötze am neuen Hauptbahnhof oder die menschenfeindlichen Bunkerglaskästen am Spreeufer Richtung Stralau kann es nicht mehr werden, aber es kann: Das Spreedreieck - ein fieser düsterer Bau in prominentester Lage, ein übler Pickel mit braungrauer Eiterhaube am Arsch der Friedrichstraße. Welcher Blinde hat das genehmigt, welcher Geschmacksverirrte das geplant? Wer bezahlt für sowas Geld? Das ist ein Bauwerk, das in einigen Jahren nur noch als Mahnmal für diese unheilige Zeit dienen wird, als Warnung, was herauskommt, wenn man Heuschrecken die Stadtplanung und diese Stadt dem Wildwuchs der eiskalten Investorenarchitektur überlässt, die jede freie Fläche mit Glas und Beton in Grau in Grau überzieht und eine Atmosphäre schafft, in der man nicht arbeiten geschweige denn seine Freizeit verbringen möchte, wenn man noch so etwas wie eine Seele hat.

Ja. Ohne Seele. Seelenlos. So ist das Ding. Grau. Braun. Düster. Finster. Abschreckend. Zum Abkotzen. Davorreihern. Anpissen. Meinetwegen Vollschmieren. Mit Sprühsahne besprühen. Mit Dünnschiss besprühen. Zum faule Eier dagegenschmeißen. Unausgewaschene Joghurtbecher dagegenschmeißen. Mit vergammelten Tomaten beschmeißen. Teeren. Federn. Das sollte man die, die für so einen Schandfleck verantwortlich zeichnen.

Woanders jagt man solche aus der Stadt, die so etwas Ekliges schaffen, hier werden sie hofiert, dürfen sich das nächste Sahnestückchen aussuchen und anschließend verschandeln, den nächsten prominenten Ort mit ihrem Glas, ihrem Beton, ihrer Dunkelheit, ihrem miesen Karma vollkübeln, Beton, Glätte, Kälte in die arme vergewaltigte Stadt erbrechen, auf dass es noch einmal ein wenig ungemütlicher, noch ein wenig kälter, noch ein wenig finsterer wird und der Mensch, der lebt, leben möchte, noch nicht völlig abgestumpft ist, noch ein wenig weniger Orte hat, an denen er sich wohlfühlen kann.

Schämt euch.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Die unheilige Mittelinsel von Prenzlauer Berg


Die Mittelinsel der Wichertstraße zur Schönhauser Allee ist ein unheiliger Ort. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie viele Imbissversuche ich dort schon habe scheitern sehen: Da war schon Currywurst, ein, zwei, drei, vier Dönertiere, ein Grieche hat sich mal versucht und ging nach ein paar Wochen wieder ein, Hähnchen gab es, glaube ich, auch mal, aber nicht lange - nein, ein unheiliger Ort. Hier klappt nix. Seit endlos vielen Jahren laufe ich hier vorbei und keiner hat den Durchbruch geschafft, die Leute bleiben einfach nicht stehen beim Überqueren der Straße. Hier stirbt jede Geschäftsidee.

Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden, denn endlich hat der erste richtig gute Döner von Prenzlauer Berg hier eröffnet. Als eiserne Regel galt bisher: Döner in Prenzlauer Berg ist meistens schlecht, manchmal mittelmäßig und extremst selten halbgut. Richtig gut ist hier keiner.

Jetzt gibt es Gemüsedöner, gutes Gemüse, Kartoffeln und der übliche Salatknatsch im Dönertier. Und wir haben hier schönes aufgeschichtetes Fleisch, meine Güte, dass ich das noch erleben darf: Kein Hackfleischdreck, richtiges aufgeschichtetes Fleisch. Ja, es ist ein guter Döner. Endlich mal.

Es gibt ja nun die ewig gültige Regel, dass es in Dönerläden prinzipiell beschissene Pommes gibt. Die sind dort nie gut, weiß der Hammel warum.

Und das ist auch hier nicht anders. Leider. Es sind dicke, mehlige Dinger, extrem kross, braun bis dunkelbraun, innen Mehl, Geschmack wie Pappe, zersalzen und ersoffen in einer irrwitzigen Menge nichtssagenden Ketchups. Überhaupt nicht gut. Seinlassen. Weglassen. Döner essen. Der ist Bombe.

Alter.

Was noch? Die Preisgestaltung ist bizarr. Wenn ich ein Menü mit Döner, Pommes und Cola bestelle, kostet mich das 4,98. Wenn ich die Cola durch ein Wasser ersetzen möchte, kostet mich das 1,50 mehr. Was soll das?

Trotzdem: Ein Gewinn, die Bude. Schön, endlich ein guter Döner im Kiez. Danke, ich warte seit Jahrzehnten auf euch. Bleibt bitte da.

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bilakis - Gemüse Döner
Wichertstraße Ecke Schönhauser Allee 

Lass uns verschwören, Theorie


Cool. Chemtrails über Prenzlauer Berg. Ich fühl mich gleich viel entspannter.

Dienstag, 11. Juni 2013

Jetzt nimm doch bitte mein Geld, Schneiderin


Ich weiß nicht, wie diese Vietnamesen das machen. Mit dem Mut der Verzweiflung eröffnen sie Geschäfte aller Art, die meisten sichtbar defizitär: Kioske, Nagelstudios, Schneidereien und diese Thaimassagesalons, in denen sie den lieben langen Tag damit zubringen, dicken schwitzenden Männern zu erklären, dass das hier kein Puff ist.

Und das machen sie auch noch mit Vorliebe in der Wichertstraße, dieser alten räudigen Seuchenecke, in der nur die durchgeknalltesten Läden überleben.

Meine kleine vietnamesische Änderungsschneiderei ist ein Gewinn für den Kiez. Hier zeigt sich wieder der Mentalitätsunterschied, den dieses freundliche Volk in dieser Stadt so besonders kontrastreich lebt: Sie freuen sich. Den ganzen Tag. Über jeden Kunden, der den Laden betritt. Den strahlen sie an, als wäre es der seit Jahren verschollene Bruder/Enkelsohn/Erbonkel. Was für eine Freude.

Wenn ich dann auch noch vorher bei Obi, auf dem Bezirksamt Pankow oder zu allem Überfluss in Brandenburg war, erleide ich vor lauter kulturellem Wechselbad einen Endorphinschock, noch bevor ich meine komplett am Arsch eingerissene Lieblingshose auf die Theke gelegt habe.

Mir fehlt oft mal auch nur ein Knopf. Oder ich habe ein kleines Loch in der zugigen C&A-Billigjacke. So etwas bringe ich dann in die Wichertstraße, weil ich nicht nähen kann. Doch ich muss kämpfen, dafür bezahlen zu dürfen.

"Nei, is umsonst."

"Nee, bitte, 2 Euro, wenigstens 2 Euro."

"Hat doch nur gedauert eine Minute. Nei, kostet nicht."

"Bitte..."

"Nei, bitte, is umsonst."

Ein Kampf. Da bin ich deutsch. Jemand tut was für mich. Ich gebe was zurück. Sonst stehe ich am Ende in einer imaginären Schuld und da steht niemand gern, dessen Moralgerüst noch halbwegs in Ordnung ist.

Aber was tun, wenn derjenige nichts will?

Ich stecke das Geld dann immer dem kleinen Sohn zu, der da drin ab und zu abhängt (wahrscheinlich immer dann, wenn er gerade Pause von der Schule macht, damit der Abstand zu den deutschen Pisa-Verkackern nicht zu groß wird und er unangenehm auffällt). Der freut sich über das Geld und mein inneres Gleichgewicht ist wieder hergestellt.

Ein schöner Ort. So freundlich. So günstig. So gar nicht Prenzlauer Berg.

Manchmal, wenn ich merke, dass ich schon wieder Monate nicht in der Änderungsschneiderei war, spiele ich mit dem Gedanken, mir mutwillig eine Hose ein- oder von meinem Hemd den Ärmel abzureißen, nur um dieses kleine grundsympathische Lädchen zu unterstützen, von dem ich will, dass es bleibt.

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Diem My - Änderungsschneiderei
Wichertstr. 66
10439 Berlin 

Lass mal netzwerken - Links vom 11.06.13


Das Narrenschiff: Die planetarische Herrschaft der Superreichen
Zukunftsangst

formschub.de: Du bist viele
Schwarmintelligenz

Mantory: Süßes für Dich, mich und den Nachwuchs
Muttermilchlutscher

Montag, 10. Juni 2013

Bernau: Abseits der Alkopop-Nazis



Es gibt wenig, was mich nach Brandenburg treibt, außer wenn ich auf der Durchreise bin zu Orten, an denen freundliche und fleißige Menschen wohnen. Polen zum Beispiel. Will ich da hin, muss ich zwangsläufig durch Dunkeldeutschland und mich mit gelangweilten blauschwarz-platinblond-neonrotgesträhnten Schakelyne-Schakyras und ihren dicken blau-grünen Plastikfingernägeln an der Kasse von Autobahntankstellen herumärgern, die ihre heruntergewirtschaftete Kinderstube wie ein Banner vor sich hertragen.

Oft muss ich auch mitten in Brandenburg wegen akuten Hungers was essen und finde ums Verrecken nichts, was offen hat, außer McDonalds an der Autobahnabfahrt, an dem sich die Dorfjugend mit ihren tiefergelegten lila Ford Escorts mit lächerlichen Heckspoilern trifft, Doppelauspuff aufheulen und Landser aus der Bassrolle röhren lässt und sich schöfferhofer-kaktusfeigebesoffen dafür bedauert, dass alle Fidschis, die man vor lauter Langeweile noch hätte klatschen können, schon lange das Weite gesucht haben - zusammen mit allen jungen Frauen, die noch was auf sich halten und mehr vom Leben erwarten als Wodka-Cola, Nazirock und Tankstelle.

Bernau liegt zwar in Brandenburg, lässt aber alle Attribute vermissen, die ich normalerweise mit Brandenburg in Verbindung bringe: Keine Nazis, kein Mangel an gutaussehenden Menschen, die aufrecht gehen und ohne Grunzlaute sprechen können, und einmal im Jahr passiert sogar mal was. Nämlich immer dann, wenn die Hussitenfestspiele sind. Dann wird die mit üppigen Westsubventionen wiederhergestellte Altstadt (Hallo Gelsenkirchen, du lässt für sowas Schönes dein Panorama den Bach runtergehen, sehr geil, danke dafür) ganz besonders herausgeputzt und die Ritter, Gaukler und Schalmeienspieler halten Einzug in die Stadt.


Ja, das haben sie sehr schön gemacht, das mit den Festspielen da in Bernau, zumindest innerhalb der Mittelaltereinzäunung. Für den unvermeidlichen Saufpöbel, dem man in Brandenburg genauso wenig entkommen kann wie in der Simon-Dach-Straße in Berlin, hat man vor dem Mittelaltergelände einen völlig deplatzierten Jahrmarkt mit Karussell, Billigfressbuden und Autoscooter in den öffentlichen Raum erbrochen, der mit seinem Geblinke und Geblöke, seinem Gejaule und seinen Sirenen - Eingestiegen! Hereinspaziert! Eine neue Runde eine neue Wahnsinnsfahrt! - einen unerträglichen Kontrast zu den sehr schönen und liebevollen Ständen mit ihrem ganz eigenen Flair innerhalb des mit einem Zaun separierten Mittelaltergeländes setzt.

Dieses versucht mit seinen Theaterspielen, seinen Konzerten und artistischen Einlagen, einen angemessenen kulturellen Rahmen zu stecken, scheitert aber manchmal schon damit, sich akustisch gegen den bimmelnden Jahrmarkt draußen durchzusetzen. Das ist zwar schade, aber wenigstens kostet das Mittelaltergelände Eintritt, so dass die schlimmsten Patienten lieber draußen bei ihrem halben Meter Abfallbratwurst und ihrem Sangriaeimer bleiben.

Wenn man es geschafft hat, den Jahrmarkt hinter sich zu lassen, dann warten viele kleine Ständchen, die zwar viel zu teures Handgemachtes feilbieten, aber gerade für Kinder ein spannendes Erlebnis sind.

Sofern man aus Prenzlauer Berg kommt, wird ein astreines Déjà-vu geboten, denn die ganzen verkleideten Artisten mit ihren Wollblusen, Teppichumhängen und Filzlatschen sehen auf den ersten Blick aus wie Mütter aus Prenzlauer Berg. Ich hätte sie fast nicht als Darsteller erkannt, wären mir nicht ein Spanferkelbrötchen, ein Krug Schwarzbier und das komplette Fehlen von "Atomkraft nein danke"-Aufklebern aufgefallen.

Die Möglichkeit, sich vor den eigenen Kindern angemessen zu blamieren, hat man hier im Übrigen beim Bogenschießen mit handgefertigten Bögen und Pfeilen - ein unermesslicher Quell der Freude für die kleinen Ratten, wenn Papa vom Met benebelt nicht einmal den äußeren Rand der Scheibe, sondern nur den Baum zwei Meter daneben trifft.


Hübsch gemacht, Bernau! Hier zeigt sich, dass mit guten Ideen auch in Brandenburg was zu reißen ist, wenn man will. Der Erfolg gibt Recht. Vielleicht reicht es ja auch irgendwann mal für den Mut, den sehr schlimmen Ballermann-Jahrmarkt vor den Toren des sehr schönen und ansprechenden Mittelaltergeländes einzustampfen und das aufgrund des Besucheransturms mittlerweile aus allen Nähten platzende Mittelaltergelände auf die ganze Stadt auszuweiten. Die Lutherstadt Wittenberg kann das auch.

Nur Mut.

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Bernauer Hussitenfest
Jedes Jahr am zweiten Juniwochenende 

Sonntag, 9. Juni 2013

Grenzübergang Wedding-Prenzlauer Berg


Hinter der Grenze zwischen Wedding und Prenzlauer Berg steht ein Schild.


Ja. Gut so. Selten war ein Schild so wichtig für Besucher Prenzlauer Bergs. Und so wahr. Ich fürchte nur, dass sich das Schild nicht an die von den durchgeknallten Gehwegrasern gepeinigten Fußgänger in Prenzlauer Berg richtet - die Omas, die Kinder, die Jogger und die Kinderwagenschieber -, sondern an die Autos, die den Lidl-Parkplatz kurz hinter der Bösebrücke verlassen.

Aber immerhin. Es ist ein Anfang.